Das am Flugplatz Ballenstedt stationierte Löschflugzeug „Hexe 1“ ist am Mittwochmorgen gemeinsam mit einer zweiten Maschine nach Südwestfrankreich gestartet. Dort sollen die Flugzeuge die Einsatzkräfte bei den schweren Waldbränden im Raum Bordeaux unterstützen. Für den Harz und den Landkreis Goslar steht nach Angaben der Verantwortlichen eine Ersatzmaschine bereit – der Auslandseinsatz zeigt dennoch, wie knapp spezialisierte Luftunterstützung in Europa geworden ist.
Goslar/Ballenstedt, 29. Juli 2026. Das Löschflugzeug „Hexe 1“ hat den Harz vorübergehend verlassen. Nach Angaben des MDR startete die in Ballenstedt stationierte Maschine am Mittwoch gegen 6.30 Uhr gemeinsam mit einem baugleichen Flugzeug in Richtung Südwestfrankreich. Beide Flugzeuge sollen bei der Bekämpfung der großflächigen Waldbrände im Raum Bordeaux eingesetzt werden.
Für den Harz ist der Abflug mehr als eine Randnotiz. „Hexe 1“ gehört zu den wenigen Löschflugzeugen, die in Deutschland während der Waldbrandsaison fest in einer Region bereitstehen. Die Maschine unterstützt nicht nur Feuerwehren in Sachsen-Anhalt, sondern wurde in der Vergangenheit auch im Landkreis Goslar eingesetzt. Damit betrifft der Frankreich-Einsatz unmittelbar die Sicherheitsplanung auf beiden Seiten der Landesgrenze.
Die verbreitete Bezeichnung als „einziges Löschflugzeug Deutschlands“ ist allerdings ungenau. Deutschland kann bei Waldbränden auch auf Hubschrauber der Polizei, der Bundeswehr und weiterer staatlicher Stellen zurückgreifen. Besonders ist „Hexe 1“ aus einem anderen Grund: Der Landkreis Harz gilt als einzige deutsche Kommune, die für die Waldbrandsaison ein Löschflugzeug dauerhaft anmietet und an einem regionalen Standort vorhält.
Ersatzflugzeug soll den Harz absichern
Nach bisherigem Stand bleibt der Harz während des Auslandseinsatzes nicht ohne Luftunterstützung. Laut MDR wurde eine weitere Maschine des polnischen Dienstleisters nach Ballenstedt verlegt. Sie soll „Hexe 1“ ersetzen und bei einem Waldbrand in der Region kurzfristig eingesetzt werden können.
Damit bleibt die grundsätzliche Einsatzbereitschaft erhalten. Vollständig geklärt sind die Bedingungen der Vertretung öffentlich jedoch nicht. Über die genaue Ausstattung, die Besatzung und die Dauer der Stationierung des Ersatzflugzeugs liegen bislang nur wenige Angaben vor. Auch wurde nicht näher erläutert, ob für Einsätze im niedersächsischen Harz dieselben Abläufe gelten wie bei „Hexe 1“.
Für Goslar ist das entscheidend. Waldbrände halten sich nicht an Kreis- oder Landesgrenzen. Gerade im Westharz können sich Feuer in schwer zugänglichem Gelände rasch ausbreiten. Ein Löschflugzeug schafft dabei einen Zeitvorteil: Es kann Brandherde aus der Luft angreifen, Bodenkräfte entlasten und die Ausbreitung eines Feuers verlangsamen, bis weitere Einheiten am Einsatzort eintreffen.
Warum „Hexe 1“ für Goslar wichtig ist
Die Bedeutung des Löschflugzeugs für den Landkreis Goslar zeigte sich im April 2025 beim Waldbrand am Burgberg bei Bad Harzburg. Nach Angaben der Feuerwehr Goslar flog „Hexe 1“ damals mehrere Löschangriffe. Als Ausgangspunkt diente der Segelflugplatz Goslar, auf dem die Einsatzkräfte eine mobile Befüllungsstelle eingerichtet hatten.
Die Nähe zum Brandgebiet verkürzte die Umlaufzeiten erheblich. Statt nach Ballenstedt zurückzufliegen, konnte die Maschine am Bollrich Wasser aufnehmen und rasch wieder starten. Solche kurzen Wege sind bei dynamischen Waldbränden besonders wertvoll. Je schneller ein Löschflugzeug nach einem Abwurf wieder über dem Einsatzgebiet erscheint, desto wirksamer kann es die Arbeit der Feuerwehr am Boden unterstützen.
„Hexe 1“ kann pro Flug bis zu 2.300 Liter Wasser aufnehmen. Je nach Lage lässt sich die Ladung konzentriert über einem Brandherd oder entlang einer längeren Linie abwerfen. Im Jahr 2025 absolvierte das Löschflugzeug insgesamt sechs Einsätze in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Zwei davon führten die Maschine in den Landkreis Goslar. Insgesamt wurden dabei rund 290.000 Liter Löschwasser abgeworfen.
