Das Harzklinikum und die Universitätsmedizin Halle bauen die medizinische Ausbildung im Harz aus. Im Wintersemester 2026/27 sollen erstmals klinische Blockpraktika im Rahmen des Medizin-Campus stattfinden. Das Vorhaben soll Studierende früh mit der Versorgung im ländlichen Raum vertraut machen und so langfristig zur Sicherung des ärztlichen Nachwuchses beitragen – wichtige Details zum konkreten Start sind allerdings noch offen.
Wernigerode, 27. August 2026. Der Medizin-Campus Harzklinikum der Universitätsmedizin Halle geht in die nächste Phase. Seit Januar 2026 arbeiten beide Einrichtungen auf Grundlage eines gemeinsamen Rahmenvertrags daran, Studium, klinische Ausbildung und wissenschaftliche Zusammenarbeit enger miteinander zu verzahnen. Für das Wintersemester 2026/27 sind nun erste Blockpraktika im Harzklinikum vorgesehen.
Damit bekommt ein Projekt Konturen, das auf ein strukturelles Problem der medizinischen Versorgung zielt: den wachsenden Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in ländlichen Regionen. Nach Angaben der Universitätsmedizin Halle sollen Medizinstudierende schon während ihrer klinischen Ausbildung mit den Arbeitsbedingungen und beruflichen Perspektiven außerhalb großer Universitätsstandorte in Berührung kommen. Dahinter steht die Hoffnung, dass ein früher Bezug zur Region langfristig dazu beiträgt, mehr medizinischen Nachwuchs in Sachsen-Anhalt und im Harz zu halten.
Medizin-Campus im Harz soll Ausbildung näher an die Versorgung bringen
Der Begriff Medizin-Campus klingt zunächst nach einem neuen Hochschulstandort. Tatsächlich handelt es sich nicht um eine eigenständige medizinische Fakultät in Wernigerode und auch nicht um ein vollständiges Medizinstudium im Harz. Der Medizin-Campus ist vielmehr als engere Ausbildungs- und Forschungspartnerschaft zwischen der Universitätsmedizin Halle und dem bestehenden Harzklinikum angelegt.
Der Ansatz: Ein Teil der klinischen Ausbildung soll dort stattfinden, wo medizinische Versorgung im Alltag geleistet wird. Studierende sollen im Harz nicht nur einzelne Hospitationen absolvieren, sondern stärker in reguläre Lehr- und Ausbildungsstrukturen eingebunden werden.
Nach dem bislang veröffentlichten Konzept beginnt die Zusammenarbeit zunächst in sieben ausgewählten Fachbereichen. Welche Disziplinen genau dazugehören und wie die Einsätze auf die Standorte Wernigerode, Quedlinburg und Blankenburg verteilt werden, ist noch nicht vollständig öffentlich dokumentiert.
Fest steht dagegen der nächste konkrete Schritt: Im Wintersemester 2026/27 sollen erste klinische Blockpraktika stattfinden. Ein genauer Starttermin sowie die Zahl der Studierenden sind bislang nicht veröffentlicht worden.
| Bereich | Gesicherter Stand | Noch offen |
|---|---|---|
| Kooperation | Rahmenvertrag seit Januar 2026 | Weitere Ausbaustufen |
| Lehre | Blockpraktika im Wintersemester 2026/27 geplant | Genauer Start und Teilnehmerzahl |
| Fachbereiche | Sieben Bereiche zum Einstieg vorgesehen | Vollständige öffentliche Zuordnung |
Das Harzklinikum bildet bereits Medizinstudierende aus
Die medizinische Ausbildung im Harz beginnt nicht erst mit dem neuen Medizin-Campus. Das Harzklinikum bietet bereits heute Plätze für das Praktische Jahr und für Famulaturen an. Nach Angaben des Klinikums stehen an den drei Standorten Wernigerode, Quedlinburg und Blankenburg insgesamt 30 Plätze für Studierende im Praktischen Jahr zur Verfügung.
In Wernigerode können angehende Ärztinnen und Ärzte unter anderem Erfahrungen in Chirurgie, Innerer Medizin, Anästhesiologie, Gynäkologie, Neurologie, Radiologie sowie Kinder- und Jugendmedizin sammeln. Der Medizin-Campus baut damit auf vorhandenen Ausbildungsstrukturen auf, soll sie aber stärker mit der Universitätsmedizin Halle verzahnen.
Genau darin liegt der Unterschied zum bisherigen Modell. Aus einzelnen Ausbildungsstationen soll schrittweise eine verbindlichere Lehrkooperation entstehen. Neben Blockpraktika sind auch gemeinsame Lehrveranstaltungen, wissenschaftliche Kooperationen und Forschungsprojekte vorgesehen.
Vom Rahmenvertrag zum Lehrbetrieb
Die Partnerschaft wurde im Januar 2026 vereinbart. Seitdem befindet sich der Medizin-Campus im Aufbau. Dass das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, zeigt auch der aktuelle Stand der Planungen: Die Universitätsmedizin Halle zählt den Ausbau der Lehre am Harzklinikum weiterhin zu den Themen, die weiterentwickelt werden sollen.
Der Medizin-Campus ist damit weder reine Ankündigung noch bereits vollständig etablierter Studienstandort. Die vertragliche Grundlage steht, erste Lehrangebote sind angekündigt, zentrale organisatorische Details werden jedoch noch konkretisiert.
Das Wichtigste in Kürze
Harzklinikum und Universitätsmedizin Halle bauen den Medizin-Campus im Harz aus. Für das Wintersemester 2026/27 sind erste klinische Blockpraktika vorgesehen.
