Private Krankenzusatzversicherungen gewinnen in Sachsen-Anhalt deutlich an Bedeutung. 2023 verfügten 36 Prozent der Haushalte über mindestens eine entsprechende Police, fünf Jahre zuvor waren es 22 Prozent. Die amtlichen Zahlen zeigen damit einen klaren Wandel – lassen aber offen, welche Tarife besonders gefragt sind und warum sich mehr Haushalte zusätzlich absichern.

Halle (Saale), 21. Juli 2026. Private Krankenzusatzversicherungen sind in Sachsen-Anhalt wesentlich weiter verbreitet als noch vor einigen Jahren. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes verfügten 2023 mehr als ein Drittel der privaten Haushalte über mindestens eine solche Zusatzversicherung. Im Vergleich zu 2018 stieg der Anteil um 14 Prozentpunkte.

Damals hatten 22 Prozent der Haushalte einen ergänzenden privaten Gesundheitsschutz angegeben. Fünf Jahre später waren es 36 Prozent. Unter den in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe erfassten Versicherungsarten verzeichneten private Krankenzusatzversicherungen damit den stärksten Zuwachs.

Die Zahlen dokumentieren einen deutlichen Trend. Sie zeigen jedoch nicht, wie viele einzelne Menschen versichert sind oder wie viele Verträge tatsächlich abgeschlossen wurden. Erfasst wurde ausschließlich, ob ein Haushalt über mindestens eine private Krankenzusatzversicherung verfügte.

Private Krankenzusatzversicherung ist keine Vollversicherung

Die Statistik betrifft nicht die private Krankenvollversicherung. Sie sagt also nichts darüber aus, wie viele Menschen aus der gesetzlichen Krankenversicherung in ein vollständig privates System gewechselt sind. Gemeint sind zusätzliche Policen, die ergänzend zu einer bestehenden Krankenversicherung abgeschlossen werden.

Dazu können grundsätzlich verschiedene Leistungen gehören, etwa Zusatzschutz für Zahnbehandlungen, Krankenhausaufenthalte oder bestimmte ambulante Behandlungen. Welche konkreten Tarife in den Haushalten vorhanden waren, wird in der veröffentlichten Auswertung jedoch nicht aufgeschlüsselt.

Auch deshalb ist eine genaue Interpretation nur begrenzt möglich. Ein Haushalt kann aus mehreren Personen bestehen. Zugleich können innerhalb eines Haushalts mehrere private Krankenzusatzversicherungen abgeschlossen sein. Der Wert von 36 Prozent bedeutet daher weder, dass 36 Prozent der Bevölkerung privat zusatzversichert sind, noch dass die Zahl der Verträge exakt in diesem Umfang gestiegen ist.

Die wichtigsten Versicherungsdaten im Vergleich

Versicherungsart Anteil 2018 Anteil 2023 Veränderung
Private Krankenzusatzversicherung 22 Prozent 36 Prozent plus 14 Prozentpunkte
Private Pflegezusatzversicherung etwa 4 Prozent 7 Prozent plus 3 Prozentpunkte
Private Unfallversicherung 56 Prozent 50 Prozent minus 6 Prozentpunkte
Kapitalbildende Lebensversicherung 31 Prozent 26 Prozent minus 5 Prozentpunkte

Der Anstieg bei privaten Krankenzusatzversicherungen fällt auch deshalb auf, weil andere Versicherungsarten im gleichen Zeitraum an Verbreitung verloren. Private Unfallversicherungen waren 2018 noch in 56 Prozent der Haushalte vorhanden. 2023 lag der Anteil bei 50 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei kapitalbildenden Lebensversicherungen. Ihr Anteil sank innerhalb von fünf Jahren von 31 auf 26 Prozent. Die Entwicklung der privaten Krankenzusatzversicherung hebt sich damit deutlich von mehreren klassischen Vorsorge- und Absicherungsprodukten ab.

Haftpflicht und Hausrat bleiben am weitesten verbreitet

Trotz des starken Zuwachses gehören private Krankenzusatzversicherungen nicht zu den häufigsten Policen in Sachsen-Anhalt. An der Spitze stehen weiterhin private Haftpflicht- und Hausratversicherungen. Jeweils 86 Prozent der Haushalte verfügten 2023 über mindestens eine entsprechende Versicherung.

Eine Kfz-Haftpflicht- oder Kaskoversicherung war in 77 Prozent der Haushalte vorhanden. Damit lag auch der Schutz rund um das Auto deutlich vor der privaten Krankenzusatzversicherung.

Bei der privaten Altersvorsorge zeigt die Erhebung ein uneinheitliches Bild. Rund 21 Prozent der Haushalte besaßen mindestens eine private Rentenversicherung. Riester-, Basis- oder Rürup-Verträge waren in 24 Prozent der Haushalte vorhanden.

