Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Brand in einer Schweinemastanlage im Coswiger Ortsteil Düben soll die Bergung und Entsorgung von rund 20.000 verendeten Schweinen beginnen. Eingestürzte Stallgebäude und tonnenschwere Trümmer verzögerten die Arbeiten erheblich. Während Anwohner über starken Verwesungsgeruch berichten, bleibt die Ursache des Feuers weiterhin ungeklärt – und auch die Ermittlungen können erst nach Abschluss der Räumungsarbeiten fortgesetzt werden.

Düben (Landkreis Wittenberg), 25. Juli 2026. Neun Tage nach dem Großbrand in einer Schweinemastanlage im Landkreis Wittenberg beginnt eine der schwierigsten Phasen der Aufarbeitung. Rund 20.000 Schweine sind nach bisherigen Schätzungen in den Flammen verendet. Nun sollen Spezialfirmen die Kadaver bergen und fachgerecht entsorgen. Die Arbeiten gelten als technisch aufwendig, weil zahlreiche Tierkörper unter eingestürzten Dachkonstruktionen und zerstörten Stallbereichen liegen.

Der Brand hatte sich in der Nacht zum 15. Juli innerhalb kurzer Zeit über mehrere Stallanlagen ausgebreitet. Seither beschäftigt der Einsatz nicht nur Feuerwehr und Behörden, sondern auch die Menschen in der Umgebung. Die Folgen des Feuers sind noch immer sichtbar – und vielerorts auch wahrnehmbar.

Warum die Bergung der Schweinekadaver erst jetzt beginnen kann

Die Entsorgung der verendeten Schweine konnte nicht unmittelbar nach dem Brand anlaufen. Nach Angaben des Landkreises verhinderten die massiven Schäden an den Gebäuden zunächst einen sicheren Zugang zu den betroffenen Stallbereichen. Dächer waren eingestürzt, Gebäudeteile lagen auf den Stallungen, zahlreiche Kadaver befanden sich unter den Trümmern.

Bevor die eigentliche Bergung beginnen konnte, mussten Spezialfirmen die Brandstelle sichern und schweres Material entfernen. Erst anschließend ist es möglich, die verendeten Tiere schrittweise zu bergen, zu verladen und anschließend fachgerecht zu entsorgen. Nach den bislang veröffentlichten Informationen sollen die Kadaver entweder einer Abfallverbrennung oder einer geeigneten Deponierung zugeführt werden.

Wie lange die vollständige Räumung dauern wird, ist bislang offen. Behörden haben dazu keinen konkreten Zeitplan veröffentlicht. Die Arbeiten hängen maßgeblich davon ab, wie schnell die zerstörten Gebäudeteile entfernt und die einzelnen Stallbereiche gefahrlos betreten werden können.

Schwierige Bedingungen auf dem Betriebsgelände

Die außergewöhnlich hohe Zahl verendeter Tiere und die massiven Schäden an den Stallgebäuden machen den Einsatz zu einer logistischen Herausforderung. Anders als bei gewöhnlichen Bränden geht es nicht nur um das Räumen einer Brandstelle, sondern zugleich um veterinärrechtliche, hygienische und sicherheitstechnische Anforderungen.

Schwere Baumaschinen müssen zunächst eingestürzte Dachkonstruktionen und Trümmer beseitigen. Erst danach können Einsatzkräfte und Spezialunternehmen die darunterliegenden Schweinekadaver erreichen. Parallel dazu müssen beschädigte Gebäudeteile fortlaufend gesichert werden, damit weder Einsatzkräfte noch Maschinen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt sind.

Rund 20.000 Schweine kamen bei dem Feuer ums Leben

Der Brand war in der Nacht zum 15. Juli gegen 0.55 Uhr im Inneren des Mastbetriebs ausgebrochen. Starker Wind beschleunigte die Ausbreitung der Flammen erheblich. Nach Angaben des Landkreises wurden insgesamt sechs Stallanlagen von dem Feuer erfasst.

Nach bisherigem Stand verendeten rund 20.000 Schweine. Die Zahl beruht auf einer Schätzung und gilt bislang als die belastbare Größenordnung des Schadens. Ein erheblicher Teil der Tiere bestand nach Angaben des zuständigen Veterinäramtes aus Ferkeln und sogenannten Läufern, also älteren Jungtieren.

Gleichzeitig konnten nach Angaben des Landkreises rund 1.300 Sauen aus nicht vollständig zerstörten Bereichen des Betriebs gerettet und in einen anderen Betrieb gebracht werden. Frühere Einsatzmeldungen mit deutlich niedrigeren Zahlen geretteter Tiere beziehen sich nach bisherigem Kenntnisstand auf unmittelbar betroffene Stallabschnitte. Eine offizielle Erläuterung der unterschiedlichen Angaben liegt bislang jedoch nicht vor.

