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Gesundheitsvorsorge im Harz

Hitzeschutz in Goslar: Latif fordert bessere Vorsorge für Schulen und Pflegeheime

Sonnenlicht am Fenster mit Sonnenschutz, Wasserglas und Thermometer als Maßnahmen zum Hitzeschutz in Innenräumen.
Symbolbild: KI-generiert. Beschattung und kühle Innenräume gehören zu den Maßnahmen zum Hitzeschutz, über die Fachleute bei der Gesundheitskonferenz im Landkreis Goslar beraten haben.

Wie können Schulen, Pflegeheime und Betriebe ihre Beschäftigten und Besucher besser vor extremer Hitze schützen? Auf der zehnten Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar diskutierten Fachleute am 28. Oktober über bauliche Vorsorge, gesundheitliche Risiken und neue Möglichkeiten der Notfallversorgung. Klimaforscher Mojib Latif drängte auf mehr Schutz für besonders gefährdete Menschen – konkrete Beschlüsse über zusätzliche Maßnahmen sind bislang nicht bekannt.

Goslar, 29. Oktober 2026. Hohe Temperaturen werden zunehmend zu einer Herausforderung für die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Welche Vorkehrungen nötig sind, um Menschen bei extremen Hitzeperioden besser zu schützen, beschäftigte am Mittwoch die zehnte Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar. Unter dem Motto „Hitzeschutz für alle“ kamen im Kreishaus Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Im Mittelpunkt standen die Folgen des Klimawandels, bauliche Schutzmaßnahmen und die medizinische Versorgung bei hitzebedingten Notfällen.

Rund 100 Menschen nahmen nach Angaben von regionalHeute.de an der Veranstaltung teil. Zu den Referenten gehörten der Klimaforscher Mojib Latif, ein Experte des Instituts für Arbeitsschutz und der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Goslar. Ihre Beiträge machten deutlich, wie unterschiedlich die Anforderungen an einen wirksamen Hitzeschutz sind. Während Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser vor allem gesundheitliche Risiken berücksichtigen müssen, stehen bei Schulen, öffentlichen Gebäuden und Betrieben auch die baulichen Bedingungen im Vordergrund.

Hitzeschutz im Landkreis Goslar: Latif fordert bessere Vorsorge

Der Klimaforscher Mojib Latif stellte in seinem zentralen Vortrag die Folgen der globalen Erwärmung dar. Sein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich Städte und Gemeinden auf zunehmende klimatische Belastungen einstellen können. Denn die Auswirkungen hoher Temperaturen beschränken sich nicht auf einzelne besonders heiße Tage. Sie betreffen auch die Planung von Gebäuden, die Gestaltung öffentlicher Flächen und den Schutz gesundheitlich gefährdeter Menschen.

Besonders dringlich ist die Vorsorge dort, wo Menschen auf Betreuung oder medizinische Unterstützung angewiesen sind. Latif verwies deshalb auf Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeheime sowie Schulen und Kindertagesstätten. In diesen Einrichtungen können hohe Raumtemperaturen zur zusätzlichen Belastung werden. Entsprechende Schutzmaßnahmen müssen deshalb bereits bei der Gestaltung und Nutzung von Gebäuden berücksichtigt werden.

Zu den diskutierten Möglichkeiten gehörten die Entsiegelung befestigter Flächen, zusätzliche Begrünung und eine bessere Beschattung. Solche Maßnahmen setzen an den örtlichen Bedingungen an: Sie können die Aufheizung von Außenbereichen begrenzen und dazu beitragen, die unmittelbare Umgebung von Gebäuden angenehmer zu gestalten.

Latif unterschied zwischen dem weltweiten Kampf gegen den Klimawandel und der Anpassung an dessen Folgen. Während die Begrenzung der Erderwärmung internationale Zusammenarbeit erfordert, können Städte und Landkreise konkrete Schutzmaßnahmen vor Ort umsetzen. Damit rückt die kommunale Verantwortung stärker in den Mittelpunkt.

Auch ländliche Regionen müssen sich vorbereiten

Landrat Dr. Alexander Saipa eröffnete die Konferenz und stellte den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung in den Vordergrund. Die Folgen des Klimawandels betreffen nicht ausschließlich dicht bebaute Großstädte. Auch ländlich geprägte Regionen wie der Landkreis Goslar müssen sich auf die Belastungen durch hohe Temperaturen einstellen.

Der Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen bildete deshalb einen Schwerpunkt der Beratungen. Die Gesundheitskonferenz führte unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammen: Klimaforschung, Arbeitsschutz und Rettungsmedizin. Aus diesen Bereichen ergeben sich jeweils eigene Anforderungen an die Vorsorge.

