
Harz, 28. Dezember 2025 – Der Frost kam nicht schleichend, er war da. Klirrend, hartnäckig, kompromisslos. In den Weihnachtstagen lag über dem Harz eine Kälte, die selbst für die wintererprobte Mittelgebirgsregion außergewöhnlich war. Die Luft wirkte trocken und scharf, Straßen glänzten spiegelglatt, über verschneiten Hängen spannte sich ein klarer Himmel. Weihnachten 2025 ging als meteorologisches Ausrufezeichen in die Wetterstatistik ein.
Mit Tiefstwerten von bis zu minus 12,1 Grad Celsius erlebte der Harz die kältesten Weihnachtstage seit 15 Jahren. Die Messungen des Deutschen Wetterdienstes belegen: Die Zeitspanne vom 24. bis 26. Dezember war deutschlandweit die frostigste Weihnachtsperiode seit 2010. Besonders deutlich zeigte sich das im Harz, wo Höhenlage und Wetterlage zusammenwirkten und die Kälte über Tage hinweg festhielten.
Die kältesten Weihnachtstage im Harz: Messwerte mit Seltenheitswert
In der Nacht zum zweiten Weihnachtstag registrierten die Wetterstationen im Harz außergewöhnlich niedrige Temperaturen. In Harzgerode wurde mit minus 12,1 Grad der tiefste Wert der Feiertage gemessen. Solche Temperaturen sind für die Region nicht unbekannt, doch ihre Dauer und zeitliche Konzentration auf die Weihnachtstage machen dieses Ereignis bemerkenswert.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes lagen die Durchschnittstemperaturen der drei Weihnachtstage 2025 deutlich unter dem langjährigen Mittel. Vergleichbare Werte wurden zuletzt im Jahr 2010 gemessen, als ein massiver Wintereinbruch Deutschland fest im Griff hatte. Damals lagen die Mittelwerte sogar noch rund drei Grad niedriger – dennoch markiert Weihnachten 2025 einen seltenen Extrempunkt der jüngeren Wettergeschichte.
Der Harz nimmt in solchen Wetterlagen traditionell eine Sonderrolle ein. Als höchstes Mittelgebirge Norddeutschlands reagiert die Region besonders sensibel auf Kaltluftzufuhr. In klaren Nächten kann die Temperatur rasch absinken, vor allem in Tallagen und windgeschützten Bereichen. Dass die kältesten Weihnachtstage im Harz gleich mehrere Nächte in Folge anhielten, verstärkte die Wirkung dieses Kälteereignisses zusätzlich.
Warum die Kälte so hartnäckig blieb
Die Ursache für den außergewöhnlichen Frost lag nicht in einem kurzfristigen Wetterumschwung, sondern in einer stabilen Großwetterlage. Über Osteuropa und Teilen Norddeutschlands hatte sich ein kräftiges Hochdruckgebiet etabliert. Es blockierte milde Atlantikluft und lenkte stattdessen kalte, trockene Luftmassen aus nordöstlichen Richtungen nach Mitteleuropa.
Diese Konstellation sorgte für klare Nächte, kaum Wind und eine starke nächtliche Auskühlung. Gerade im Harz, wo Schnee die Wärmerückstrahlung zusätzlich reduziert, konnte sich die Kälte ungehindert entfalten. Die Folge: Dauerfrost, selbst in den Tagesstunden, und Nächte mit zweistelligen Minuswerten.
Alltag im Ausnahmezustand: Wenn Glätte den Rhythmus bestimmt
So eindrucksvoll die Winterlandschaft wirkte, so deutlich waren die Auswirkungen auf den Alltag. Glatte Straßen, vereiste Gehwege und festgefrorene Fahrzeuge bestimmten vielerorts das Bild. Die kältesten Weihnachtstage im Harz gingen nicht ohne Folgen für Verkehr und Infrastruktur vorüber.
Unfälle und Einsätze in mehreren Bundesländern
Die anhaltende Glätte führte über die Feiertage hinweg zu zahlreichen Unfällen, nicht nur im Harz, sondern in weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands. Besonders betroffen waren Autobahnen und Schnellstraßen, auf denen sich Eisflächen trotz Räumdiensten immer wieder neu bildeten.
- Auf der Autobahn A1 kam es in mehreren Abschnitten zu Verkehrsunfällen durch Blitzeis, bei denen Fahrzeuge ins Schleudern gerieten.
- In Mecklenburg-Vorpommern registrierten die Einsatzkräfte eine Häufung von Glätteunfällen, vor allem in den frühen Morgenstunden.
- Auch in Nordrhein-Westfalen führten eisige Straßenverhältnisse zu Unfällen mit Verletzten und erheblichen Verkehrsbehinderungen.
Rettungskräfte berichteten übereinstimmend von erschwerten Bedingungen. Streufahrzeuge waren vielerorts im Dauereinsatz, doch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt verliert selbst Streusalz an Wirkung. In einigen Regionen blieb nur vorsichtiges Fahren oder der Verzicht auf nicht notwendige Fahrten.
