Wildtierhilfe im Harz
Wildpark Christianental erweitert Auffangstation für verletzte Wildtiere

Wildtierhilfe im Harz

Im Wildpark Christianental in Wernigerode ist eine neue Auffangstation für hilfsbedürftige Tiere eröffnet worden. Drei speziell ausgestattete Räume ermöglichen eine geschützte Unterbringung unter kontrollierten Bedingungen. Anders als bei einem klassischen Gehege geht es dort nicht darum, Tiere für Besucher sichtbar zu machen – Ruhe und Abschirmung gehören ausdrücklich zum Konzept.
Wernigerode, 4. Oktober 2026. Ein Wildpark lebt normalerweise davon, dass Menschen Tiere beobachten können. Im Christianental gibt es nun einen Bereich, in dem genau das nicht im Mittelpunkt steht. Die neue Auffangstation ist für Tiere vorgesehen, die Schutz, Pflege und vor allem Ruhe benötigen.
Dafür wurden drei Räume geschaffen, deren Ausstattung sich deutlich von einem gewöhnlichen Schaugehege unterscheidet. Wie radio SAW berichtet, können dort sowohl Tiere aus dem Bestand des Wildparks als auch aufgefundene Wildtiere untergebracht werden. Der Wildpark Christianental baut damit eine Aufgabe aus, die er bereits seit Jahren übernimmt: verletzte und hilfsbedürftige Wildtiere aufzunehmen, versorgen zu lassen und sie – wenn ihr Zustand es erlaubt – wieder auszuwildern.
Wer bei einer neuen Anlage im Wildpark an zusätzliche Beobachtungsmöglichkeiten denkt, liegt in diesem Fall falsch. Die Auffangstation folgt anderen Anforderungen. Glatte Wände und Böden erleichtern die gründliche Reinigung der Räume. Die Temperatur lässt sich über eine Heizung regulieren. Vergitterte Fenster sichern die Unterbringung.
Hinzu kommen herausnehmbare Scheiben an den Fenstern. Sie ermöglichen es, die Tiere bei Bedarf stärker von ihrer Umgebung abzuschirmen. Menschen und andere Tiere sollen so auf Abstand gehalten werden können. Für geschwächte oder verletzte Wildtiere entsteht damit ein Rückzugsort, dessen Funktion sich bewusst von den öffentlich einsehbaren Anlagen des Wildparks unterscheidet.
Die zugespitzte Beschreibung als „Krankenhaus für Vögel“ liegt angesichts dieser Ausstattung nahe, trifft die Funktion aber nur teilweise. Offiziell handelt es sich um eine Auffangstation. Und sie ist nach den bislang vorliegenden Angaben nicht ausschließlich für Vögel bestimmt. Auch andere aufgefundene Wildtiere können dort aufgenommen werden.
Der entscheidende Unterschied zum normalen Gehege liegt ohnehin an anderer Stelle: In der Auffangstation bestimmt der Zustand eines Tieres, welche Bedingungen benötigt werden. Die Möglichkeit zur Abschirmung ist deshalb kein Nebeneffekt, sondern Teil des Konzepts.
Neu sind die drei dafür eingerichteten Räume. Die Aufgabe selbst ist es nicht.
Nach Angaben der Stadt Wernigerode nimmt der Wildpark Christianental bereits seit Jahren verletzte Wildtiere auf. Sie werden tierärztlich versorgt und gepflegt. Können sie anschließend wieder selbstständig in der Natur leben, ist eine Auswilderung vorgesehen.
Besonders bei Vögeln verfügt der Wildpark über entsprechende Einrichtungen. Bereits vor dem aktuellen Ausbau entstand eine Auffangvoliere für Turmfalken. Große Netzgittervolieren werden außerdem genutzt, um gesund gepflegte Tiere auf die Rückkehr in die Natur vorzubereiten.
Im Wildpark Christianental in Wernigerode ist eine neue Auffangstation für hilfsbedürftige Tiere eröffnet worden. Drei speziell ausgestattete Räume ermöglichen eine geschützte Unterbringung unter kontrollierten Bedingungen.
Damit reicht die Arbeit im Christianental über die Haltung von Tieren für Besucher hinaus. Ein Teil der Infrastruktur dient Tieren, die nur vorübergehend menschliche Hilfe benötigen. Im günstigsten Fall verlassen sie den Wildpark später wieder – nicht in Richtung eines anderen Geheges, sondern zurück in ihren natürlichen Lebensraum.
Die Erweiterung kam nicht überraschend. Im Wernigeröder Amtsblatt hatte die Stadt Ende 2025 mehrere Vorhaben für das folgende Jahr benannt. Dazu gehörte ausdrücklich der weitere Ausbau der Auffangstation.
Parallel wurde auch an anderen Anlagen gearbeitet. 2025 entstand im Wildpark eine moderne Voliere für beschlagnahmte Wald- und Singvögel. Für dieses Projekt wurden Kosten von 13.800 Euro angegeben. 12.000 Euro steuerte die Rolf P.C. und Edith Maria Manteufel Stiftung bei, weitere 1.800 Euro kamen vom Förderverein.
