Aktuelles

Naturschützer wollen ein Stück Wald im Harz NABU plant Waldkauf im Harz – Kritik an Einsatz von Steuermillionen

Stolberg (Sachsen-Anhalt), 20. Dezember 2025 – Der Harz liegt still an diesem Wintermorgen, Raureif überzieht die Äste alter Buchen, Nebel zieht durch die Senken. Was nach unberührter Natur aussieht, ist Gegenstand einer kontroversen Debatte. Im Südharz soll ein großflächiger Waldkauf Realität werden – finanziert überwiegend mit öffentlichen Mitteln. Der NABU steht dafür in der Kritik.

Es ist eines der ambitioniertesten Naturschutzprojekte der vergangenen Jahre in Sachsen-Anhalt: Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe plant den Erwerb von rund 1.007 Hektar Waldfläche südlich von Stolberg. Ziel ist es, den Wald dauerhaft der forstwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen und ihn sich selbst zu überlassen – als sogenannter „Urwald von morgen“. Doch der geplante Waldkauf im Harz entfacht eine kontroverse Diskussion über den Einsatz von Steuergeldern, die Rolle großer Naturschutzverbände und die Prioritäten staatlicher Förderpolitik.

Ein großflächiger Waldkauf mit öffentlicher Unterstützung

Träger des Vorhabens ist die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, eine bundesweit tätige Stiftung, die sich seit Jahren auf den Erwerb ökologisch wertvoller Flächen spezialisiert hat. Der geplante Waldkauf im Harz umfasst nach Angaben der Stiftung insgesamt 1.007 Hektar zusammenhängenden Wald. Der überwiegende Teil dieser Fläche – rund 984 Hektar – soll über ein staatliches Förderprogramm finanziert werden, während ein kleinerer Anteil aus Eigenmitteln und Spenden gedeckt werden soll.

Im Zentrum der Finanzierung steht das KlimaWildnis-Programm, das den Ankauf naturnaher Flächen unterstützt, um sie dauerhaft einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Über dieses Programm können Förderquoten von bis zu 95 Prozent der Kaufkosten erreicht werden. Damit würde der Löwenanteil der Finanzierung aus öffentlichen Haushalten stammen. Genau dieser Punkt sorgt für politische und gesellschaftliche Reibung.

Warum gerade dieser Wald im Harz?

Der Südharz gilt aus naturschutzfachlicher Sicht als besonders wertvoll. Große, zusammenhängende Buchenmischwälder sind in Deutschland selten geworden, da viele Waldflächen intensiv bewirtschaftet werden. Die betroffene Fläche südlich von Stolberg zeichnet sich durch einen hohen Anteil alter Buchenbestände aus und bietet Lebensräume für zahlreiche, teils seltene Tier- und Pflanzenarten.

Kennst du das schon?  Schneesturm im Harz: Wann Schnee, Wind und Frost die Region treffen

Aus Sicht der NABU-Stiftung erfüllt der Wald alle Kriterien für eine langfristige Wildnisentwicklung. Durch den Verzicht auf Holzeinschlag und forstliche Eingriffe sollen natürliche Prozesse wie Totholzbildung, natürliche Verjüngung und eine vielfältige Waldstruktur gefördert werden. Der Waldkauf im Harz wird von den Initiatoren daher als Investition in Biodiversität, Klimaschutz und langfristige ökologische Stabilität verstanden.

Kritik an Umfang und Finanzierung

Kritische Stimmen richten sich weniger gegen den Naturschutzgedanken an sich, sondern gegen den Umfang der öffentlichen Förderung. Der Einsatz von Steuermillionen für den Ankauf von Waldflächen wird hinterfragt, insbesondere vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Haushalte. Kritiker bemängeln, dass Förderprogramme wie KlimaWildnis kaum öffentlich diskutiert würden und Entscheidungen über hohe Fördersummen ohne breite gesellschaftliche Beteiligung getroffen würden.

In der öffentlichen Debatte wird zudem gefragt, ob der dauerhafte Nutzungsverzicht auf großen Waldflächen die richtige Antwort auf aktuelle Herausforderungen sei. Während Befürworter auf den ökologischen Wert ungenutzter Wälder verweisen, argumentieren andere, dass nachhaltige Forstwirtschaft ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könne. Der Waldkauf im Harz wird damit zum Symbol für einen grundsätzlichen Zielkonflikt in der Umweltpolitik.