Dauerfrost als Herausforderung für Kommunen
Für Städte und Gemeinden im Harz bedeutete der Dauerfrost eine logistische Belastungsprobe. Winterdienste arbeiteten rund um die Uhr, um Hauptverkehrsachsen und wichtige Fußwege passierbar zu halten. Gleichzeitig mussten sensible Infrastrukturen wie Wasserleitungen, Heizsysteme und Stromnetze überwacht werden, um Frostschäden frühzeitig zu erkennen.
Auch private Haushalte spürten die Kälte. Eingefrorene Autoschlösser, vereiste Haustüren und ein erhöhter Heizbedarf gehörten zu den Begleiterscheinungen der kältesten Weihnachtstage im Harz. In ländlichen Regionen mit älteren Gebäuden zeigte sich einmal mehr, wie anfällig Infrastruktur bei extremen Temperaturen sein kann.
Sonne, Frost und klare Luft: Ein Winter mit Kontrasten
Trotz der tiefen Temperaturen brachte die Wetterlage auch eine andere, beinahe widersprüchliche Seite mit sich. Hochdruckwetter bedeutete nicht nur Kälte, sondern auch ungewöhnlich viel Sonnenschein – zumindest in einigen Teilen Deutschlands.
Während in Nebelregionen ganztägig trübes Wetter herrschte, erlebten andere Städte einen der sonnigsten Dezemberabschnitte seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders im Süden und in Teilen des Westens sorgten klare Hochdrucklagen für zahlreiche Sonnenstunden. In einzelnen Städten wurden sogar Rekordwerte für die Sonnenscheindauer im Dezember erreicht.
Im Harz selbst zeigte sich ein typisches Bild: In höheren Lagen oft strahlender Sonnenschein über Schnee und Eis, in Tälern dagegen zäher Nebel und anhaltender Frost. Diese Gegensätze prägten die Atmosphäre der Feiertage und verstärkten den Eindruck eines klassischen Winters, wie er in den vergangenen Jahren seltener geworden ist.
Der Harz im Winter: Traditionelle Kälte, neue Aufmerksamkeit
Die Region ist an harte Winter angepasst. Orte wie Braunlage, Wernigerode oder Schierke leben seit Jahrzehnten mit Schnee, Frost und langen Winternächten. Dennoch lenkten die kältesten Weihnachtstage im Harz den Blick erneut auf die Besonderheiten dieser Mittelgebirgslandschaft.
Der Harz profitiert in solchen Phasen auch touristisch. Winterwanderungen, verschneite Fachwerkstädte und klare Fernblicke zogen viele Besucher an. Gleichzeitig blieb die Kälte eine Herausforderung für Anreise und Mobilität, insbesondere für Tagesgäste aus tiefer gelegenen Regionen.
Wintersport unter stabilen Frostbedingungen
Für Wintersportgebiete im Harz waren die anhaltenden Minusgrade ein seltener Vorteil. Pisten und Loipen konnten ohne künstliche Beschneiung betrieben werden. Am Wurmberg, in Hahnenklee und auf weiteren Höhenlagen herrschten stabile Bedingungen, die einen durchgehenden Betrieb ermöglichten.
Auch Winterwanderwege profitierten von der trockenen Kälte. Der Schnee blieb griffig, das Risiko von Tauwetter gering. Viele Besucher erlebten den Harz in einem Zustand, der an klassische Winter aus früheren Jahrzehnten erinnerte.
Wie es nach den Feiertagen weiterging
Zum Ende der Weihnachtswoche deutete sich langsam eine Abschwächung der Kälte an. Der Deutsche Wetterdienst prognostizierte für die Folgetage leicht steigende Temperaturen, ohne jedoch von einem echten Wetterumschwung zu sprechen. Tagsüber sollten Werte zwischen ein und sieben Grad möglich sein, nachts blieb es vielerorts frostig.
Besonders in Regionen mit Hochnebel hielten sich die Minusgrade auch tagsüber. In klaren Nächten blieb die Gefahr von Glatteis bestehen. Die Wetterlage zeigte sich insgesamt stabil, aber weiterhin winterlich – ein langsamer Übergang statt eines abrupten Endes der Kältephase.
Ein Winterereignis mit Nachhall
Die kältesten Weihnachtstage im Harz hinterließen Spuren – nicht nur in Wetterstatistiken, sondern auch im kollektiven Gedächtnis der Region. In einer Zeit, in der Winter häufig milder verlaufen, wirkte diese Kältephase wie ein Kontrastprogramm. Sie erinnerte daran, dass extreme Witterung auch heute noch Teil des mitteleuropäischen Klimas ist.
Für viele Menschen im Harz bedeutete Weihnachten 2025 mehr als festliche Stimmung. Es war eine Zeit der Anpassung, der Vorsicht und zugleich der Faszination. Der Frost legte den Alltag nicht lahm, aber er verlangsamte ihn – und machte deutlich, welche Kraft der Winter noch immer entfalten kann.
So wird dieses Weihnachtsfest als eines in Erinnerung bleiben, das den Harz in seinem elementaren Charakter zeigte: rau, klar, kalt – und für wenige Tage so winterlich wie seit 15 Jahren nicht mehr.







