
Harz, 4. Januar 2026 – Dichte Schneeflocken treiben waagerecht über die Höhenzüge, Straßen verschwinden unter einer kompakten weißen Decke, der Wind pfeift durch Fichtenwälder und offene Hochlagen. Der Harz erlebt zu Beginn des neuen Jahres eine ausgeprägte Winterphase, die Natur, Verkehr und Alltag gleichermaßen fordert.
Während Einsatzkräfte gegen Glätte, Schnee und Sturm ankämpfen, zieht die Schneemenge gleichzeitig zahlreiche Wintersportler in die Region – ein Winter zwischen Faszination und Belastung.
Ausgeprägte Winterlage bringt große Schneemengen
Eine stabile Kaltwetterlage hat den Harz in den vergangenen Tagen fest im Griff. Feuchte Luftmassen trafen wiederholt auf frostige Temperaturen, insbesondere in den höheren Lagen des Mittelgebirges. Das Ergebnis: anhaltender Schneefall, der sich über mehrere Tage hinweg intensivierte und vielerorts zu erheblichen Neuschneemengen führte. In Teilen des Oberharzes wuchs die Schneedecke binnen kurzer Zeit auf 15 bis 40 Zentimeter an.
Besonders Orte oberhalb von 600 Metern Höhenlage meldeten durchgehend winterliche Bedingungen. In Braunlage, Sankt Andreasberg und rund um den Brocken sammelte sich der Schnee nicht nur auf Wiesen und Dächern, sondern auch auf Straßen, Parkplätzen und Waldwegen. Die Temperaturen blieben konstant unter dem Gefrierpunkt, sodass der Schnee liegen blieb und sich verdichtete. In Verbindung mit zeitweise kräftigem Wind entstanden lokal auch Schneeverwehungen.
Der Deutsche Wetterdienst warnte wiederholt vor Dauerfrost, Schneeschauern und stürmischen Böen. Die Kombination aus Kälte, Niederschlag und Wind machte die Wetterlage besonders anspruchsvoll – nicht nur für Verkehrsteilnehmer, sondern auch für kommunale Dienste und Rettungskräfte.
Glatte Straßen, Unfälle und Einschränkungen
Die winterlichen Bedingungen hatten spürbare Auswirkungen auf den Verkehr in der Region. Auf zahlreichen Landstraßen im Harz sowie in angrenzenden Gebieten kam es zu glättebedingten Unfällen, überwiegend mit Sachschäden. Fahrzeuge gerieten ins Rutschen, Bremswege verlängerten sich deutlich, und nicht überall konnte der Winterdienst sofort für freie Fahrbahnen sorgen.
Auch überregional blieb das Winterwetter nicht ohne Folgen. Auf wichtigen Verkehrsachsen, darunter Abschnitte der Autobahn A1, kam es zu Unfällen und temporären Sperrungen, nachdem Lkw und Pkw die Kontrolle verloren hatten. Die Polizei appellierte wiederholt an Autofahrer, ihre Geschwindigkeit anzupassen, auf Winterbereifung zu achten und Fahrten auf das Notwendige zu beschränken.
Besonders heikel zeigte sich die Lage in den frühen Morgen- und Abendstunden, wenn überfrierende Nässe zusätzlich für spiegelglatte Fahrbahnen sorgte. In einigen Bereichen verschärften Schneeverwehungen die Situation, da geräumte Straßen binnen kurzer Zeit erneut zuschneiten.
Extremer Wind in den Hochlagen
Eine besondere Rolle spielte der Wind, vor allem auf den exponierten Höhen des Harzes. Auf dem Brocken wurden zeitweise orkanartige Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu rund 130 Kilometern pro Stunde gemessen. Der Sturm wirbelte Schnee auf, reduzierte die Sicht erheblich und erschwerte die Arbeit von Räumfahrzeugen.
Die Kombination aus starkem Wind und Frost ließ die gefühlten Temperaturen deutlich sinken. Für Wanderer und Ausflügler wurden die Bedingungen damit zunehmend gefährlich. Behörden warnten eindringlich davor, die Hochlagen bei diesen Verhältnissen zu betreten oder sich abseits gesicherter Wege zu bewegen.
