
Sachsen-Anhalt, 28. Dezember 2025 – Der Winter zeigt sich von seiner gefährlichen Seite. In den frühen Morgenstunden verwandeln gefrierender Sprühregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt Straßen und Wege in rutschige Fallen. In Sachsen-Anhalt kommt es zu zahlreichen Glatteisunfällen, Polizei und Rettungskräfte sind vielerorts im Dauereinsatz.
Es sind diese unscheinbaren Stunden kurz vor dem Tagesanbruch, in denen der Winter seine größte Gefahr entfaltet. Feuchtigkeit liegt in der Luft, der Asphalt ist ausgekühlt, die Temperaturen pendeln knapp um den Gefrierpunkt. Was für das Auge harmlos wirkt, entpuppt sich für Verkehrsteilnehmer als hochriskant. In Sachsen-Anhalt meldet die Polizei am Sonntag eine auffällige Häufung von Glatteisunfällen – ausgelöst durch überfrierende Nässe, gefrierenden Sprühregen und plötzlich spiegelglatte Fahrbahnen.
Die Einsatzleitstellen verzeichnen seit den frühen Morgenstunden zahlreiche Meldungen: Fahrzeuge, die ins Rutschen geraten, Auffahrunfälle bei geringer Geschwindigkeit, Autos, die von der Fahrbahn abkommen. Verletzte werden gemeldet, vielerorts bleibt es bei Blechschäden. Doch die Situation verdeutlicht einmal mehr, wie schnell winterliche Witterung den Straßenverkehr lahmlegen kann.
Wetterlage als Auslöser: Gefrierender Sprühregen trifft auf ausgekühlte Straßen
Aus meteorologischer Sicht ist die Lage klar beschrieben – und zugleich tückisch. Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits im Vorfeld vor Glätte gewarnt. In weiten Teilen Sachsen-Anhalts lagen die Temperaturen um den Gefrierpunkt, teils knapp darunter. Niederschläge fielen nicht als Schnee, sondern als feiner Sprühregen. Trifft dieser auf kalte Fahrbahnen, gefriert das Wasser unmittelbar und bildet eine kaum sichtbare Eisschicht.
Gerade diese Form der Glätte gilt als besonders gefährlich. Anders als bei geschlossener Schneedecke oder offen sichtbarem Eis erkennen Autofahrer das Risiko häufig zu spät. Straßen wirken lediglich feucht, bieten jedoch kaum Haftung. Besonders betroffen sind Brücken, Unterführungen, schattige Abschnitte sowie wenig befahrene Nebenstraßen, auf denen Streufahrzeuge später oder gar nicht zum Einsatz kommen.
In der Nacht und in den frühen Morgenstunden verschärfte sich die Situation zusätzlich durch deutlich ausgekühlten Untergrund. In der Harzregion sanken die Temperaturen teils deutlich unter null Grad. Diese Vorkühlung sorgt dafür, dass selbst geringe Niederschlagsmengen ausreichen, um großflächig Glätte zu verursachen.
Glatteisunfälle in Sachsen-Anhalt: Polizei meldet zahlreiche Einsätze
Die Polizei in Sachsen-Anhalt spricht von einer auffälligen Häufung witterungsbedingter Verkehrsunfälle. Konkrete landesweite Zahlen für den gesamten Sonntag lagen zunächst nicht vollständig vor, doch bereits am Vormittag zeichnet sich ein klares Bild ab: Glatteisunfälle prägen das Verkehrsgeschehen.
Beamte berichten von einer Vielzahl kleinerer Unfälle, bei denen Fahrzeuge auf eisglatten Fahrbahnen ins Rutschen gerieten. Auffahrunfälle an Kreuzungen, Abkommen von der Fahrbahn auf Landstraßen, Kollisionen mit Leitplanken – das gesamte Spektrum typischer Glätteunfälle war vertreten. In mehreren Fällen wurden Menschen verletzt, oftmals glücklicherweise nur leicht.
Die Lage in Sachsen-Anhalt reiht sich dabei in ein bundesweites Muster ein. Auch in anderen Teilen Mitteldeutschlands kam es zeitgleich zu zahlreichen Glatteisunfällen. In Brandenburg registrierten die Behörden bis zum Morgen rund 120 witterungsbedingte Verkehrsunfälle, bei denen knapp 20 Menschen verletzt wurden. In Niedersachsen ereigneten sich auf der Autobahn A1 mehrere Unfälle auf spiegelglatter Fahrbahn, teils mit mehreren beteiligten Fahrzeugen.
Warum Glatteis so oft unterschätzt wird
Ein zentrales Problem bleibt die Unberechenbarkeit von Glatteis. Während Schneefall für viele Autofahrer ein sichtbares Warnsignal darstellt, wird überfrierende Nässe häufig unterschätzt. Gerade auf längeren Fahrten wechseln die Bedingungen oft abrupt: trockene Straßen gehen innerhalb weniger Kilometer in gefährliche Glatteisabschnitte über.
Hinzu kommt, dass moderne Fahrzeuge mit Assistenzsystemen bei Eis schnell an physikalische Grenzen stoßen. Bremsassistenten, ABS oder ESP können die fehlende Haftung nicht ausgleichen. Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten verlängern sich Bremswege erheblich, Lenkbewegungen führen schneller zum Kontrollverlust.