Während des Großeinsatzes waren zeitweise rund 80 bis 100 Feuerwehrkräfte vor Ort. Fünf Einsatzkräfte wurden leicht verletzt. Außerdem entstand Schaden an einer Drehleiter der Feuerwehr Coswig. Ein Wohnhaus auf dem Betriebsgelände konnte vor den Flammen geschützt werden.

Anwohner leiden unter den Folgen des Brandes

Mit jedem Tag, an dem die verendeten Tiere auf dem Gelände verblieben, wuchs die Belastung für die Umgebung. Bewohner der Ortschaft berichteten über intensiven Verwesungsgeruch und äußerten Sorgen über mögliche gesundheitliche Risiken.

Der Landkreis verweist jedoch darauf, dass nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine Infektionsgefahr für die Bevölkerung besteht. Nach Angaben der zuständigen Behörden waren die Tiere vor dem Brand gesund. Hinweise auf eine Tierseuche liegen nicht vor.

Um Geruchsentwicklung und hygienische Risiken möglichst gering zu halten, wurden die Kadaver nach Behördenangaben mit Kalk abgedeckt. Dennoch dürfte die Belastung für die unmittelbare Umgebung erst dann deutlich nachlassen, wenn sämtliche Schweinekadaver geborgen und das Gelände vollständig geräumt worden sind.

Ermittlungen zur Brandursache bleiben vorerst eingeschränkt

Auch die kriminaltechnische Aufarbeitung des Brandes wird durch die Zerstörungen erschwert. Die Ermittler können zentrale Bereiche der Anlage bislang nur eingeschränkt untersuchen, weil diese zunächst von Trümmern befreit werden müssen.

Aus diesem Grund ist die Ursache des Feuers weiterhin ungeklärt. Ob technische Defekte, ein baulicher Mangel oder andere Ursachen den Brand ausgelöst haben, lässt sich derzeit nicht belastbar beantworten. Entsprechende Spekulationen verbieten sich deshalb zum jetzigen Zeitpunkt.

Der vorläufig geschätzte Sachschaden beläuft sich auf rund neun Millionen Euro. Erst nach Abschluss der Bergungsarbeiten wird sich das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung genauer beziffern lassen.

Große Stallbrände stellen Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen

Der Brand in Düben macht deutlich, vor welchen Problemen Feuerwehren und Behörden bei Großbränden in Tierhaltungsanlagen stehen. Tausende Tiere befinden sich innerhalb kurzer Zeit in einer lebensbedrohlichen Situation, während sich Feuer und Rauch oft rasch durch die Stallgebäude ausbreiten.

Gleichzeitig erschweren Stallarchitektur, Hitzeentwicklung, Rauch sowie das Verhalten verängstigter Tiere eine geordnete Evakuierung erheblich. Selbst bei einem schnellen Feuerwehreinsatz lassen sich deshalb häufig nur vergleichsweise wenige Tiere retten.

Nach Angaben des Landkreises werden Tierhaltungsanlagen nach ihrer Errichtung nicht automatisch in festen zeitlichen Abständen vollständig brandschutzrechtlich überprüft. Der vorbeugende Brandschutz wird grundsätzlich im Genehmigungsverfahren bewertet. Für einzelne Bereiche können zusätzliche Brandsicherheitsschauen vorgeschrieben sein.

Welche konkreten Brandschutzmaßnahmen für die betroffene Schweinemastanlage galten und ob sämtliche Vorgaben eingehalten wurden, ist derzeit öffentlich nicht bekannt. Auch hierzu dürften erst die laufenden Ermittlungen weitere Erkenntnisse liefern.

Mit der Räumung beginnt die eigentliche Aufarbeitung

Die Bergung der Schweinekadaver markiert den Übergang von der akuten Gefahrenabwehr zur systematischen Aufarbeitung des Brandes. Für Behörden, Veterinäramt und Betreiber steht zunächst die sichere Räumung des Geländes im Mittelpunkt. Erst wenn die zerstörten Stallanlagen vollständig freigelegt sind, können die Ermittler sämtliche Brandbereiche untersuchen.

Dann wird sich voraussichtlich auch genauer feststellen lassen, wie viele Tiere tatsächlich verendet sind, welche Schäden der Brand im Einzelnen verursacht hat und wodurch das Feuer ausgelöst wurde. Bis dahin bleibt die Zahl von rund 20.000 verendeten Schweinen eine belastbare Schätzung – und die Entsorgung der Tierkadaver eine Aufgabe, die aufgrund der massiven Zerstörungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

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