Blindgänger und Kriegsmunition
40,5 Tonnen Kampfmittel: Sachsen-Anhalts Räumdienste an 219 Fundstellen im Einsatz

Blindgänger und Kriegsmunition

In Sachsen-Anhalt sind innerhalb von neun Monaten 40,5 Tonnen Kampfmittel entdeckt worden. An 219 Fundstellen stießen die Behörden auf alte Munition, darunter elf größere Fliegerbomben, die unschädlich gemacht werden mussten. Besonders im Saalekreis erschweren wiederholte Bombenfunde die Vorbereitungen für ein Bauprojekt – und zeigen, wie lange die Folgen des Zweiten Weltkriegs noch nachwirken.
Magdeburg, 12. Oktober 2026. Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigen Blindgänger und alte Munition weiterhin die Behörden in Sachsen-Anhalt. Von Januar bis Ende September wurden landesweit 40,5 Tonnen Kampfmittel an 219 Fundstellen entdeckt. Das geht aus einer Zwischenbilanz der Polizeiinspektion Zentrale Dienste in Magdeburg hervor, über die die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.
Unter den Funden waren elf Fliegerbomben mit einem Gewicht von jeweils mindestens 50 Kilogramm. Sie wurden vom Kampfmittelbeseitigungsdienst unschädlich gemacht. Sechs Bomben konnten die Spezialisten entschärfen, drei hatten keinen Zünder. Zwei weitere mussten kontrolliert gesprengt werden.
Die Zahlen erfassen lediglich die ersten neun Monate des Jahres. Wie viele Kampfmittel bis Ende Dezember hinzukommen, ist offen. Schon jetzt zeigt die Bilanz jedoch, dass die Beseitigung alter Munition für Sachsen-Anhalt eine dauerhafte Aufgabe bleibt. Besonders deutlich wird das derzeit in Braunsbedra im Saalekreis, wo bei Untersuchungen für einen geplanten Brückenneubau wiederholt Blindgänger gefunden wurden.
Die 40,5 Tonnen verteilen sich auf zahlreiche Fundorte im Land. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um große Fliegerbomben. Zur registrierten Fundmunition gehören unterschiedliche militärische Sprengkörper und Munitionsarten, deren Bergung und Beseitigung jeweils eigene Anforderungen stellen.
Die bisherige Jahresbilanz umfasst folgende Angaben:
Die unterschiedlichen Verfahren machen deutlich, dass nicht jeder Blindgänger auf dieselbe Weise beseitigt werden kann. Entscheidend sind unter anderem die Art des Sprengkörpers und sein Zustand. Ob eine Bombe entschärft werden kann oder gesprengt werden muss, beurteilen die Fachleute vor Ort.
Eine wichtige Einschränkung enthält die Statistik allerdings: Die gemeldete Fundmenge lässt sich nicht ohne Weiteres mit der Menge bereits entsorgter Munition gleichsetzen. Aus den veröffentlichten Angaben geht nicht hervor, welcher Anteil der 40,5 Tonnen abtransportiert, vernichtet oder auf andere Weise endgültig beseitigt wurde.
Wie unmittelbar die Kampfmittelbelastung in Sachsen-Anhalt aktuelle Bauvorhaben betrifft, zeigt sich in Braunsbedra. Dort wird das Gelände im Zusammenhang mit einem geplanten Brückenneubau der DB InfraGo an der Landesstraße 178 zwischen Braunsbedra und Krumpa untersucht.
Die Fläche gilt als Kampfmittelverdachtsgebiet. Bei den Untersuchungen kamen innerhalb weniger Tage mehrere Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein. Die Funde erforderten wiederholte Einsätze des Kampfmittelbeseitigungsdienstes und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen.
In Sachsen-Anhalt wurden von Januar bis September 2026 insgesamt 40,5 Tonnen Kampfmittel an 219 Fundstellen entdeckt. Wiederholte Bombenfunde in Braunsbedra verdeutlichen die Bedeutung der Kampfmittelbeseitigung für Bauvorhaben.
Am 1. Oktober 2026 wurden in Braunsbedra drei Fliegerbomben entschärft. Zunächst waren lediglich zwei Blindgänger bekannt gewesen. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete, wurde im Verlauf der Untersuchungen ein weiterer Sprengkörper entdeckt.
Bereits am 7. Oktober mussten die Spezialisten erneut ausrücken. Diesmal handelte es sich um eine amerikanische 500-Pfund-Bombe. Ihr Zünder konnte gegen 10.35 Uhr entfernt werden. Auch dieser Einsatz verlief damit ohne eine notwendige Sprengung des gesamten Bombenkörpers.
Für die Arbeiten richteten die Behörden Sperrbereiche mit einem Radius von 500 Metern ein. Solche Sicherheitszonen sollen verhindern, dass Menschen während der Entschärfung in die unmittelbare Gefahrenzone geraten.
Die wiederholten Funde verdeutlichen, weshalb Untersuchungen auf Kampfmittel bei Bauarbeiten auf belasteten Flächen notwendig sind. Solange nicht geklärt ist, ob sich gefährliche Munition im Untergrund befindet, können entsprechende Erdarbeiten ein erhebliches Risiko darstellen.
Die Belastung im Raum Braunsbedra hängt mit der Geschichte des Standorts zusammen. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich dort das Mineralölwerk Lützkendorf, eine für die damalige Kriegswirtschaft bedeutende Industrieanlage.
Das Werk wurde bei Luftangriffen schwer getroffen. Neben den unmittelbaren Zerstörungen hinterließen die Bombardierungen auch Sprengkörper, die nicht detonierten. Solche Blindgänger können über Jahrzehnte im Erdreich verbleiben und erst bei späteren Untersuchungen oder Bauarbeiten entdeckt werden.