Private Pflegezusatzversicherungen blieben deutlich seltener. Ihr Anteil stieg zwar um drei Prozentpunkte, lag 2023 aber erst bei sieben Prozent. Der Zuwachs fiel damit wesentlich geringer aus als bei der privaten Krankenzusatzversicherung.

So veränderte sich die Versicherungsstruktur

  • Private Krankenzusatzversicherungen legten am stärksten zu.
  • Private Pflegezusatzversicherungen nahmen leicht an Verbreitung zu.
  • Unfallversicherungen wurden in weniger Haushalten genannt.
  • Kapitalbildende Lebensversicherungen verloren ebenfalls Anteile.
  • Haftpflicht- und Hausratversicherungen blieben nahezu flächendeckend verbreitet.

Aus diesen Verschiebungen lässt sich allerdings nicht schließen, dass Haushalte bestimmte Versicherungen bewusst gekündigt haben, um stattdessen eine private Krankenzusatzversicherung abzuschließen. Die Erhebung stellt lediglich gegenüber, welche Policen zu den jeweiligen Zeitpunkten vorhanden waren. Sie erfasst keine individuellen Entscheidungen und keine konkreten Wechselbewegungen.

Die Daten beruhen auf einer Haushaltsstichprobe

Grundlage der Auswertung ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023. Diese Erhebung wird in Deutschland grundsätzlich alle fünf Jahre durchgeführt und soll ein möglichst umfassendes Bild von Einnahmen, Ausgaben, Konsumgewohnheiten und Vermögensverhältnissen privater Haushalte liefern.

In Sachsen-Anhalt nahmen rund 1.600 Haushalte freiwillig teil. Ihre Angaben wurden statistisch gewichtet und auf die Gesamtheit der privaten Haushalte im Land hochgerechnet.

Damit handelt es sich nicht um eine vollständige Erfassung sämtlicher Versicherungsverträge. Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben der teilnehmenden Haushalte und den üblichen Verfahren statistischer Hochrechnung. Für die Einordnung ist zudem wichtig, dass das Statistische Landesamt auf methodische Änderungen hinweist.

Die Ergebnisse von 2023 sind deshalb nur eingeschränkt mit früheren Erhebungen vergleichbar. Der Anstieg von 22 auf 36 Prozent ist zwar amtlich ausgewiesen, sollte aber nicht als vollständig bruchlose Zeitreihe verstanden werden. Veränderungen bei Erhebungsablauf, Stichprobe oder Auswertung können die Vergleichbarkeit beeinflussen.

Welche Zusatzversicherungen besonders gefragt sind, bleibt unklar

Die veröffentlichte Statistik nennt keine einzelnen Produktgruppen. Sie zeigt nicht, ob vor allem Zahnzusatzversicherungen, Krankenhauszusatzversicherungen oder andere ergänzende Tarife für den Anstieg verantwortlich sind.

Ebenso fehlen Angaben dazu, welche Altersgruppen, Einkommensklassen oder Haushaltsformen besonders häufig eine private Krankenzusatzversicherung abgeschlossen haben. Auch regionale Unterschiede innerhalb Sachsen-Anhalts werden nicht ausgewiesen.

Damit bleibt offen, was den Anstieg ausgelöst hat. Die Erhebung enthält keine Angaben zu Motiven und erlaubt keine belastbaren Aussagen über mögliche Gründe. Ob veränderte Leistungswünsche, persönliche Vorsorgeentscheidungen oder andere Faktoren eine Rolle spielten, lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht ableiten.

Auch für die Jahre nach 2023 gibt es in der veröffentlichten Mitteilung keine aktuellen Vergleichswerte. Die im Juli 2026 bekannt gegebenen Ergebnisse beschreiben den Stand des Erhebungsjahres 2023. Ob der Anteil der Haushalte mit privater Krankenzusatzversicherung seitdem weiter gestiegen ist, ist nicht belegt.

Ein klarer Befund – mit begrenzter Aussagekraft

Die amtlichen Daten zeigen dennoch eine auffällige Verschiebung. Private Krankenzusatzversicherungen waren 2023 in Sachsen-Anhalts Haushalten wesentlich häufiger vorhanden als fünf Jahre zuvor. Kein anderer erfasster Versicherungsbereich legte im gleichen Umfang zu.

Über die Hintergründe sagt die Statistik wenig aus. Sie beschreibt die Verbreitung, nicht die Motive. Sie zählt Haushalte, nicht Personen oder einzelne Verträge. Und sie lässt offen, welche Leistungen besonders gefragt sind.

Der zentrale Befund bleibt dennoch bestehen: Die private Krankenzusatzversicherung hat in Sachsen-Anhalt deutlich an Gewicht gewonnen. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist und welche Versicherungsprodukte sie tragen, werden erst detailliertere oder spätere Erhebungen zeigen.

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