Die Weißweinfläche in Sachsen-Anhalt ist innerhalb von zehn Jahren deutlich gewachsen. 2025 waren 592 der insgesamt 756 Hektar Rebfläche mit weißen Sorten bestockt – ein Plus von 17,2 Prozent gegenüber 2015. Für Leser im Harz und im nördlichen Sachsen-Anhalt zeigen die Zahlen, wie klar sich der Weinbau des Landes auf weiße Rebsorten konzentriert.

Halle (Saale), 4. August 2026. In Sachsen-Anhalts Weinbergen nimmt Weißwein immer mehr Raum ein. Zwischen 2015 und 2025 wuchs die mit weißen Rebsorten bestockte Fläche von 505 auf 592 Hektar. Das entspricht einem Zuwachs von 87 Hektar oder 17,2 Prozent. Die gesamte Rebfläche des Landes stieg im selben Zeitraum von 668 auf 756 Hektar.

Damit entfiel nahezu der gesamte Flächenzuwachs der vergangenen zehn Jahre auf weiße Sorten. Rund 78 Prozent der Rebfläche in Sachsen-Anhalt waren 2025 mit Weißweinreben bepflanzt. Rotwein blieb dagegen flächenmäßig weitgehend stabil.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt zeigt die Entwicklung vor allem eines: Der Weinbau im Land ist heute noch stärker von weißen Rebsorten geprägt als vor zehn Jahren. Die Statistik bildet allerdings nur die bestockte Rebfläche ab. Sie sagt weder, wie viel Wein tatsächlich erzeugt wurde, noch wie groß die Absatzmengen waren.

Saale-Unstrut prägt den Weinbau zwischen Harz und Landesgrenze

Das Zentrum des Weinbaus liegt weiterhin im Anbaugebiet Saale-Unstrut. Der zu Sachsen-Anhalt gehörende Teil umfasste 2025 insgesamt 712 Hektar. Davon waren 557 Hektar mit weißen und 155 Hektar mit roten Rebsorten bestockt.

Zehn Jahre zuvor hatte die Rebfläche in diesem Teil des Anbaugebiets noch 641 Hektar betragen. Der Ausbau konzentrierte sich damit vor allem auf die Weinberge entlang von Saale und Unstrut. Die Region vereint den weitaus größten Teil der Rebflächen des Landes auf sich und bestimmt entsprechend das Bild des sachsen-anhaltischen Weinbaus.

Für die Harzregion ist diese Entwicklung vor allem als landesweiter Strukturtrend relevant. Konkrete Rebflächenzahlen für den Landkreis Harz enthält die veröffentlichte Statistik nicht. Eine lokale Ausweitung des Weinbaus in Wernigerode, Quedlinburg, Halberstadt oder im Harzvorland lässt sich aus den vorliegenden Daten deshalb nicht ableiten.

Hinzu kommt ein kleinerer Teil des Anbaugebiets Sachsen rund um Jessen. Dort blieb die Rebfläche gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 32 Hektar. 27 Hektar davon entfielen auf weiße Rebsorten.

Weißer Burgunder und Müller-Thurgau führen

Unter den weißen Rebsorten in Saale-Unstrut lag der Weiße Burgunder 2025 mit 106 Hektar vorn. Knapp dahinter folgte Müller-Thurgau mit 101 Hektar. Riesling wurde auf 70 Hektar angebaut, Bacchus auf 54 Hektar.

Rebsorte Anbaufläche 2025
Weißer Burgunder 106 Hektar
Müller-Thurgau 101 Hektar
Weißer Riesling 70 Hektar
Bacchus 54 Hektar

Die Zahlen zeigen, dass sich die Weißweinfläche nicht auf eine einzelne Sorte konzentriert. Vielmehr stützt sich der Anbau auf mehrere etablierte Rebsorten, die in Saale-Unstrut seit Langem eine wichtige Rolle spielen.

Bei den roten Rebsorten blieb Dornfelder mit 49 Hektar die flächenstärkste Sorte. Dahinter folgten Blauer Portugieser mit 29 Hektar, Blauer Zweigelt mit 23 Hektar und Blauer Spätburgunder mit 22 Hektar.

Anders als bei den weißen Sorten bewegte sich die Rotweinfläche in den vergangenen Jahren nur wenig. Der niedrigste Wert lag 2024 bei 159 Hektar, der höchste 2018 bei 167 Hektar. Von einem vergleichbaren Wachstum wie beim Weißwein kann daher nicht gesprochen werden.

Auch im jüngsten Vergleich wächst die Weißweinfläche

Der langfristige Trend setzte sich zuletzt fort. 2024 waren in Sachsen-Anhalt 583 Hektar mit weißen Rebsorten bestockt. Ein Jahr später waren es neun Hektar mehr. Gleichzeitig stieg die gesamte Rebfläche von 742 auf 756 Hektar.

