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Wildkatzenseminar in Wernigerode: Fachwissen und Artenschutz für die Europäische Wildkatze
Ein winterlicher Mischwald im Harz steht sinnbildlich für den Lebensraum der Europäischen Wildkatze, die im Mittelpunkt des Wildkatzenseminars in Wernigerode steht. Das Foto dient als Symbolbild für Waldschutz und ehrenamtlichen Artenschutz.
Wernigerode, 26. Dezember 2025 – Der Winter legt sich leise über den Harz. In den frühen Morgenstunden liegt ein feiner Dunst zwischen den Bäumen, die Landschaft wirkt still, beinahe unberührt. Während draußen die Wälder ruhen, kommen in Wernigerode Menschen zusammen, die genau hier hinschauen wollen – auf ein Tier, das selten gesehen wird und dennoch Teil dieser Region ist. Das Wildkatzenseminar in Wernigerode richtet den Blick auf eine Art, die für viele unsichtbar bleibt und dennoch symbolisch für den Zustand der heimischen Wälder steht.
Am Samstag, dem 24. Januar 2026, findet in Wernigerode ein ganztägiges Wildkatzenseminar statt, das sich an naturinteressierte Bürgerinnen und Bürger, Ehrenamtliche sowie potenzielle Wildkatzenbotschafterinnen und -botschafter richtet. Veranstaltungsort ist die Hochschule Harz in der Friedrichstraße. Das Seminar vermittelt fundiertes Fachwissen zur Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) und verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praxisnahen Methoden des Artenschutzes. Ziel ist es, Teilnehmende fachlich zu qualifizieren und zugleich für ein langfristiges Engagement im regionalen Naturschutz zu gewinnen.
Ein Seminartag mit klarer Struktur und fachlichem Anspruch
Das Wildkatzenseminar in Wernigerode beginnt um 10:00 Uhr und endet gegen 15:00 Uhr. Die inhaltliche Leitung übernimmt die Diplombiologin Nicole Hermes vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen-Anhalt. Unterstützt wird sie durch Mitarbeitende des bundesweiten Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“. Der Ablauf folgt einer klaren dramaturgischen Linie, die Wissen aufbaut, vertieft und in praktische Anwendung überführt.
10:00–10:30 Uhr – Ankommen, Begrüßung und Einführung in Zielsetzung und Ablauf
10:30–12:30 Uhr – Fachvorträge zur Biologie, Lebensweise und aktuellen Situation der Wildkatze
13:00–14:00 Uhr – Praktische Methoden des Wildkatzen-Nachweises
14:00–15:00 Uhr – Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements und regionale Vernetzung
Die Teilnahme am Wildkatzenseminar in Wernigerode ist kostenfrei, eine Anmeldung ist bis zum 18. Januar 2026 erforderlich. Mit dieser offenen Einladung richtet sich das Seminar bewusst nicht nur an Fachpublikum, sondern auch an Menschen, die bislang wenig Berührung mit dem Thema hatten, sich jedoch für Natur- und Artenschutz interessieren.
Die Europäische Wildkatze – scheu, anpassungsfähig und bedroht
Im Zentrum des Seminars steht die Europäische Wildkatze, eine heimische Tierart, die in Deutschland lange Zeit als nahezu verschwunden galt. Intensive Bejagung, fortschreitende Waldrodung und die Zerschneidung von Lebensräumen hatten ihre Bestände stark dezimiert. Erst durch Schutzmaßnahmen, veränderte forstliche Konzepte und eine Rückkehr naturnaher Wälder konnte sich die Art in einigen Regionen wieder etablieren.
Die Wildkatze lebt bevorzugt in strukturreichen Laub- und Mischwäldern mit Rückzugsräumen, Totholz, Lichtungen und einem ausreichenden Angebot an Beutetieren. Sie ist dämmerungs- und nachtaktiv, äußerst scheu und meidet menschliche Nähe. Gerade diese Zurückgezogenheit macht sie für viele Menschen nahezu unsichtbar – und erschwert zugleich ihre Erforschung.
Ein zentrales Thema des Wildkatzenseminars in Wernigerode ist daher die Frage, wie Bestände zuverlässig erfasst werden können, ohne die Tiere zu stören. Denn fundierte Daten bilden die Grundlage für wirksame Schutzmaßnahmen und politische Entscheidungen im Naturschutz.
Gefahren für eine heimliche Waldbewohnerin
Auch heute ist die Europäische Wildkatze zahlreichen Risiken ausgesetzt. Der Verlust zusammenhängender Waldgebiete, Straßen und Verkehrsachsen sowie intensive Landnutzung schränken ihren Lebensraum ein. Besonders problematisch ist die Zerschneidung von Wäldern, die Wanderbewegungen erschwert und das Risiko von Verkehrsunfällen erhöht.
