Im Trüllketal westlich von Goslar pflegt die Natur- und Umwelthilfe seit rund 13 Jahren Teiche, Wiesen und Bachbereiche. Zu den jüngsten Arbeiten zählen neue Eulen-Nistkästen und die Beseitigung alter Maschendrahtzäune. Hinter den einzelnen Einsätzen steht ein langfristiges Naturschutzprojekt, das frühere Nutzflächen schrittweise in stabilere Lebensräume für Amphibien, Insekten und Vögel verwandeln soll.

Goslar, 21. Juli 2026. Die Arbeit beginnt oft dort, wo ein Landschaftsraum auf den ersten Blick längst sich selbst überlassen scheint. Im Trüllketal sind es alte Zäune, verschlammte Teiche, gefährdete Dämme und frühere Nutzstrukturen, die immer wieder Eingriffe erforderlich machen. Die Natur- und Umwelthilfe Goslar kümmert sich seit rund 13 Jahren um das Gebiet westlich der Stadt und entwickelt es in mehreren Etappen weiter.

Bei einem der jüngsten Arbeitseinsätze brachten die ehrenamtlichen Naturschützer Nistkästen für Eulen an. Außerdem entfernten sie alte Maschendrahtzäune aus dem Gelände. Beides gehört zu jener unspektakulären, aber entscheidenden Arbeit, ohne die Biotoppflege kaum auskommt: Hindernisse beseitigen, Rückzugsorte schaffen, Flächen offenhalten und bestehende Lebensräume sichern.

Das Trüllketal ist dabei kein neu angelegtes Naturprojekt aus einem Guss. Es handelt sich um eine gewachsene Landschaft aus Wiesen, Gehölzen, Bachufern und künstlich angelegten Teichen. Mehrere dieser Bereiche wurden über Jahre hinweg renaturiert, instand gesetzt oder ökologisch aufgewertet. Der Schwerpunkt liegt weniger auf einem einmaligen Umbau als auf einer dauerhaften Entwicklung.

Wie aus ehemaligen Fischteichen Amphibiengewässer wurden

Ein zentraler Teil des Projekts sind die Teiche im Trüllketal. Einige von ihnen wurden früher als Fischteiche genutzt. Später ließ die Natur- und Umwelthilfe die Gewässer entschlammen, Uferzonen neu gestalten und technische Anlagen sichern. Zwei ehemalige Fischteiche wurden zu Laichgewässern für Amphibien entwickelt.

Solche Veränderungen lassen sich nicht mit einem einzigen Arbeitseinsatz abschließen. Teiche verändern sich fortlaufend. Sedimente lagern sich ab, Ufer wachsen zu, Dämme werden durch Niederschläge belastet. Werden die Gewässer nicht gepflegt, können offene Wasserflächen verschwinden oder ihre Funktion als Laichplatz verlieren.

Im Trüllketal geht es deshalb gleichermaßen um Renaturierung und Erhalt. Naturnahe Strukturen sollen entstehen, zugleich müssen die künstlich angelegten Gewässer technisch stabil bleiben. Dieser Spagat prägt viele kleinere Biotopprojekte: Was ökologisch wertvoll werden soll, braucht zunächst oft handfeste Pflege.

Zum betreuten Gebiet gehören nach früheren Angaben vier Teiche sowie eine Wiesenlandschaft. Hinzu kommen Gehölze und Abschnitte entlang des Bachlaufs. Durch den Erwerb zusätzlicher Flächen konnte der Verein seine Arbeit ausweiten und Teile des Areals dauerhaft für den Naturschutz sichern.

Starkregen setzte den Teichen zu

Wie empfindlich solche Strukturen sind, zeigte sich bei Starkregenereignissen. Große Wassermengen belasteten Teiche und Dämme, sodass zusätzliche Sicherungen notwendig wurden. In einer früheren Projektphase ließ der Verein unter anderem einen Notüberlauf vertiefen. Ziel war es, Wasser kontrollierter abzuleiten und Schäden an den angelegten Amphibienlebensräumen zu verhindern.

Die Maßnahme macht deutlich, dass Naturschutz im Trüllketal nicht allein darin besteht, Flächen möglichst unberührt zu lassen. Wo Teiche künstlich geschaffen oder verändert wurden, bleiben technische Eingriffe Teil der Verantwortung. Dämme müssen halten, Überläufe funktionieren, Uferbereiche dürfen weder vollständig verbuschen noch erodieren.

Gerade bei kleineren Gewässern entscheidet diese kontinuierliche Betreuung darüber, ob sie über Jahre hinweg als Lebensraum bestehen können. Renaturierung bedeutet deshalb nicht, die Natur nach einem Umbau sich selbst zu überlassen. Sie verlangt Beobachtung, Nachsteuerung und regelmäßige Arbeit.

Mehrere Förderphasen statt einer einmaligen Maßnahme

Die Entwicklung der Biotope im Trüllketal wurde in verschiedenen Jahren durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung unterstützt. Dabei handelt es sich um mehrere voneinander getrennte Vorhaben.