Rettungsdienste und Straßenmeistereien stark gefordert
Die hohe Zahl an Glatteisunfällen in Sachsen-Anhalt bedeutet auch für Rettungsdienste, Feuerwehren und Straßenmeistereien eine enorme Belastung. Einsatzfahrzeuge müssen selbst unter schwierigen Bedingungen ausrücken, Unfallstellen absichern und Verletzte versorgen. In einigen Regionen kam es zeitweise zu Verzögerungen, da mehrere Einsätze parallel liefen.
Straßenmeistereien waren bereits in den Nachtstunden unterwegs, um Hauptverkehrsachsen zu streuen. Doch gerade bei gefrierendem Sprühregen stößt auch der Winterdienst an Grenzen. Das Streusalz wird durch den Niederschlag teilweise rasch abgewaschen, neue Eisschichten bilden sich binnen kurzer Zeit.
Besonders kritisch ist die Lage auf Nebenstraßen und innerörtlichen Straßen, die nicht permanent überwacht oder gestreut werden können. Dort bleibt die Glätte häufig länger bestehen – ein Risiko nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fußgänger und Radfahrer.
Unfälle betreffen nicht nur den Autoverkehr
Neben den Glatteisunfällen im Straßenverkehr registrierten Kommunen und Rettungsdienste auch eine steigende Zahl von Stürzen auf Gehwegen. Vereiste Bürgersteige, Treppen und Zugänge führten zu Verletzungen, insbesondere bei älteren Menschen. Krankenhäuser stellten sich auf ein erhöhtes Aufkommen von Sturzverletzungen ein.
Die Verantwortung für geräumte und gestreute Gehwege liegt in vielen Gemeinden bei den Anliegern. Kommunen erinnerten daher eindringlich an die Streupflicht, um Unfälle zu vermeiden. Dennoch bleibt Glatteis auch im Fußgängerverkehr ein kaum vollständig beherrschbares Risiko.
Polizei appelliert an Verkehrsteilnehmer
Angesichts der zahlreichen Glatteisunfälle in Sachsen-Anhalt richtet die Polizei einen eindringlichen Appell an alle Verkehrsteilnehmer. Zentrale Empfehlung bleibt, die Geschwindigkeit konsequent den Witterungsbedingungen anzupassen – auch dann, wenn Straßen auf den ersten Blick befahrbar erscheinen.
- Geschwindigkeit deutlich reduzieren und abruptes Bremsen vermeiden
- Großzügige Sicherheitsabstände einhalten
- Winterreifen in einwandfreiem Zustand nutzen
- Nach Möglichkeit auf unnötige Fahrten verzichten
Auch Fußgänger werden zur Vorsicht aufgerufen. Rutschfestes Schuhwerk, kurze Schritte und erhöhte Aufmerksamkeit können helfen, Stürze zu vermeiden. Gerade in den Morgen- und Abendstunden bleibt die Glättegefahr besonders hoch.
Ein Winter mit Vorgeschichte: Außergewöhnliche Kälte an den Weihnachtstagen
Die aktuelle Glättesituation fällt nicht vom Himmel. Bereits die Weihnachtstage waren in Sachsen-Anhalt von ungewöhnlich niedrigen Temperaturen geprägt. In Teilen des Harzes registrierte der Deutsche Wetterdienst Tiefstwerte von rund minus 12 Grad Celsius – die kältesten Weihnachtstage seit vielen Jahren.
Diese anhaltende Kälte hat den Untergrund stark ausgekühlt. Sobald dann mildere Luft mit Niederschlägen einsetzt, entsteht eine klassische Glatteislage. Meteorologen sprechen in solchen Fällen von besonders gefährlichen Übergangswetterlagen, da sie für Verkehrsteilnehmer schwer einzuschätzen sind.
Auch in den kommenden Tagen bleibt die Wetterlage angespannt. Solange sich Temperaturen im Grenzbereich um null Grad bewegen und Niederschläge auftreten, ist weiterhin mit Glatteisunfällen zu rechnen.
Winterliche Routine – und doch jedes Mal eine neue Gefahr
Glatteis gehört in Sachsen-Anhalt wie in vielen Regionen Deutschlands zum Winteralltag. Und doch zeigen Tage wie dieser, wie schnell Routine zur Gefahr werden kann. Viele Verkehrsteilnehmer sind täglich unterwegs, kennen ihre Strecken, fühlen sich sicher. Genau darin liegt das Risiko: Glatteis macht keinen Unterschied zwischen erfahrenen Fahrern und Gelegenheitsfahrern.
Die Vielzahl der Glatteisunfälle in Sachsen-Anhalt ist deshalb mehr als eine statistische Größe. Sie ist ein Hinweis darauf, wie sensibel das Verkehrssystem auf Wetterumschwünge reagiert – und wie wichtig Aufmerksamkeit, Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme bleiben.
Wenn der Winter den Takt vorgibt
Der Sonntag in Sachsen-Anhalt steht sinnbildlich für einen Winter, der den Alltag entschleunigt und zur Vorsicht zwingt. Die Polizei meldet zahlreiche Glatteisunfälle, Rettungskräfte sind gefordert, Verkehrsteilnehmer müssen ihr Verhalten anpassen. Solange Eis und Kälte die Straßen beherrschen, bleibt der Spielraum für Fehler klein. Wer ihn respektiert, trägt dazu bei, dass aus rutschigen Straßen keine tragischen Unfallorte werden.