Hinzu kommt eine langfristige Herausforderung: die genetische Vermischung mit verwilderten Hauskatzen. Diese sogenannte Hybridisierung kann die genetische Eigenständigkeit der Wildkatze gefährden und stellt Naturschutzfachleute vor komplexe Fragen, die auch im Seminar thematisiert werden.
Praxisnaher Artenschutz: Methoden des Wildkatzen-Nachweises
Ein wesentlicher Bestandteil des Wildkatzenseminars in Wernigerode ist der praktische Teil. Hier lernen die Teilnehmenden erprobte Methoden kennen, mit denen Wildkatzenvorkommen im Gelände nachgewiesen werden können, ohne die Tiere zu stören oder zu gefährden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der sogenannten Lockstockmethode. Dabei werden Holzlatten in potenziellen Lebensräumen aufgestellt und mit Baldrian präpariert. Der Duft wirkt auf Wildkatzen anziehend; sie reiben sich an den Stöcken und hinterlassen dabei Haare, die für genetische Untersuchungen genutzt werden können. Ergänzt wird diese Methode häufig durch Kamerafallen, die Bewegungen dokumentieren und zusätzliche Hinweise liefern.
Diese Techniken sind nicht nur wissenschaftlich anerkannt, sondern auch für geschulte Ehrenamtliche umsetzbar. Genau hier setzt das Seminar an: Es befähigt Teilnehmende, selbst aktiv zu werden und Daten für den Naturschutz zu erheben.
„Wildkatzenwälder von morgen“ – ein bundesweites Schutzprojekt
Das Wildkatzenseminar in Wernigerode ist Teil des groß angelegten Naturschutzprojekts „Wildkatzenwälder von morgen“. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert und läuft von 2022 bis 2028. In mehreren Bundesländern arbeiten der BUND und seine Landesverbände daran, Wälder so zu entwickeln, dass sie langfristig als Lebensraum für Wildkatzen geeignet sind.
Im Mittelpunkt steht dabei ein naturnaher Waldumbau. Ziel ist es, monotone Forststrukturen in vielfältige, stabile Waldlandschaften zu überführen. Alte Bäume, Totholz, gestufte Waldränder und lichte Bereiche schaffen nicht nur Lebensraum für Wildkatzen, sondern fördern die gesamte Biodiversität.
Darüber hinaus tragen solche Wälder zur Anpassung an den Klimawandel bei. Sie sind widerstandsfähiger gegenüber Stürmen, Trockenperioden und Schädlingsbefall – ein Aspekt, der im Projekt bewusst mitgedacht wird.
Ehrenamt als tragende Säule des Naturschutzes
Ein zentrales Anliegen des Wildkatzenseminars in Wernigerode ist die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements. Die Teilnehmenden erhalten nicht nur Wissen, sondern auch konkrete Perspektiven, wie sie sich langfristig einbringen können – etwa als Wildkatzenbotschafterinnen und -botschafter in ihrer Region.
Diese Ehrenamtlichen fungieren als Schnittstelle zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit. Sie unterstützen Monitoring-Projekte, informieren über Lebensräume und sensibilisieren für die Bedürfnisse der Wildkatze. Durch diese lokale Verankerung entsteht ein Netzwerk, das Schutzmaßnahmen trägt und weiterentwickelt.
Gerade in Regionen wie dem Harz, wo große zusammenhängende Waldflächen vorhanden sind, kommt diesem Engagement eine besondere Bedeutung zu. Das Seminar schafft Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen.
Ein Zeichen für nachhaltigen Artenschutz im Harz
Das Wildkatzenseminar in Wernigerode steht exemplarisch für einen modernen, wissensbasierten Naturschutz, der auf Beteiligung, Transparenz und langfristiges Denken setzt. Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Umsetzung und zeigt, wie regionales Engagement Teil eines bundesweiten Schutzkonzepts sein kann.
Indem Menschen befähigt werden, selbst aktiv zu werden, entsteht ein nachhaltiger Effekt, der über einen einzelnen Seminartag hinausreicht. Die Wildkatze wird dabei zum Sinnbild: für die Verletzlichkeit heimischer Ökosysteme ebenso wie für ihre Fähigkeit zur Erholung, wenn Schutz, Wissen und Engagement zusammenkommen.
Hinweise, sachliche Korrekturen oder pressebezogene Rückfragen können über die im Impressum genannten Kontaktwege eingereicht werden. Bitte nennen Sie dabei nach Möglichkeit die betroffene Beitrags-URL.
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