Zwei Seniorinnen aus Clausthal-Zellerfeld und Bad Harzburg sind innerhalb weniger Stunden auf falsche Bankmitarbeiter hereingefallen. Die Täter ließen sich EC-Karten, persönliche Daten und in einem Fall auch Bargeld aushändigen. Die Polizei warnt erneut vor Telefonbetrug im Landkreis Goslar – mehrere Fragen zu den Tätern und zum tatsächlichen Schaden sind noch offen.

Goslar, 21. Juli 2026. Erst kommt der Anruf, dann steht ein vermeintlicher Bankmitarbeiter vor der Tür: Mit dieser Masche haben Betrüger am Montag zwei ältere Frauen im Landkreis Goslar getäuscht. Betroffen waren eine 88-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld und eine 85 Jahre alte Frau aus Bad Harzburg.

Die Täter gingen in beiden Fällen ähnlich vor. Am Telefon behaupteten sie, auf den Konten oder Bankkarten der Seniorinnen bestehe ein akutes Sicherheitsproblem. Kurz darauf erschienen Männer an den Wohnanschriften und nahmen die EC-Karten entgegen. In Bad Harzburg übergab das Opfer zusätzlich Bargeld und hatte zuvor seine persönliche Geheimnummer genannt.

Ob dieselben Täter hinter beiden Fällen stehen, ist bislang nicht geklärt. Unbekannt ist auch, ob mit den Karten bereits weitere Abhebungen oder Zahlungen vorgenommen wurden. Die Polizeiinspektion Goslar veröffentlichte die Fälle am Dienstag und verband sie mit einer erneuten Warnung vor Telefonbetrug im Landkreis Goslar.

Falsche Sparkassenmitarbeiterin ruft 88-Jährige an

Der erste Fall ereignete sich am Montagmittag in Clausthal-Zellerfeld. Eine Frau meldete sich telefonisch bei einer 88-Jährigen und gab sich als Mitarbeiterin der Sparkasse aus. Sie behauptete, auf dem Konto der Seniorin habe es eine verdächtige Abbuchung gegeben. Diese sei zwar verhindert worden, die EC-Karte müsse nun jedoch aus Sicherheitsgründen eingezogen werden.

Die Anruferin kündigte an, ein Bankmitarbeiter werde die Karte persönlich abholen und anschließend zur Polizei bringen. Damit verlieh sie der erfundenen Geschichte zusätzlichen Nachdruck: Nicht nur die Bank, sondern vermeintlich auch die Polizei schien in den Vorgang eingebunden zu sein.

Wenig später erschien tatsächlich ein Mann an der Anschrift der Seniorin. Nach Angaben der Polizei war er groß und trug einen Bart. Die 88-Jährige händigte ihm ihre EC-Karte aus.

Ob die Täter die Karte anschließend für Abhebungen, Einkäufe oder andere Transaktionen nutzten, ist nicht bekannt. Die Polizei machte bislang keine Angaben zu einem konkreten finanziellen Schaden in diesem Fall.

85-Jährige gibt PIN, EC-Karte und Bargeld heraus

Nur wenige Stunden später kam es in Bad Harzburg zu einem ähnlich gelagerten Telefonbetrug. Gegen 17.30 Uhr rief ein Mann bei einer 85-Jährigen an und stellte sich als Mitarbeiter ihrer Hausbank vor. Auch er behauptete, mit der Bankkarte der Frau gebe es ein Sicherheitsproblem.

Im Verlauf des Gesprächs gelang es dem Täter, die Seniorin zur Preisgabe ihrer PIN zu bewegen. Zudem erhielt er Informationen über ihre finanziellen Verhältnisse. Schließlich kündigte auch dieser Anrufer an, ein Mitarbeiter werde die angeblich gefährdete Karte abholen.

Kurz darauf stand ein Mann vor der Wohnung. Die 85-Jährige übergab ihm ihre EC-Karte sowie Bargeld im mittleren dreistelligen Bereich. Ob anschließend weitere Beträge vom Konto abgehoben wurden, geht aus den Angaben der Polizei nicht hervor.

Ort Betroffene Behauptung der Täter Bekannte Übergabe
Clausthal-Zellerfeld 88 Jahre Verdächtige Abbuchung auf dem Konto EC-Karte
Bad Harzburg 85 Jahre Sicherheitsproblem mit der Bankkarte PIN, EC-Karte und Bargeld

Telefonbetrug im Landkreis Goslar folgt bekanntem Muster

Die aktuellen Fälle zeigen eine Vorgehensweise, vor der Ermittler seit Langem warnen. Die Täter bauen zunächst eine bedrohliche Situation auf: Angeblich wurde Geld abgebucht, eine Karte missbraucht oder ein Konto gehackt. Anschließend bieten sie eine vermeintlich schnelle Lösung an – allerdings nur, wenn das Opfer sofort handelt.

Der Zeitdruck ist Teil der Masche. Die Betroffenen sollen möglichst keine Gelegenheit bekommen, Angehörige anzurufen, eine Bankfiliale aufzusuchen oder die Angaben auf einem unabhängigen Weg zu prüfen. Stattdessen werden sie im Gespräch gehalten und schrittweise zur Herausgabe sensibler Informationen gebracht.

Beim Telefonbetrug im Landkreis Goslar blieb es in den beiden aktuellen Fällen nicht bei einem Gespräch. Die Täter schickten Abholer zu den Seniorinnen. Dadurch wirkte die erfundene Geschichte offenbar noch glaubwürdiger: Der angekündigte Mitarbeiter erschien tatsächlich, kannte den Anlass des Telefonats und nahm die vermeintlich zu sichernde Karte mit.

