
Bad Lauterberg, 05. Januar 2026 – Es ist eine stille Straße im Herzen der Stadt, Fachwerk, Kopfsteinpflaster, Alltag. Doch in der Nacht, als Blaulicht die Fassaden färbte, wurde deutlich, dass sich hinter den Mauern eines leerstehenden Hauses ein Verbrechen von erheblicher Dimension abgespielt hatte. Der nun begonnene Prozess um einen Überfall auf eine Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg wirft ein Schlaglicht auf organisierte Drogenkriminalität – mitten im Harz.
Überfall auf Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg: Ein Fall, der weit über die Stadt hinausweist
Was als Routinehinweis eines aufmerksamen Bürgers begann, entwickelte sich binnen Stunden zu einem der aufsehenerregendsten Kriminalfälle der Region. In der Nacht zum 7. April 2025 meldete ein Anwohner einen Transporter mit offener Tür und laufendem Motor vor einem leerstehenden Gebäude in der Innenstadt von Bad Lauterberg. Die Situation wirkte ungewöhnlich, beinahe beiläufig – und erwies sich doch als Schlüssel zu einem umfangreichen Ermittlungsverfahren.
Als Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Göttingen wenig später eintrafen, bestätigte sich der Verdacht eines Einbruchs. Das Gebäude, eine ehemalige Fleischerei in zentraler Lage, war nicht einfach verlassen. Hinter verschlossenen Türen hatte sich eine professionell betriebene Cannabis-Plantage etabliert, technisch ausgefeilt, sorgfältig abgeschirmt und offenbar auf dauerhaften Ertrag ausgelegt.
Der Überfall auf diese Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg ist nun Gegenstand eines umfangreichen Strafverfahrens vor dem Landgericht Göttingen. Drei Männer stehen als Hauptangeklagte vor Gericht. Der Vorwurf wiegt schwer: schwerer Raub, bewaffnetes Vorgehen, Beteiligung an einem illegalen Drogenanbau im großen Stil. Im Raum stehen Freiheitsstrafen von deutlich über sechs Jahren.
Die Nacht des Zugriffs: Wie der Überfall eskalierte
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft waren mehrere Täter in der Nacht gezielt in das Gebäude eingedrungen. Ihr Ziel: die Übernahme der Cannabis-Plantage samt Ernte. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen geplanten Überfall handelte, bei dem Gewalt zumindest billigend in Kauf genommen wurde. Im Inneren des Hauses trafen die Täter auf Personen, die sich dort aufhielten – mutmaßlich zur Pflege der Pflanzen.
Die Situation eskalierte. Im Zuge des Polizeieinsatzes wurden zwei scharfe Schusswaffen sichergestellt, zudem umfangreiche Beweismittel, die auf eine arbeitsteilige Organisation schließen lassen. Drei mutmaßlich Beteiligte konnten noch vor Ort festgenommen werden, weitere Personen entkamen unerkannt. Bis heute gelten drei mutmaßliche Täter als flüchtig.
Der Überfall auf die Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg markiert damit nicht nur einen schweren Raub, sondern auch einen innerkriminellen Konflikt innerhalb der Drogenszene – ein Aspekt, der den Fall aus Sicht der Ermittler besonders brisant macht.
Ein Gebäude als Tarnung: Die Plantage im Detail
Das Ausmaß der entdeckten Anlage überraschte selbst erfahrene Ermittler. Das dreigeschossige Fachwerkhaus war vollständig umgebaut worden. Leichtbauwände gliederten die Räume neu, Fenster waren abgedichtet, technische Systeme professionell installiert. Die Polizei stellte rund 20 Kilogramm Cannabis sicher, teils bereits getrocknet und verpackt, teils noch im Wachstumsstadium.
Der geschätzte Schwarzmarktwert: rund 200.000 Euro. Nach Einschätzung der Ermittler deutet alles darauf hin, dass die Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg bereits seit längerer Zeit betrieben wurde. Mehrere Erntezyklen seien wahrscheinlich, der Betrieb habe mindestens ein Jahr bestanden.
Die technische Ausstattung ließ keinen Zweifel an der Professionalität:
- eigene Strom- und Wasserversorgung, teils illegal abgezweigt
- komplexe Lüftungs- und Filtertechnik zur Geruchsneutralisation
- spezialisierte Beleuchtung für kontrollierte Wachstumsphasen
- räumliche Trennung von Anbau-, Trocknungs- und Lagerbereichen
Solche Strukturen sind typisch für kommerziellen, illegalen Cannabis-Anbau, wie er im Rahmen organisierter Drogenkriminalität betrieben wird. Der Standort Bad Lauterberg, so vermuten Ermittler, war bewusst gewählt: zentral, aber unauffällig, mit einem leerstehenden Objekt, das kaum Aufmerksamkeit erregte.