Förderprogramme im Fokus

Programme wie KlimaWildnis sind Teil einer bundesweiten Strategie zur Stärkung des Natürlichen Klimaschutzes. Sie sollen es ermöglichen, ökologisch hochwertige Flächen langfristig zu sichern. Kritiker sehen jedoch die Gefahr, dass durch hohe Förderquoten Anreize entstehen, großflächige Käufe voranzutreiben, ohne dass Alternativen wie Schutzverträge oder kooperative Bewirtschaftungsmodelle ausreichend geprüft werden.

Die NABU-Stiftung verweist in diesem Zusammenhang auf ihre Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in anderen Bundesländern. Dort habe sich gezeigt, dass nur der vollständige Eigentumserwerb eine dauerhafte Sicherung ermögliche. Zustiftungen und Spenden spielten dabei eine ergänzende Rolle, könnten die hohen Kaufpreise jedoch nicht allein tragen.

Kennst du das schon?  Nordhausen im Harz: Lkw auf B 4 von Eisscholle getroffen – Polizei ermittelt wegen Fahrerflucht

Spannungen innerhalb des Naturschutzes

Der geplante Waldkauf im Harz sorgt nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Naturschutzlandschaft für Diskussionen. Unterschiedliche Organisationen und Fachleute vertreten teils gegensätzliche Auffassungen darüber, wie Naturschutz am effektivsten umgesetzt werden sollte. Während einige auf großflächige Wildnisgebiete setzen, plädieren andere für eine Kombination aus Schutz, Nutzung und regionaler Wertschöpfung.

Auch die Rolle großer Verbände wie des NABU wird kritisch beleuchtet. Sie verfügen über erhebliche organisatorische und politische Reichweite, was ihnen ermöglicht, komplexe Förderstrukturen zu nutzen. Gleichzeitig wächst die Erwartung an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und gesellschaftliche Einbindung bei Projekten dieser Größenordnung.

Politische und gesellschaftliche Resonanz

Auf politischer Ebene wird der Waldkauf im Harz aufmerksam verfolgt. In Kommunen und Landespolitik wird diskutiert, welche Auswirkungen das Projekt auf regionale Entwicklung, Tourismus und Arbeitsplätze haben könnte. Zwar bleibt der Zugang zu den Flächen in der Regel erhalten, doch der Wegfall forstwirtschaftlicher Nutzung verändert wirtschaftliche Strukturen langfristig.

In der öffentlichen Wahrnehmung spiegelt die Debatte eine wachsende Sensibilität für den Umgang mit Natur und öffentlichen Mitteln wider. Der Waldkauf im Harz wird dabei zu einem Prüfstein für das Verhältnis von Naturschutz, staatlicher Förderung und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Natur als politisches Spannungsfeld

Der Konflikt um den geplanten Erwerb der Waldflächen macht deutlich, wie stark Naturschutz inzwischen politisiert ist. Wälder sind nicht mehr nur Landschaften, sondern Projektionsflächen für unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.

Der Waldkauf im Harz steht exemplarisch für diese Entwicklung. Er zeigt, wie schwierig es ist, ökologische Ziele, finanzielle Realitäten und gesellschaftliche Erwartungen in Einklang zu bringen. Die Frage, ob der Einsatz von Steuermillionen gerechtfertigt ist, bleibt dabei ebenso offen wie die nach alternativen Schutzkonzepten.

Kennst du das schon?  Nordhausen im Harz: Lkw auf B 4 von Eisscholle getroffen – Polizei ermittelt wegen Fahrerflucht

Eine Landschaft zwischen Schutz und Streit

Der Südharz ist seit jeher ein Raum des Wandels – geprägt von Bergbau, Forstwirtschaft und Tourismus. Nun rückt er erneut in den Fokus, diesmal als Schauplatz einer grundsätzlichen Debatte über den Wert von Natur. Ob der geplante Waldkauf im Harz tatsächlich umgesetzt wird und welche Signalwirkung er entfaltet, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Sicher ist jedoch schon jetzt: Die Diskussion darüber hat eine Dimension erreicht, die weit über die Grenzen des Harzes hinausweist.

Weiteres aus der Rubrik
Über den Autor

Berichte und Artikel

Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.