Ob der Landkreis aus den Beratungen einen verbindlichen Maßnahmenkatalog entwickeln wird, ist bislang nicht bestätigt. Auch über zusätzliche Investitionen oder einen auf der Konferenz verabschiedeten Hitzeaktionsplan liegen keine gesicherten Angaben vor.

Beschattung, Begrünung und Dämmung: Welche Maßnahmen helfen?

Das Wichtigste in Kürze

Bei der zehnten Gesundheitskonferenz im Landkreis Goslar diskutierten Fachleute am 28. Oktober 2026 über den Schutz vor extremer Hitze. Klimaforscher Mojib Latif forderte bessere Vorsorge für besonders gefährdete Einrichtungen; konkrete neue Beschlüsse sind bislang nicht belegt.

Was ist passiert?
Unter dem Motto „Hitzeschutz für alle“ kamen im Kreishaus Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.
Wo?
Auch ländlich geprägte Regionen wie der Landkreis Goslar müssen sich auf die Belastungen durch hohe Temperaturen einstellen.
Wer ist betroffen?
Besonders dringlich ist die Vorsorge dort, wo Menschen auf Betreuung oder medizinische Unterstützung angewiesen sind.
Was gilt konkret?
Zu den diskutierten Möglichkeiten gehörten die Entsiegelung befestigter Flächen, zusätzliche Begrünung und eine bessere Beschattung.
Was ist noch offen?
Weder ein auf der Konferenz beschlossener Hitzeaktionsplan noch konkrete Investitionszusagen sind bislang belegt.

Stand:

Wie Hitzeschutz am Arbeitsplatz und in Gebäuden aussehen kann, erläuterte Sebastian Dohm vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA). Er übernahm kurzfristig den ursprünglich für einen anderen Referenten vorgesehenen Beitrag und wurde digital zugeschaltet.

Im Mittelpunkt standen technische und bauliche Lösungen. Dazu zählen Beschattungssysteme, begrünte Fassaden, geeignete Baumaterialien und eine angepasste Wärmedämmung. Auch die Entsiegelung von Außenflächen kann Teil eines umfassenderen Schutzkonzepts sein.

Die Maßnahmen verfolgen unterschiedliche Ansätze. Verschattung soll direkte Sonneneinstrahlung begrenzen. Begrünte Flächen können die Aufheizung der Umgebung reduzieren. Dämmung und Materialwahl beeinflussen wiederum, wie stark sich Gebäude unter hohen Außentemperaturen erwärmen.

Technische Lösungen sollen Belastungen dauerhaft verringern

Dohm rückte insbesondere den Vorrang technischer Schutzmaßnahmen in den Blick. Organisatorische Regelungen können zwar helfen, Arbeitsabläufe an hohe Temperaturen anzupassen. Bauliche Veränderungen setzen jedoch früher an: Sie sollen die Wärmebelastung bereits dort begrenzen, wo sie entsteht oder auf Menschen einwirkt.

Für Betriebe und öffentliche Einrichtungen ergibt sich daraus ein breites Spektrum möglicher Vorkehrungen. Welche Lösung geeignet ist, hängt von den jeweiligen Gebäuden und Arbeitsbedingungen ab. Die Konferenz behandelte entsprechende Möglichkeiten, ohne dass daraus bereits konkrete Umbauentscheidungen für einzelne Einrichtungen im Landkreis hervorgingen.

Unklar bleibt insbesondere, welche öffentlichen Gebäude in Goslar bereits über zusätzliche Hitzeschutzmaßnahmen verfügen und wo weiterer Anpassungsbedarf besteht. Ein verbindlicher Zeitplan für bauliche Veränderungen wurde im Zusammenhang mit der Veranstaltung nicht bekannt.

Gesundheitsamt Goslar warnt vor den Folgen extremer Hitze

Die gesundheitlichen Risiken hoher Temperaturen sind im Landkreis bereits seit Längerem Gegenstand der öffentlichen Vorsorge. Im Juni 2026 veröffentlichte das Gesundheitsamt Goslar Hinweise zum Verhalten bei großer Hitze. Die Empfehlungen richten sich an die Bevölkerung insgesamt, berücksichtigen aber besonders Menschen mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko.

Dazu zählen ältere und pflegebedürftige Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Auch wohnungslose Menschen und Beschäftigte, die körperlich anstrengende Arbeiten im Freien ausüben, können besonders stark betroffen sein.

Das Gesundheitsamt empfiehlt, während großer Hitze ausreichend zu trinken, möglichst kühle Räume aufzusuchen und sich vor intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen. Schwere körperliche Anstrengungen sollten bei hohen Temperaturen nach Möglichkeit vermieden werden.

