Goslar

Plötzlich falscher Stromvertrag an der Tür Vermehrt Beschwerden auch im Harz: Untergeschobene Energieverträge stellen zunehmend Problem dar

Goslar / Harz, 07. Dezember 2025 – Ein kurzer Klingelton, ein freundlich wirkender Besucher an der Tür, ein paar Minuten Gespräch – und plötzlich soll ein neuer Energievertrag abgeschlossen worden sein. Immer häufiger berichten Menschen im Harz von Situationen, in denen ihnen Verträge aufgezwungen oder untergeschoben wurden. Die Unsicherheit wächst, ebenso wie der Ärger über ein System, das mit Tricks und Täuschungen arbeitet.

Die Zahl der Beschwerden nimmt nach Angaben regionaler Versorger spürbar zu. Betroffene fühlen sich verunsichert und oft bedroht, während Verbraucherschützer vor einer Masche warnen, die sich längst überregional etabliert hat.

Wie Betroffene in die Falle gelockt werden

Immer wieder melden Verbraucher aus der Harz-Region, dass plötzlich Kündigungen ihres bisherigen Energieversorgers im Briefkasten liegen – obwohl sie selbst nie einen Wechsel beauftragt haben. Besonders ältere Menschen werden zum Ziel von Haustürvertretern oder Anrufern, die sich als Mitarbeitende örtlicher Unternehmen ausgeben. Ein Fall aus Herzberg zeigt, wie perfide die Methoden sein können: Eine Seniorin erhielt Besuch von einem Mann, der sich als Mitarbeiter von Harz Energie ausgab. Er sprach überzeugend, trug vermeintliche Ausweise bei sich und vermittelte den Eindruck einer routinemäßigen Überprüfung. Trotz anfänglicher Skepsis erhielt sie kurz darauf eine Nachricht, die angeblich nur eine Bestätigung sein sollte – tatsächlich jedoch einen Vertragsabschluss darstellte.

Die Vorgehensweise ähnelt sich in vielen Fällen und folgt einem klaren Muster:

  • Falsche Mitarbeitende geben vor, bestehende Tarife prüfen oder aktualisieren zu müssen.
  • Es werden Daten abgefragt, die eigentlich nur für einen Anbieterwechsel relevant sind – etwa Zählernummer, Marktlokationsnummer, Adresse oder Bankverbindung.
  • Betroffene erhalten eine SMS mit einem Link, der angeblich der Zustimmung zu einem Informationsangebot dient, tatsächlich jedoch einen Energietarif bestätigt.
  • Kurz darauf kündigt der bisherige Anbieter – oftmals der erste Moment, in dem Betroffene bemerken, dass etwas nicht stimmt.
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Harz Energie warnt seit Monaten vor solchen Vorfällen. Das Unternehmen weist darauf hin, dass echte Mitarbeitende sich stets mit einem Personalausweis ausweisen können und keine Vertragsabschlüsse an der Haustür durchführen. Wer Zweifel hat, soll unmittelbar beim Versorger anrufen und den Besuch verifizieren lassen.

Warum die Beschwerden wachsen

Bundesweite Verbraucherzentralen registrieren seit Längerem eine steigende Zahl an Beschwerden über untergeschobene Energieverträge. Das Problem ist komplex und vielschichtig. Die anhaltend hohe Unsicherheit am Energiemarkt spielt dabei eine zentrale Rolle. Steigende Preise und immer neue Tarifangebote sorgen für Verwirrung – ein Umfeld, das unseriöse Vertriebsmethoden begünstigt.

Häufig nutzen aggressive Anbieter digitale Verfahren, die auf den ersten Blick unverfänglich wirken. Die SMS-Bestätigung, ein zentrales Element vieler Fälle, suggeriert Transparenz, führt aber oft in die Irre. Vielen Betroffenen ist nicht bewusst, dass ein einziger Klick einen rechtsverbindlichen Vertrag auslösen kann. Hinzu kommt, dass die Vertragsunterlagen – sofern sie überhaupt verschickt werden – häufig unübersichtlich oder verspätet eintreffen.

Obwohl gesetzliche Vorgaben klar definieren, wie ein Vertragsabschluss aussehen muss, gelingt es unseriösen Firmen aufgrund mangelnder Kontrolle und schwer überprüfbarer Vertriebswege, die Regeln zu umgehen. Die Folge: Verbraucher müssen kämpfen, um ungewollte Verträge rückgängig zu machen oder ihre ursprüngliche Versorgung sicherzustellen.

