Sanierung im Christianental
Wildpark Christianental: Warum Wernigerode den unteren Teich jetzt ablassen muss

Sanierung im Christianental

Im Wildpark Christianental in Wernigerode wird der Untere Christianentalteich schrittweise abgelassen. Das Gewässer ist stark verschlammt und soll bis 2027 saniert werden, zuvor müssen die Fische umziehen. Eine Ursache für den Zustand des Teiches liegt ausgerechnet in einer gut gemeinten Geste vieler Besucher: Zu viel Futter landet im Wasser.
Wernigerode, 5. Oktober 2026. Am Unteren Christianentalteich beginnt eine Sanierung, deren Ausmaß für Besucher bald kaum zu übersehen sein dürfte. Der Wasserstand sinkt, im Oktober sollen die Fische aus dem Gewässer geholt werden. Danach bleibt zurück, worum es bei den Arbeiten vor allem geht: eine erhebliche Menge Schlamm.
Der Teich im Wildpark Christianental ist stark verschlammt. Um eine weitere Verlandung zu verhindern, wird das Wasser derzeit schrittweise abgelassen. Laut radio SAW sollen Mitglieder des Vereins für Angler und Naturfreunde Wernigerode anschließend die Fische bergen und vorübergehend in ein anderes Gewässer im Stadtgebiet umsetzen.
Damit beginnt eine Sanierung, die sich bis weit ins kommende Jahr ziehen wird. Der freigelegte Schlamm soll zunächst über den Winter trocknen und sich verfestigen. Erst 2027 können Teile davon entfernt werden. Läuft alles nach Plan, sollen die Arbeiten im Sommer abgeschlossen sein.
Hinter dem Zustand des Gewässers steckt auch ein Problem, das zunächst harmlos wirkt. Besucher füttern Tiere – vermutlich in der Absicht, ihnen etwas Gutes zu tun. Doch wenn zu viel Futter im Wasser landet, belastet das den Teich. Für die starke Verschlammung im Christianental wird dieser Futtereintrag ausdrücklich als eine Ursache genannt.
Der Wildpark richtet deshalb einen klaren Appell an seine Gäste: Tiere sollten artgerecht und nur in Maßen gefüttert werden. Gerade das richtige Maß ist entscheidend. Was bei einem einzelnen Besucher nach einer kleinen Menge aussieht, kann sich an einem regelmäßig besuchten Ausflugsziel summieren.
Die zugespitzte Rede von „falsch verstandener Tierliebe“ trifft deshalb einen Teil des Problems, erklärt aber nicht den gesamten Zustand des Gewässers. Nach den bislang bekannten Informationen lässt sich nicht beziffern, welchen Anteil das Futter an der Verschlammung hat. Ebenso wenig ist belegt, dass Besucher allein für die notwendige Sanierung verantwortlich sind.
Eine solche Verkürzung würde aus einer Mitursache eine alleinige Ursache machen. Gesichert ist dagegen: Im Unteren Christianentalteich landet zu viel Futter, und der Wildpark sieht darin einen Grund, seine Besucher zu einem zurückhaltenderen Umgang beim Füttern aufzufordern.
Dass Futter in einem Gewässer nicht folgenlos bleibt, ist kein auf Wernigerode beschränktes Phänomen. Kommunen weisen regelmäßig darauf hin, dass liegen gebliebenes Futter und zusätzliche Nährstoffeinträge Gewässer belasten können. Im Christianental erhält diese grundsätzlich bekannte Problematik nun eine sehr konkrete Dimension: Der Teich muss saniert werden, während zugleich auf maßvolles Füttern hingewiesen wird.
Der Untere Christianentalteich im Wildpark Christianental in Wernigerode wird wegen starker Verschlammung saniert. Das Wasser wird abgelassen, die Fische werden umgesetzt und zu viel Futter wird als eine Ursache der Verschlammung genannt.
Dabei geht es nicht darum, Besuchern pauschal Fehlverhalten vorzuwerfen. Entscheidend ist die Menge. Wer Tiere füttert, sieht in der Regel nur die eigene Portion. Für ein Gewässer zählt dagegen, was insgesamt hineingelangt.
Gerade an einem Ausflugsziel wie dem Wildpark Christianental wird aus vielen einzelnen Handlungen schnell ein dauerhafter Eintrag. Der Hinweis des Wildparks ist deshalb ebenso schlicht wie relevant: Wer den Tieren etwas geben möchte, sollte sich an eine artgerechte Fütterung halten und sparsam damit umgehen.
Bevor die eigentliche Arbeit am Teichgrund beginnen kann, muss zunächst der Fischbestand gesichert werden. Mitglieder des Vereins für Angler und Naturfreunde Wernigerode sollen die Tiere im Oktober aus dem Unteren Christianentalteich holen.