- Was ist passiert?
- Für das Wintersemester 2026/27 sind nun erste Blockpraktika im Harzklinikum vorgesehen.
- Was ist bestätigt?
- Nach dem bislang veröffentlichten Konzept beginnt die Zusammenarbeit zunächst in sieben ausgewählten Fachbereichen.
- Was bedeutet das?
- Der Medizin-Campus erweitert diese Strategie nun um einen früheren Kontakt zu Studierenden.
Ärztemangel bleibt eine zentrale Herausforderung im Harz
Der Medizin-Campus ist eng mit der Frage verbunden, wie Krankenhäuser in ländlichen Regionen künftig ausreichend ärztliches Personal gewinnen können. Das Harzklinikum selbst verweist seit längerem auf den Fachkräftemangel und die wachsende Bedeutung internationaler Beschäftigter für die Versorgung.
Im Juni 2026 arbeiteten nach Angaben des Hauses 298 Ärztinnen und Ärzte im Krankenhausverbund. 76 von ihnen hatten eine internationale Biografie. Das entsprach rund 26 Prozent des ärztlichen Personals.
Schon zuvor hatte das Klinikum öffentlich erklärt, wegen des Mangels an medizinischem Personal verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen zu sein. Parallel versucht der Verbund, den eigenen Standort für Studierende attraktiver zu machen.
Ein Beispiel dafür ist das Praktische Jahr. 2025 erhöhte das Harzklinikum die Aufwandsentschädigung für Medizinstudierende auf den damaligen BAföG-Höchstsatz von 992 Euro brutto monatlich. Zusätzlich werden nach Angaben des Klinikums Unterkunft und Verpflegung angeboten.
Der Medizin-Campus erweitert diese Strategie nun um einen früheren Kontakt zu Studierenden. Nicht erst im Praktischen Jahr, sondern schon während der klinischen Ausbildung sollen sie das Harzklinikum, die Fachabteilungen und die Arbeit in der Region kennenlernen.
Die Idee: Bindung beginnt schon im Studium
Ob Studierende nach einem Blockpraktikum später tatsächlich für eine ärztliche Tätigkeit in den Harz zurückkehren, lässt sich heute nicht beantworten. Genau deshalb formulieren die beteiligten Einrichtungen ihr Ziel langfristig: Der Medizin-Campus soll Nachwuchsgewinnung unterstützen und die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt stabilisieren.
Der Ansatz folgt einem einfachen Prinzip. Wer eine Region, ihre Kliniken und die dortigen Arbeitsmöglichkeiten bereits während des Studiums kennenlernt, kann sie später eher als berufliche Option wahrnehmen. Ob dieser Effekt beim Medizin-Campus Harzklinikum tatsächlich eintritt, wird sich erst nach mehreren Ausbildungsjahrgängen beurteilen lassen.
Bis dahin bleibt entscheidend, wie konkret die angekündigten Strukturen ausgestaltet werden. Für Studierende sind insbesondere die beteiligten Fachbereiche, Einsatzorte und organisatorischen Abläufe relevant. Diese Angaben sind bislang nur teilweise veröffentlicht.
Was beim Medizin-Campus bereits feststeht
- Das Harzklinikum und die Universitätsmedizin Halle arbeiten seit Januar 2026 auf Grundlage eines gemeinsamen Rahmenvertrags zusammen.
- Der Medizin-Campus soll klinische Ausbildung, Lehre und später auch wissenschaftliche Zusammenarbeit verbinden.
- Erste klinische Blockpraktika sind für das Wintersemester 2026/27 vorgesehen.
- Zum Einstieg sollen sieben ausgewählte Fachbereiche beteiligt werden.
- Ein genauer Starttermin, Teilnehmerzahlen und die vollständige Verteilung der Fachbereiche sind bislang nicht öffentlich bekannt.
Unklar ist auch, wie stark sich der Medizin-Campus künftig räumlich an einem einzelnen Standort konzentrieren wird. Das Harzklinikum arbeitet als Krankenhausverbund mit Einrichtungen in Wernigerode, Quedlinburg und Blankenburg. Deshalb wäre es verkürzt, den Medizin-Campus ausschließlich als Projekt für Wernigerode zu beschreiben.
Ebenso wenig gibt es bislang Hinweise darauf, dass für das Projekt ein eigenständiger Hochschulneubau oder ein neuer Klinikkomplex vorgesehen ist. Der Begriff Campus beschreibt nach dem derzeit bekannten Konzept vor allem die akademische und organisatorische Zusammenarbeit.
Der eigentliche Test beginnt mit den ersten Blockpraktika
Für den Medizin-Campus Harzklinikum beginnt die entscheidende Phase mit dem Wintersemester 2026/27. Dann soll aus dem vereinbarten Konzept erstmals reguläre klinische Lehre für Studierende werden. Erst mit diesem Schritt wird sichtbar, wie die Kooperation im Alltag funktioniert.
Für die Region ist das Vorhaben deshalb mehr als ein neues Ausbildungsangebot. Harzklinikum und Universitätsmedizin Halle versuchen, einen Teil der medizinischen Ausbildung dorthin zu verlagern, wo künftig besonders dringend Ärztinnen und Ärzte gebraucht werden. Ob daraus tatsächlich mehr langfristig gebundener Nachwuchs entsteht, bleibt offen. Der erste belastbare Maßstab wird sein, wie der Medizin-Campus im kommenden Wintersemester praktisch umgesetzt wird.


