Was Verbraucher jetzt tun können

Wer den Verdacht hat, dass ein Energievertrag ohne Zustimmung zustande kam, sollte schnell handeln. Denn je früher der Widerspruch erfolgt, desto einfacher lässt sich der Sachverhalt klären. Betroffene sollten folgende Schritte beachten:

  • Sofort Kontakt mit dem bisherigen Anbieter aufnehmen: Erklären Sie, dass kein wirksamer Wechselauftrag vorliegt und Ihre Kündigung nicht gewollt war.
  • Den neuen Anbieter schriftlich auffordern, den Vertragsnachweis vorzulegen: Dazu zählen Zeitpunkt, Form der Zustimmung und die Widerrufsbelehrung.
  • Widerruf prüfen: Bei Haustür- oder Telefonverträgen gilt ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Wurde nicht korrekt belehrt, kann diese Frist erheblich länger sein.
  • Alle Nachweise dokumentieren: Screenshots der SMS, Notizen zu Gesprächen, Kopien von Briefen – alles kann später entscheidend sein.
  • Verbraucherschutz oder Behörden einschalten: Unzulässige Werbeanrufe oder fingierte Vertragsabschlüsse können gemeldet werden.
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Viele Fälle lassen sich durch entschlossenes Handeln rückgängig machen. Dennoch berichten Betroffene häufig von langwierigen Verfahren, da Anbieter zunächst auf Zustimmung bestehen und erst nach Vorlage konkreter Belege einlenken.

Woran sich unseriöse Angebote erkennen lassen

Es gibt klare Warnzeichen, die auf fragwürdige Vertragsangebote hindeuten. Verbraucher sollten besonders aufmerksam sein, wenn:

  • unerwartet Vertreter vor der Tür stehen und behaupten, im Auftrag des lokalen Versorgers zu handeln,
  • am Telefon vertrauliche Daten abgefragt werden, die normalerweise nicht benötigt werden,
  • eine unmittelbare Bestätigung per SMS verlangt wird,
  • Druck aufgebaut wird – etwa durch angeblich zeitlich begrenzte Angebote.

Wer unsicher ist, sollte grundsätzlich keine Daten herausgeben und sich nicht zu schnellen Entscheidungen drängen lassen. Ein Rückruf beim tatsächlichen Versorger schafft oft in wenigen Minuten Klarheit.

Verantwortung auf mehreren Ebenen

Der Umgang mit untergeschobenen Energieverträgen betrifft nicht nur die Verbraucher. Auch Versorger und Behörden stehen in der Pflicht, transparenter zu informieren und gegen unseriöse Vertriebsmethoden vorzugehen. Anbieter müssen sicherstellen, dass Vertragsbestätigungen eindeutig formuliert sind und nicht mit irreführenden SMS oder digitalen Verfahren verschleiert werden.

Die Bundesnetzagentur erhält regelmäßig Meldungen zu unerlaubten Werbeanrufen und prüft, ob Bußgelder verhängt werden müssen. Auch regionale Anbieter wie Harz Energie unterstützen Betroffene bei der Klärung fragwürdiger Vertragsabschlüsse. Der wachsende Druck zeigt Wirkung: Viele Verbraucher möchten wissen, wie sie sich zukünftig schützen können – und fordern mehr Transparenz im Energiemarkt.

Ein Blick nach vorn

Die steigende Zahl der Beschwerden zeigt, wie verletzlich der Energiemarkt gegenüber unseriösen Methoden ist. Nur wenn Verbraucher aufmerksam bleiben und Versorger klare Strukturen schaffen, lässt sich die Entwicklung bremsen. Gleichzeitig ist politischer Druck notwendig, um Schlupflöcher zu schließen und digitale Vertragswege sicherer zu gestalten.

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Der Harz steht dabei exemplarisch für eine bundesweite Tendenz. Immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig es ist, sich bei Haustürgeschäften und Telefonanrufen nicht unter Druck setzen zu lassen. Wachsamkeit, Transparenz und klare Prozesse könnten dazu beitragen, dass untergeschobene Energieverträge künftig seltener vorkommen – und Verbraucher sich wieder auf das verlassen können, was für ihren Alltag entscheidend ist: eine Energieversorgung, die ohne Misstrauen funktioniert.

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.