Das Löschflugzeug ist damit kein Ersatz für Feuerwehrkräfte, Tanklöschfahrzeuge oder Löschwasserstellen. Es ist ein zusätzliches Werkzeug – eines, das vor allem dann an Bedeutung gewinnt, wenn Feuer in steilem Gelände, in abgestorbenen Waldflächen oder fern befestigter Wege ausbrechen.
Großbrände in Südwestfrankreich
Der Einsatz in Frankreich erfolgt vor dem Hintergrund einer außergewöhnlich angespannten Waldbrandlage. In der Gironde und im Raum Bordeaux brannten seit dem 22. Juli große Waldflächen. Internationale Medien berichteten von rund 42.000 Hektar betroffener Fläche und umfangreichen Evakuierungen.
Frankreich verfügt über eigene Löschflugzeuge, Hubschrauber und spezialisierte Feuerwehreinheiten. Bei lang anhaltender Hitze, starkem Wind und mehreren gleichzeitigen Bränden stoßen jedoch auch große nationale Einsatzsysteme an Grenzen. Zusätzliche Maschinen aus dem Ausland können dann helfen, Einsatzabschnitte abzusichern oder vorhandene Kräfte zu entlasten.
Nach den bisher veröffentlichten Angaben wurde die deutsche Unterstützung über das Bundeskanzleramt vermittelt. Wie der Einsatz im Detail organisiert und finanziert wird, ist nicht öffentlich ausgeführt. Ebenso offen bleibt, an welchem französischen Flugplatz die beiden Maschinen stationiert werden und welchem Brandabschnitt sie zugeteilt sind.
Bestätigt ist bislang der Start nach Frankreich. Ob „Hexe 1“ bereits Löschwasser über einem konkreten Brandgebiet abgeworfen hat, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht dokumentiert. Die weitere Einsatzdauer hängt von der Entwicklung der Lage in Südwestfrankreich ab.
Ein Baustein im Waldbrandschutz
So sichtbar ein Löschflugzeug im Einsatz ist, so wenig darf seine Rolle überschätzt werden. Der Schutz des Harzes ruht auf mehreren Ebenen. Dazu gehören funktionierende Alarmierungswege, ausreichend Personal, befahrbare Waldwege, Löschwasserentnahmestellen und eine enge Abstimmung zwischen den Landkreisen, Kommunen und Feuerwehren.
Hinzu kommt die besondere Struktur der Region. Der Harz erstreckt sich über mehrere Landkreise und Bundesländer. Einsatzkräfte müssen deshalb über Verwaltungsgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Das gilt auch für die Luftunterstützung. Eine Maschine, die in Ballenstedt stationiert ist, kann bei Bedarf auf der niedersächsischen Seite eingesetzt werden – vorausgesetzt, Anforderung, Flugfreigabe und Logistik greifen schnell ineinander.
Niedersachsen hält derzeit keine eigenen Löschflugzeuge dauerhaft im Harz bereit. Zwei zeitweise in Braunschweig stationierte Maschinen standen nach dem Auslaufen der entsprechenden Verträge ab 2025 nicht mehr zur Verfügung. Das Land setzt bei der Waldbrandbekämpfung aus der Luft vor allem auf Hubschrauber.
Dadurch bleibt das in Ballenstedt stationierte Löschflugzeug für den Landkreis Goslar eine wichtige Ergänzung. Es schafft eine zusätzliche Option, wenn Hubschrauber nicht verfügbar sind, größere Wassermengen benötigt werden oder ein Brandgebiet aus der Luft schneller erreicht werden kann.
Der Auslandseinsatz zeigt die knappen Reserven im Harz
Der Abflug von „Hexe 1“ nach Frankreich ist zunächst ein Zeichen grenzüberschreitender Hilfe. Eine im Harz bereitgehaltene Spezialmaschine wird dort eingesetzt, wo die Lage besonders angespannt ist. Gleichzeitig macht der Einsatz sichtbar, wie begrenzt die europäischen Reserven bei Löschflugzeugen sind.
Für Goslar und den Harz ist deshalb weniger entscheidend, dass „Hexe 1“ für einige Zeit fehlt. Entscheidend ist, ob die Ersatzmaschine zuverlässig einsatzbereit bleibt und bei einem Brand ohne Verzögerung angefordert werden kann. Nach den bislang vorliegenden Informationen soll genau das gewährleistet sein.
Von einer Schutzlücke kann daher derzeit nicht gesprochen werden. Der Frankreich-Einsatz legt jedoch offen, wie stark die regionale Vorsorge an wenigen Flugzeugen, Besatzungen und Dienstleistern hängt. Mit zunehmenden Hitzeperioden und parallelen Waldbrandlagen dürfte diese Frage für den Harz weiter an Bedeutung gewinnen.


