Die Entwicklung lässt sich auf drei Kernaussagen verdichten:

  • Die gesamte Rebfläche wuchs zwischen 2015 und 2025 um 88 Hektar.
  • Die Weißweinfläche nahm im selben Zeitraum um 87 Hektar zu.
  • Die Fläche für rote Rebsorten blieb weitgehend konstant.

Damit ist der Ausbau der Weinbaufläche in Sachsen-Anhalt nahezu vollständig auf weiße Rebsorten zurückzuführen. Aus den amtlichen Zahlen geht allerdings nicht hervor, warum Betriebe ihre Flächen entsprechend entwickelt haben. Die Statistik nennt weder wirtschaftliche Motive noch Veränderungen bei Nachfrage oder Vermarktung.

Ebenso bleibt offen, ob neue Weinberge angelegt, bestehende Flächen erweitert oder Rebsorten ausgetauscht wurden. Die Daten beschreiben den Bestand, nicht die betrieblichen Entscheidungen dahinter.

Mehr Rebfläche ist nicht automatisch mehr Ertrag

Eine größere Weißweinfläche bedeutet nicht zwangsläufig, dass in jedem Jahr auch mehr Wein produziert wird. Die Erntemenge hängt stark von Witterung und Vegetationsverlauf ab. Spätfrost, Hagel, Trockenheit oder zu viel Niederschlag können die Erträge erheblich beeinflussen.

Wie groß diese Schwankungen sein können, zeigten die Jahre 2024 und 2025. Im Frühjahr 2024 führten Frostnächte nach Angaben des Weinbauverbands zu außergewöhnlich hohen Verlusten. Die Ernte 2025 fiel dagegen deutlich besser aus.

Der MDR berichtete für 2025 von knapp 70 Hektolitern pro Hektar. Das waren etwa 14 Hektoliter mehr als im Durchschnitt der vorangegangenen Jahre. Die bessere Ernte war damit vor allem eine Folge günstigerer Bedingungen im betreffenden Jahr – nicht allein der gewachsenen Anbaufläche.

Für die Einordnung ist diese Trennung entscheidend. Die Rebflächenstatistik zeigt langfristige Veränderungen im Weinbau. Die Erntemenge kann von Jahr zu Jahr deutlich schwanken, selbst wenn die Fläche unverändert bleibt.

Was der Weißweintrend für den Harz bedeutet

Im Vergleich zu den großen deutschen Weinbauregionen bleibt Sachsen-Anhalt flächenmäßig klein. Deutschlandweit lag die Rebfläche 2025 bei rund 101.970 Hektar. Etwa 70.880 Hektar davon waren mit weißen Rebsorten bestockt.

Weißwein dominiert damit nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern auch bundesweit. Die jüngste Entwicklung verlief jedoch unterschiedlich. Während die Weißweinfläche in Sachsen-Anhalt von 2024 auf 2025 zunahm, ging sie deutschlandweit leicht zurück.

Über einen längeren Zeitraum ist die Fläche weißer Rebsorten in Deutschland dennoch gewachsen. Gleichzeitig nahm die Rotweinfläche bundesweit über mehr als zehn Jahre hinweg ab. Sachsen-Anhalt folgt damit grundsätzlich einem längerfristigen Trend, hebt sich zuletzt aber durch ein weiteres Plus bei der Weißweinfläche ab.

Für den Harz liefert die Statistik keine eigenen Anbauzahlen, wohl aber einen klaren Blick auf die Entwicklung des Bundeslandes. Wer in Wernigerode, Quedlinburg, Halberstadt oder im Harzvorland auf regionale Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft schaut, erkennt daran eine wachsende Bedeutung weißer Rebsorten in Sachsen-Anhalt.

Ein klarer Trend mit offenen Ursachen

Die amtlichen Zahlen lassen wenig Raum für Zweifel: Weißwein prägt den Weinbau in Sachsen-Anhalt heute stärker als noch 2015. Nahezu der gesamte Flächenzuwachs der vergangenen zehn Jahre entfiel auf weiße Rebsorten. Besonders Saale-Unstrut steht für diese Entwicklung.

Was hinter dem Ausbau steckt, bleibt ohne zusätzliche Angaben der Betriebe oder des Weinbauverbands offen. Aus der Statistik lässt sich weder eine steigende Nachfrage ableiten noch eine wirtschaftliche Bewertung vornehmen. Belegt ist allein die strukturelle Verschiebung der Rebflächen.

Auch aus Sicht der Harzregion bleibt deshalb vor allem eine belastbare Aussage: Die Weißweinfläche in Sachsen-Anhalt ist deutlich gewachsen und bestimmt inzwischen stärker denn je, welche Rebsorten den Weinbau des Landes prägen.

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