Großer Andrang in den Wintersportorten
Trotz – oder gerade wegen – der winterlichen Wetterlage zog es zahlreiche Menschen in den Harz. Die frischen Schneemengen sorgten in den bekannten Wintersportorten für einen deutlichen Besucheransturm. In Braunlage, Sankt Andreasberg und rund um Torfhaus füllten sich Parkplätze bereits am Vormittag, vielerorts stauten sich Fahrzeuge auf den Zufahrtsstraßen.
Am Hexenritt in Braunlage waren mehrere Pisten geöffnet, Skifahrer und Snowboarder nutzten die guten Schneeverhältnisse aus. Vor den Liften bildeten sich teils lange Warteschlangen, während Rodelhänge stark frequentiert waren. Auch in Sankt Andreasberg lief der Betrieb am Sonnenberg an, wenngleich technische Probleme einen Lift zeitweise außer Betrieb setzten.
Am Matthias-Schmidt-Berg standen die Vorbereitungen für den Saisonstart im Fokus. Andere Gebiete, etwa am Bocksberg in Hahnenklee, mussten hingegen Einschränkungen hinnehmen. Starker Wind und ungünstige Temperaturen für die Beschneiung erschwerten dort einen regulären Betrieb.
Zwischen Winterfreude und Sicherheitsrisiken
So sehr die Schneelandschaft viele Besucher begeisterte, so deutlich wiesen Behörden auch auf die Risiken hin. Abseits präparierter Pisten können Schneedecken ungleichmäßig sein, vereiste Stellen lauern unter frischem Pulverschnee. Zudem besteht an zugefrorenen Seen und Teichen eine erhöhte Gefahr: Trotz anhaltenden Frosts sind die Eisflächen vielerorts nicht tragfähig.
Rettungsdienste mahnten insbesondere Familien und Ausflügler zur Vorsicht. Unterschätzte Distanzen, Kälte und Wind können schnell zu gefährlichen Situationen führen, vor allem in den Hochlagen des Harzes.
Unterschiedliche Bedingungen je nach Höhenlage
Während sich in den oberen Regionen des Harzes ein nahezu geschlossenes Winterbild zeigte, fielen die Schneehöhen in tieferen Lagen teils deutlich geringer aus. Dort wechselten sich Schneefall, Schneeregen und Frostphasen ab. Für den Wintersport reichten die Bedingungen in diesen Bereichen häufig noch nicht aus, Loipen blieben vielerorts ungespurt.
Dennoch prägte der Winter das gesamte Mittelgebirge. Wälder, Ortschaften und offene Hochflächen präsentierten sich in weiten Teilen tief verschneit, was dem Harz ein nahezu alpines Erscheinungsbild verlieh – ein Anblick, der in dieser Ausprägung nicht jedes Jahr zu sehen ist.
Ausblick: Winter bleibt bestimmendes Thema
Auch in den kommenden Tagen dürfte der Winter den Harz weiter fest im Griff behalten. Zwar lassen die intensiven Schneefälle nach aktuellen Prognosen etwas nach, doch die Temperaturen bleiben deutlich unter dem Gefrierpunkt. Damit bleibt der vorhandene Schnee liegen, Glätte und vereiste Flächen werden weiterhin zum Alltag gehören.
Vereinzelt sind weitere Schneeschauer möglich, insbesondere in den Höhenlagen. Verkehrsteilnehmer, Wintersportler und Anwohner müssen sich daher auch in den nächsten Tagen auf eingeschränkte Bedingungen einstellen. Die Behörden empfehlen, Wetterwarnungen aufmerksam zu verfolgen und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen.
Ein Winter, der Alltag und Region prägt
Die aktuellen Schneefälle zeigen eindrucksvoll, wie stark der Winter das Leben im Harz beeinflussen kann. Zwischen gesperrten Straßen, fordernden Einsätzen für Rettungskräfte und der Begeisterung tausender Wintersportler entfaltet sich ein Spannungsfeld, das den Charakter der Region prägt. Der Harz präsentiert sich dieser Tage in seiner rauen, eindrucksvollen Wintergestalt – schön anzusehen, aber voller Herausforderungen, die Respekt vor Natur und Wetter erfordern.