Gerade dieser Übergang vom Anruf zur Haustür macht die Masche gefährlich. Was mit einer anonymen Stimme beginnt, erhält plötzlich eine sichtbare, scheinbar offizielle Bestätigung. Tatsächlich holen Banken jedoch weder EC-Karten noch Bargeld unangekündigt bei ihren Kunden zu Hause ab.

Polizei warnte bereits vor manipulierten Rufnummern

Die Polizeiinspektion Goslar hatte bereits wenige Tage vor den beiden Taten vor vergleichbaren Anrufen gewarnt. Dabei ging es auch um das sogenannte Call ID Spoofing. Mit dieser Technik können Betrüger die Rufnummer manipulieren, die auf dem Display des Angerufenen erscheint.

So kann der Eindruck entstehen, der Anruf komme tatsächlich von einer Bank, einer Behörde oder der Polizei. Die angezeigte Nummer ist jedoch kein verlässlicher Beleg für die Identität des Anrufers. Ob bei den Fällen in Clausthal-Zellerfeld und Bad Harzburg manipulierte Rufnummern eingesetzt wurden, ist bislang nicht bestätigt.

Die erneute Warnung der Polizei belegt, dass Telefonbetrug im Landkreis Goslar weiterhin vorkommt. Daraus lässt sich allerdings noch kein statistischer Anstieg ableiten. Die Behörde veröffentlichte weder eine aktuelle Fallzahl noch einen Vergleich mit früheren Monaten oder Jahren.

Frühere Fälle zeigen das mögliche Schadensausmaß

Schon zuvor hatte die Polizei über einen 69-jährigen Mann aus dem Landkreis berichtet, der nach dem Anruf eines vermeintlichen Bankmitarbeiters mehr als 10.000 Euro verlor. Dieser Fall steht nicht nachweislich mit den aktuellen Taten in Verbindung, zeigt aber, wie hoch die Schäden bei vergleichbaren Betrugsformen ausfallen können.

Auch falsche Polizeibeamte waren zuletzt in der Region aktiv. In Bad Harzburg übergab eine 95-Jährige nach einem betrügerischen Telefonat Wertgegenstände. Die Rollen wechseln – Bankmitarbeiter, Polizeibeamte oder andere vermeintliche Amtspersonen –, doch die Mechanik bleibt ähnlich: Vertrauen aufbauen, Angst erzeugen, Zeitdruck ausüben und schließlich Geld oder Wertsachen abholen lassen.

Woran sich betrügerische Anrufe erkennen lassen

Banken fordern ihre Kunden nicht telefonisch dazu auf, PIN-Nummern, Passwörter oder vollständige Zugangsdaten zu nennen. Ebenso wenig schicken sie spontan Mitarbeiter zu Privatadressen, um EC-Karten, Bargeld oder Schmuck entgegenzunehmen.

Misstrauen ist besonders dann angebracht, wenn ein Anrufer eine sofortige Entscheidung verlangt, vor angeblich drohenden Verlusten warnt oder den Kontakt zu Angehörigen verhindern will. Auch die Aufforderung, am Telefon zu bleiben, während bereits ein Abholer unterwegs sei, gehört zu den typischen Elementen solcher Taten.

So sollten Betroffene reagieren

  • Das Gespräch beenden, sobald nach PIN, Passwörtern oder Kontodaten gefragt wird.
  • Keine Angaben zu Bargeld, Kontoständen oder anderen Vermögenswerten machen.
  • EC-Karten, Geld und Wertgegenstände niemals an unbekannte Personen übergeben.
  • Die Bank ausschließlich über eine selbst herausgesuchte Telefonnummer zurückrufen.
  • Bei einem Verdacht Angehörige und die Polizei informieren.
  • Bereits herausgegebene Karten umgehend sperren lassen.

Auch Angehörige können zur Prävention beitragen. Sinnvoll sind klare Absprachen, nach denen Geld, Karten oder Wertsachen grundsätzlich nicht an unangekündigte Besucher übergeben werden. Wer regelmäßig über aktuelle Betrugsmaschen spricht, senkt die Wahrscheinlichkeit, dass Täter mit angeblicher Dringlichkeit und Autorität Erfolg haben.

Die Abholer kamen kurz nach den Anrufen

Zu den Männern, die bei den Seniorinnen erschienen, liegen bislang nur wenige Informationen vor. Lediglich der Abholer in Clausthal-Zellerfeld wurde als groß und bärtig beschrieben. Ob beide Frauen demselben Mann begegneten oder unterschiedliche Personen beteiligt waren, ist offen.

Ungeklärt bleibt zudem, ob die Täter Teil einer größeren Gruppe waren und ob es am selben Tag weitere, bislang nicht bekannte Versuche gab. Die Polizei hat dazu keine Angaben gemacht. Ebenso steht nicht fest, wie hoch der Gesamtschaden aus beiden Fällen ist.

Gesichert ist jedoch der zeitliche Ablauf: Innerhalb weniger Stunden wurden zwei Seniorinnen im Landkreis Goslar mit nahezu derselben Grundgeschichte konfrontiert. Auf den angeblichen Sicherheitsanruf folgte jeweils ein Mann an der Haustür. Genau diese Verbindung aus psychischem Druck und persönlicher Abholung macht den Telefonbetrug für Betroffene schwer durchschaubar – und eine rasche Unterbrechung des Gesprächs umso wichtiger.