Die Angeklagten und ihre Rollen
Im Zentrum des Verfahrens stehen drei Männer im Alter zwischen 21 und 47 Jahren. Ihnen wird vorgeworfen, den Überfall auf die Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg geplant und durchgeführt zu haben. Daneben sitzen weitere Beteiligte auf der Anklagebank, denen vor allem Beihilfe zum illegalen Anbau und zur Lagerung von Betäubungsmitteln vorgeworfen wird.
Einige der Angeklagten geben an, lediglich als sogenannte „Gärtner“ tätig gewesen zu sein – angestellt oder angeworben, um die Pflanzen zu pflegen, ohne Einfluss auf Vertrieb oder Organisation. Diese Darstellung wird vor Gericht intensiv geprüft. Die Staatsanwaltschaft sieht dagegen ein arbeitsteiliges System, in dem jeder Beteiligte eine klar definierte Rolle übernommen habe.
Besonders belastend wirken Zeugenaussagen aus dem Umfeld der Plantage, die chaotische und bedrohliche Zustände während des Überfalls schildern. Verteidiger versuchen, einzelne Aussagen zu relativieren und die Verantwortung ihrer Mandanten einzugrenzen. Das Gericht hört zu, wägt ab, rekonstruiert.
Ermittlungen mit regionaler und überregionaler Dimension
Nach der Entdeckung der Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg richtete die Polizei eine eigene Ermittlungsgruppe ein. Ziel war es, mögliche Verbindungen zu weiteren Anlagen, Lieferketten und Hintermännern aufzudecken. In der Folge wurden auch andere Objekte überprüft, die im Zusammenhang mit dem Fall stehen könnten.
Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Plantage Teil eines größeren Netzwerks war, das über den Landkreis Göttingen hinaus agierte. Konkrete Ergebnisse dazu sind bislang nicht öffentlich geworden, doch die laufenden Verfahren zeigen, dass der Fall Bad Lauterberg kein isoliertes Ereignis ist.
Auffällig bleibt, dass der entscheidende Impuls nicht aus verdeckten Ermittlungen, sondern aus der Bevölkerung kam. Der Hinweis eines Anwohners war es, der den Überfall letztlich scheitern ließ und die Cannabis-Plantage auffliegen ließ – ein Umstand, den Polizei und Justiz mehrfach betonten.
Bad Lauterberg zwischen Verunsicherung und Aufarbeitung
In der Stadt selbst wirkt der Fall bis heute nach. Der Überfall auf die Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg hat Diskussionen über Sicherheit, Leerstand und Kontrolle ausgelöst. Viele Anwohner fragen sich, wie ein solches Projekt über Monate unentdeckt bleiben konnte – mitten in der Innenstadt.
Die Stadtverwaltung kündigte nach Bekanntwerden des Falls an, den Umgang mit leerstehenden Immobilien zu überprüfen. Gespräche mit Eigentümern, verstärkte Kontrollen und eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei sollen künftig verhindern, dass Gebäude als Rückzugsorte für illegale Aktivitäten missbraucht werden.
Gleichzeitig betonen lokale Verantwortliche, dass es sich um einen außergewöhnlichen Einzelfall handele. Bad Lauterberg bleibe eine vergleichsweise sichere Stadt. Dennoch hat der Fall Spuren hinterlassen – auch im Selbstverständnis der Region.
Der Prozess und das mögliche Strafmaß
Vor dem Landgericht Göttingen nähert sich das Verfahren nun seiner entscheidenden Phase. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Hauptangeklagten Freiheitsstrafen von mehr als sechs Jahren. Begründet wird dies mit der Schwere der Tat, dem bewaffneten Vorgehen und der Dimension des illegalen Drogenanbaus.
Die Verteidigung plädiert auf differenzierte Betrachtung, verweist auf unterschiedliche Tatbeteiligungen und persönliche Hintergründe. Das Gericht wird zu entscheiden haben, in welchem Umfang Schuld festgestellt wird – und welche Signalwirkung von dem Urteil ausgehen soll.
Ein Verfahren mit Bedeutung über den Einzelfall hinaus
Der Überfall auf die Cannabis-Plantage in Bad Lauterberg ist mehr als ein regionaler Kriminalfall. Er zeigt, wie professionell organisierte Drogenkriminalität selbst in kleineren Städten operieren kann – und wie schnell interne Konflikte in offene Gewalt umschlagen.
Dass der Fall durch einen einfachen Hinweis ans Licht kam, bleibt ein zentrales Element dieser Geschichte. Es ist ein Beispiel dafür, wie entscheidend Aufmerksamkeit und Zivilcourage sein können. Das Urteil, das in den kommenden Wochen erwartet wird, dürfte daher nicht nur über das Schicksal der Angeklagten entscheiden, sondern auch darüber, welches Zeichen die Justiz im Umgang mit solcher Kriminalität setzt.