Die Fische werden nicht dauerhaft aus dem Christianental entfernt. Vorgesehen ist eine vorübergehende Unterbringung in einem anderen Teich in Wernigerode. Welches Gewässer dafür genutzt wird, ist in den bislang vorliegenden Informationen nicht benannt. Auch zur Zahl und zu den Arten der umzusetzenden Fische liegen keine belastbaren Angaben vor.
Der Ablauf der Sanierung steht dagegen fest: Wasser ablassen, Fische bergen, Schlamm trocknen lassen. Über die Wintermonate soll sich das Material am Teichgrund verfestigen. Das erleichtert die Arbeiten, die für das kommende Jahr vorgesehen sind.
Dass sich die Sanierung des Christianentalteichs über Monate erstreckt, hat mit diesem Verfahren zu tun. Der Schlamm wird nicht unmittelbar nach dem Ablassen des Wassers vollständig aus dem Becken geholt. Er soll zunächst austrocknen.
Im Jahr 2027 sollen dann Teile des verfestigten Materials entfernt werden. Damit soll verhindert werden, dass die Verlandung des Gewässers weiter voranschreitet. Für Besucher bedeutet das: Der Untere Christianentalteich wird über einen längeren Zeitraum nicht so aussehen wie gewohnt.
Die Veränderung ist allerdings vorübergehend. Das Gewässer soll weder aufgegeben noch dauerhaft trockengelegt werden.
Der Begriff „Trockenlegung“ kann bei der aktuellen Maßnahme leicht in die Irre führen. Zwar wird dem Unteren Christianentalteich das Wasser entzogen. Das geschieht aber, damit am Teichgrund gearbeitet werden kann. Ziel ist nicht das Verschwinden des Gewässers, sondern sein Erhalt.
Die Sanierung soll die fortschreitende Verlandung stoppen. Nach der Entfernung eines Teils des Schlamms soll der Teich wieder als Gewässer zum Wildpark Christianental gehören. Als Zielmarke für den Abschluss der Arbeiten wird derzeit der Sommer 2027 genannt.
Für Spaziergänger und Familien dürfte die Baustellensituation dennoch auffallen. Der Teich gehört zum vertrauten Bild des Christianentals. Wenn das Wasser verschwindet und der schlammige Grund sichtbar wird, verändert sich dieser Teil des Wildparks für mehrere Monate deutlich.
Der Wildpark liegt südöstlich von Wernigerode und besteht seit 1974. Nach Angaben der Stadt erstreckt sich das Gelände über rund acht Hektar. Zu sehen sind dort typische Wildtierarten des Harzes sowie verschiedene Haustiere. Für Einheimische und Urlauber gehört das Christianental seit Jahrzehnten zu den bekannten Ausflugszielen der Stadt.
Zum Gelände gehören zwei Gewässer: der Obere und der Untere Christianentalteich. Diese Unterscheidung ist für die aktuelle Sanierung wichtig. Betroffen ist ausschließlich der Untere Christianentalteich.
Auch der obere Teich war bereits Gegenstand ökologischer Maßnahmen. Dort wurde 2017 im Zuge einer Renaturierung unter anderem Lebensraum für den heimischen Edelkrebs geschaffen. Damals wurden zunächst 50 Edelkrebse eingesetzt. Mit der aktuellen Sanierung des unteren Teiches hat dieses Projekt unmittelbar nichts zu tun.
Für den Unteren Christianentalteich beginnt nun eine lange Phase der Erneuerung. In den kommenden Wochen sinkt der Wasserstand, danach werden die Fische umgesetzt. Über den Winter bleibt der freigelegte Schlamm liegen, bevor 2027 Teile davon entfernt werden können.
Die Arbeiten zeigen zugleich, wie empfindlich ein kleines Gewässer auf Einträge reagieren kann. Beim Christianentalteich gehört dazu auch Futter, das von Besuchern ins Wasser gegeben wird. Es ist nicht als alleiniger Grund für die Verschlammung belegt – aber als einer der Faktoren, auf die der Wildpark selbst aufmerksam macht.
Damit liegt in der Sanierung auch eine Botschaft an die Besucher. Tiere zu beobachten und ihnen nahe zu sein, gehört zum Reiz des Wildparks. Beim Füttern jedoch ist Zurückhaltung gefragt. Was gut gemeint ist, kann sich in der Summe gegen den Lebensraum richten, den man eigentlich schützen möchte.
Im Sommer 2027 soll die Sanierung nach bisheriger Planung beendet sein. Dann soll der Untere Christianentalteich wieder das sein, was er vor Beginn der Arbeiten war: ein fester Bestandteil des Wildparks Christianental – nur mit deutlich weniger Schlamm am Grund.
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