Für die ökologische Erstinstandsetzung von drei Kleingewässern wurde eine Förderung von 9.930 Euro ausgewiesen. Eine weitere Unterstützung in Höhe von 11.900 Euro floss in die Sicherung von Amphibienbiotopen, unter anderem gegen die Folgen von Starkregen.

Für die Entschlammung und Neugestaltung zweier Teiche wurden Gesamtkosten von rund 14.000 Euro genannt. Auch dieses Vorhaben erhielt Fördermittel. In einer späteren Phase wurde außerdem eine Naturschutz-Informationstafel unterstützt, die Besuchern die Bedeutung des Gebiets erklären soll.

Die Beträge gehören zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Maßnahmen. Sie lassen sich nicht zu einer aktuellen Gesamtförderung zusammenfassen. Zusammengenommen zeigen sie jedoch, wie kleinteilig das Projekt gewachsen ist. Statt einer großen Baumaßnahme gab es immer wieder einzelne Schritte: Flächen sichern, Gewässer überarbeiten, Dämme stabilisieren, Informationen vermitteln.

Was im Trüllketal bisher umgesetzt wurde

  • Entschlammung und ökologische Neugestaltung mehrerer Teiche
  • Entwicklung ehemaliger Fischteiche zu Laichgewässern für Amphibien
  • Sicherung von Dämmen und Vertiefung eines Notüberlaufs
  • Erwerb zusätzlicher Teich-, Wiesen- und Uferflächen
  • Aufstellung einer Informationstafel zum Naturschutz
  • Anbringen von Eulen-Nistkästen
  • Entfernung alter Maschendrahtzäune aus dem Gelände

Die Liste verdeutlicht, dass die Arbeit weit über klassische Landschaftspflege hinausgeht. Eigentumsfragen, bauliche Sicherungen, Gewässerunterhaltung und Artenschutz greifen ineinander. Jede Maßnahme verändert nur einen Ausschnitt des Gebiets, soll aber langfristig die ökologische Qualität des gesamten Landschaftsraums erhöhen.

Naturschutz in einem genutzten Landschaftsraum

Das Trüllketal ist zugleich Naturraum und Naherholungsgebiet. Städtische Planungsunterlagen beschreiben den Bereich westlich von Goslar als abwechslungsreiche Landschaft mit Wald, offenen Wiesen und naturnahen Strukturen. Vorgesehen ist eine ruhige, mit dem Schutz der Landschaft vereinbare Nutzung.

Damit treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Spaziergänger und Wanderer nutzen das Tal, während empfindliche Gewässer, Wiesen und Uferbereiche möglichst wenig gestört werden sollen. Die Informationstafel soll diesen Zusammenhang verständlich machen und erklären, warum auch unscheinbare Teiche oder feuchte Wiesen für Tiere und Pflanzen bedeutsam sind.

Vor allem Amphibien sind auf ein Netz geeigneter Kleingewässer angewiesen. Auch Insekten profitieren von feuchten Zonen, offenen Wiesen und strukturreichen Übergängen zwischen Wasser, Gehölzen und Grünland. Welche Arten aktuell im Trüllketal vorkommen und wie sich ihre Bestände entwickeln, lässt sich allerdings nur durch fachliche Erfassungen belastbar feststellen.

Aus älteren Planungsunterlagen geht hervor, dass in den Quellwiesen des Gebiets bereits der stark gefährdete Wachtelkönig beobachtet wurde. Ein aktueller Brutnachweis ist daraus nicht abzuleiten. Der frühere Fund unterstreicht dennoch, welches Potenzial die offenen und feuchten Landschaftsbereiche besitzen.

Ein Projekt, das von Kontinuität lebt

Die jüngsten Arbeiten mit Nistkästen und Zaunabbau sind kein spektakulärer Neubeginn. Sie stehen für die Art von Naturschutz, die selten mit einem einzigen sichtbaren Ergebnis endet. Im Trüllketal fügt sich ein Arbeitseinsatz an den nächsten. Manche Maßnahmen reagieren auf Schäden, andere schaffen neue Strukturen oder sichern bereits Erreichtes.

Ob sich einzelne Tierarten dadurch dauerhaft stärker ansiedeln, kann nur über längere Zeiträume beurteilt werden. Sicher ist: Die Natur- und Umwelthilfe Goslar hat das Gebiet über Jahre hinweg erweitert, gepflegt und schrittweise aufgewertet. Aus früheren Fischteichen wurden Amphibiengewässer, aus gefährdeten Anlagen stabilere Biotope, aus brachliegenden Flächen ein langfristiges Naturschutzprojekt.

Gerade darin liegt die Bedeutung des Trüllketals. Die Entwicklung des Gebiets beruht nicht auf einem großen Eingriff, sondern auf Ausdauer. Biotope entstehen hier nicht auf einen Schlag. Sie wachsen mit jeder gesicherten Fläche, jedem instand gesetzten Teich und jedem weiteren Jahr, in dem sich jemand um sie kümmert.

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