Wie viele weitere Bomben sich möglicherweise noch im Umfeld des ehemaligen Werks befinden, ist anhand der veröffentlichten Informationen nicht zu beziffern. Die jüngsten Funde zeigen allerdings, dass die historische Belastung bei der heutigen Nutzung des Geländes weiterhin berücksichtigt werden muss.
Nicht nur frühere Industrieanlagen, sondern auch militärisch genutzte Flächen spielen bei der Kampfmittelbeseitigung in Sachsen-Anhalt eine Rolle. Zu den in der aktuellen Berichterstattung genannten Gebieten gehören Altengrabow und die Colbitz-Letzlinger Heide.
Beide Regionen sind durch militärische Nutzung geprägt. Dort können sich andere Arten von Fundmunition befinden als in Gebieten, die während des Zweiten Weltkriegs bombardiert wurden. Die Zusammensetzung der Kampfmittel hängt wesentlich von der früheren Nutzung der jeweiligen Fläche ab.
Auch im Landkreis Stendal wurden größere Munitionsfunde bekannt. In Kümmernitz war von knapp 1,7 Tonnen Gewehrmunition die Rede. Aus Schönhausen an der Elbe wurden unter anderem Funde von Granaten und Panzerfaustmunition gemeldet.
Die Beispiele zeigen die Bandbreite der Hinterlassenschaften. Während Fliegerbomben wegen ihrer Sprengkraft und der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen besonders viel Aufmerksamkeit erhalten, umfasst die Arbeit der Kampfmittelräumer ebenso den Umgang mit kleineren Munitionsarten.
Für die Fachleute ist dabei nicht allein die Menge ausschlaggebend. Auch die Art der Munition, ihre Beschaffenheit und die Bedingungen am Fundort bestimmen, welche Maßnahmen erforderlich sind.
Die Beseitigung von Kampfmitteln wird das Land voraussichtlich noch über viele Jahre beschäftigen. Darauf hatten Verantwortliche bereits vor der aktuellen Zwischenbilanz hingewiesen.
Für das Jahr 2024 wurde eine Fundmenge von 182 Tonnen gemeldet. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 51,2 Tonnen. Die nun registrierten 40,5 Tonnen für Januar bis September 2026 liegen darunter. Daraus lässt sich allerdings kein verlässlicher Rückgang der tatsächlichen Kampfmittelbelastung ableiten.
Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume. Zudem hängt die erfasste Fundmenge auch davon ab, wo und in welchem Umfang Flächen untersucht oder geräumt werden. Ein direkter Vergleich einzelner Statistiken sagt deshalb nur begrenzt etwas darüber aus, wie viel Munition insgesamt noch im Boden liegt.
Bereits im August 2025 hatte Torsten Kresse, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, in der dpa-Berichterstattung auf die langfristige Dimension der Räumarbeiten hingewiesen. Diese könnten demnach noch mehrere Jahrzehnte andauern.
Eine vollständige Übersicht über sämtliche noch vorhandenen Kampfmittel lässt sich aus den bisherigen Fundzahlen nicht gewinnen. Sie dokumentieren zunächst, welche Mengen bei den jeweiligen Untersuchungen tatsächlich entdeckt wurden.
In Sachsen-Anhalt ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizeiinspektion Zentrale Dienste für die fachgerechte Behandlung entsprechender Funde zuständig. Zu seinen Aufgaben gehören die Untersuchung verdächtiger Flächen, die Bergung gefährlicher Munition sowie deren sichere Beseitigung.
Bei einem Bombenfund müssen die Spezialisten zunächst beurteilen, wie mit dem Sprengkörper umzugehen ist. Die Zwischenbilanz der elf größeren Fliegerbomben zeigt, dass dabei unterschiedliche Ergebnisse möglich sind: Entschärfung, Feststellung eines fehlenden Zünders oder kontrollierte Sprengung.
Für die Bevölkerung gelten bei verdächtigen Gegenständen klare Vorsichtsregeln. Die Landespolizei warnt davor, mutmaßliche Kampfmittel anzufassen, zu bewegen oder eigenständig zu entfernen. Stattdessen sollten Menschen Abstand halten, andere Personen fernhalten und die Polizei verständigen.
Auch ein stark verrosteter oder äußerlich beschädigter Gegenstand darf nicht als ungefährlich angesehen werden. Ob es sich tatsächlich um Munition handelt und welches Risiko von ihr ausgeht, können nur entsprechend geschulte Fachkräfte beurteilen.
Die aktuelle Zwischenbilanz aus Sachsen-Anhalt steht für eine Aufgabe, deren Umfang sich nicht allein an der jährlichen Fundmenge ablesen lässt. 219 Fundstellen in neun Monaten, elf größere unschädlich gemachte Fliegerbomben und wiederholte Entschärfungen im Saalekreis zeigen, dass alte Munition weiterhin praktische Folgen hat.
In Braunsbedra wird dieser Zusammenhang besonders greifbar. Während ein neuer Brückenbau vorbereitet wird, müssen zunächst die Hinterlassenschaften eines längst vergangenen Krieges untersucht und gesichert werden. Die Bombenfunde sind damit nicht nur ein historisches Thema, sondern Bestandteil heutiger Bauplanung und Gefahrenabwehr.
Wie viele Kampfmittel bis zum Jahresende noch entdeckt werden, ist offen. Ebenso wenig lässt sich aus den vorliegenden Zahlen bestimmen, welche Mengen weiterhin unentdeckt im Boden liegen. Sicher ist lediglich, dass die bisherigen Funde die Arbeit der Kampfmittelräumer auch 2026 in erheblichem Umfang beanspruchen. Eine Aufgabe, die Sachsen-Anhalt noch lange begleiten dürfte.
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