Diese Summe bezieht sich allerdings auf die damalige Voliere und nicht auf die jetzt eröffnete Auffangstation. Zu den konkreten Baukosten der neuen drei Räume liegen in den ausgewerteten Informationen keine gesicherten Angaben vor.
Die neue Auffangstation zeigt besonders deutlich, dass ein Wildpark zwei sehr unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden kann. Auf der einen Seite stehen Anlagen, in denen Menschen Tiere erleben und beobachten. Auf der anderen Seite braucht es Bereiche, in denen genau diese Nähe nicht gefragt ist.
Die Ausstattung der neuen Räume ist darauf ausgerichtet. Sie ermöglicht hygienische Bedingungen, eine regulierbare Temperatur und eine Unterbringung, bei der äußere Einflüsse reduziert werden können.
Damit lässt sich auch die Frage nach dem Besucherzugang genauer einordnen. Belegt ist, dass die Tiere in der Auffangstation bei Bedarf Ruhe vor Menschen und anderen Tieren bekommen sollen. Nicht eindeutig dokumentiert ist dagegen, dass Besucher die Anlage grundsätzlich niemals betreten oder einsehen dürfen.
Von einem geheimen oder vollständig verborgenen Gehege zu sprechen, würde deshalb weiter gehen als die gesicherten Informationen. Treffender ist: Die Auffangstation ist kein Schaugehege. Sie muss die Möglichkeit bieten, Tiere der öffentlichen Beobachtung zu entziehen, wenn deren Zustand das verlangt.
Mit den zusätzlichen Möglichkeiten zur Versorgung stellt sich auch eine praktische Frage: Wann braucht ein gefundenes Wildtier überhaupt menschliche Hilfe?
Dass es im Wildpark Christianental eine Auffangstation gibt, bedeutet nicht, dass jedes allein entdeckte Tier eingefangen werden sollte. Die Stadt Wernigerode verweist bei offensichtlich verletzten, kranken oder hilflosen Wildtieren auf fachkundige Hilfe. Auch im Zusammenhang mit der neuen Station gilt der Rat, zunächst Fachleute einzubeziehen, statt selbst über die Aufnahme eines Tieres zu entscheiden.
Das spielt vor allem bei Jungtieren eine Rolle. Ein Tier, das ohne Muttertier entdeckt wird, ist nicht zwangsläufig verlassen. Ob Hilfe notwendig ist, lässt sich nicht allein daraus schließen, dass sich ein erwachsenes Tier nicht unmittelbar daneben befindet.
Die Auffangstation ist damit kein allgemeiner Abgabeort für jedes aufgefundene Wildtier. Sie erweitert vielmehr die Möglichkeiten des Wildparks, tatsächlich hilfsbedürftige Tiere unter geeigneten Bedingungen unterzubringen.
Der Wildpark Christianental besteht seit 1974. Sein Schwerpunkt liegt auf heimischen und für den Harz typischen Tieren. Nach Angaben der Stadt werden dort rund 30 typische Harzer Wildtierarten sowie etwa 30 Haustierarten gehalten.
Für Besucher ist das Christianental damit zunächst ein klassischer Wildpark. Hinter den öffentlich sichtbaren Anlagen findet jedoch weitere Arbeit statt. Verletzte Tiere werden aufgenommen, gepflegt und – sofern möglich – wieder ausgewildert. Die dafür geschaffenen Volieren und die neue Auffangstation bilden einen Bereich, der anderen Regeln folgt als die Tierhaltung für den Publikumsbetrieb.
Gerade bei Tieren, die wieder in die Natur zurückkehren sollen, ist dieser Unterschied entscheidend. Ihr Aufenthalt im Wildpark soll nicht zwangsläufig dauerhaft sein. Die Versorgung dient dann einem klaren Ziel: Das Tier soll sich so weit erholen, dass eine Rückkehr in seinen natürlichen Lebensraum möglich wird.
Die neue Auffangstation erweitert deshalb weniger das touristische Angebot des Wildparks als dessen Möglichkeiten hinter den Kulissen. Drei Räume stehen nun für Situationen bereit, in denen Tiere geschützt untergebracht werden müssen. Sie lassen sich reinigen, beheizen und gegenüber ihrer Umgebung abschirmen.
Gerade darin liegt die Besonderheit der Anlage. Während ein Wildpark seine Tiere normalerweise sichtbar machen möchte, muss eine Auffangstation das Gegenteil ermöglichen: Abstand.
Der Vergleich mit einem kleinen Tierkrankenhaus beschreibt diese Funktion anschaulich, bleibt aber verkürzt. Die Auffangstation im Wildpark Christianental ist weder ausschließlich für Vögel vorgesehen noch ein gewöhnliches neues Gehege. Sie ist ein Arbeitsbereich für Pflege und geschützte Unterbringung – und damit ein Ort, an dem im Zweifel nicht die beste Sicht für Besucher zählt, sondern die Ruhe für das Tier.
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