Solche Verhaltensempfehlungen sind ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge. Sie ersetzen allerdings nicht die Frage, wie Einrichtungen und Arbeitsplätze grundsätzlich gestaltet sein müssen, damit die Wärmebelastung möglichst gering bleibt. Genau an dieser Schnittstelle zwischen individuellem Verhalten und strukturellem Schutz setzte die Gesundheitskonferenz an.

RKI schätzt rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle im Sommer 2026

Wie schwerwiegend die gesundheitlichen Folgen hoher Temperaturen ausfallen können, zeigen bundesweite Berechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI). In seinem Bericht vom 17. September 2026 schätzte das Institut für den Sommer 2026 bis einschließlich Kalenderwoche 36 rund 16.000 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland.

Die statistische Schätzung war mit einer Unsicherheit verbunden. Das RKI bezifferte den entsprechenden Bereich auf etwa 14.300 bis 17.600 Fälle. Die Angaben beruhen auf einem statistischen Verfahren zur Ermittlung hitzebedingter Sterblichkeit. Sie sind nicht mit einer Zählung individuell bestätigter Todesfälle durch Hitze gleichzusetzen.

Für den Landkreis Goslar lässt sich aus diesen bundesweiten Daten keine konkrete Zahl ableiten. Lokale Angaben zu hitzebedingten Todesfällen wurden im Zusammenhang mit der Gesundheitskonferenz nicht veröffentlicht.

Die RKI-Schätzung liefert dennoch einen wichtigen gesundheitspolitischen Hintergrund für die Beratungen. Sie zeigt, weshalb der Schutz vor hohen Temperaturen nicht allein als Frage des persönlichen Wohlbefindens behandelt werden kann, sondern auch die öffentliche Gesundheitsversorgung betrifft.

Telemedizin soll auch bei hitzebedingten Notfällen unterstützen

Neben vorbeugenden Maßnahmen beschäftigte sich die Konferenz mit der Versorgung von Menschen, die bei großer Hitze medizinische Hilfe benötigen. Dr. Tobias Steffen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Goslar, stellte dazu Möglichkeiten der Telemedizin und Telenotfallmedizin vor.

Solche Verfahren ermöglichen es grundsätzlich, medizinische Fachkompetenz auch über größere Entfernungen einzubinden. Für den Rettungsdienst können sie eine ergänzende Möglichkeit darstellen, die Versorgung bei Notfällen zu unterstützen.

Ob der Landkreis Goslar zusätzliche telemedizinische Angebote einführen oder bestehende Systeme erweitern möchte, geht aus den bisher bekannten Informationen nicht hervor. Auch konkrete Zahlen zu Rettungsdiensteinsätzen wegen hitzebedingter Beschwerden im Sommer 2026 liegen aus der Konferenzberichterstattung nicht vor.

Der Beitrag machte damit einen weiteren Bereich des Hitzeschutzes sichtbar: Neben der Vermeidung gesundheitlicher Belastungen muss auch die medizinische Versorgung auf entsprechende Notfälle vorbereitet sein.

Welche Schritte nach der Gesundheitskonferenz folgen, bleibt offen

Die zehnte Gesundheitskonferenz im Landkreis Goslar hat gezeigt, wie viele Bereiche beim Schutz vor extremer Hitze zusammenwirken müssen. Die Anforderungen reichen von der Gestaltung öffentlicher Gebäude über die Sicherheit am Arbeitsplatz bis zur Versorgung gesundheitlich gefährdeter Menschen.

Der Vortrag von Mojib Latif lenkte den Blick besonders auf Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Die Beiträge aus Arbeitsschutz und Rettungsmedizin ergänzten diese Perspektive um technische und medizinische Möglichkeiten.

Eine Entscheidung über neue verbindliche Schutzmaßnahmen ist damit allerdings noch nicht verbunden. Weder ein auf der Konferenz beschlossener Hitzeaktionsplan noch konkrete Investitionszusagen sind bislang belegt.

Für den Landkreis Goslar wird deshalb entscheidend sein, ob die fachlichen Empfehlungen in konkrete Planungen einfließen. Die möglichen Maßnahmen sind benannt, die gesundheitlichen Risiken dokumentiert. Welche Veränderungen daraus für öffentliche Einrichtungen, Betriebe und besonders gefährdete Menschen entstehen, bleibt die offene Frage nach der Konferenz.

Quellen

  1. Wenn Hitze zur Gefahr wird: Landkreis Goslar berät über wirksamen SchutzregionalHeute.de
  2. Gesundheitskonferenz befasst sich mit HitzeschutzLandkreis Goslar
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