
Harz, 29. November 2025. Nebel hängt über den Tannen, ein milchiger Schimmer liegt über den Höhenlagen des Mittelgebirges. Zwischen den dunklen Fichtenkronen wird an diesem Morgen spürbar, wie Naturidylle und politische Realität aufeinanderprallen. Zwei Flächen im Harz gelten nun offiziell als potenziell geeignet für ein Atommüll-Endlager – ein Befund, der die Region in den Mittelpunkt einer Debatte stellt, die Deutschland seit Jahrzehnten beschäftigt.
Zwei Gebiete im Harz bleiben im Rennen
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat nach einer erneuten Bewertung bestätigt, dass zwei Flächen im Harz weiterhin zu den möglichen Standorten für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle zählen. Damit gehört die Region zu jenem Teil Deutschlands, der aus geologischer Sicht nach wie vor als geeignet gilt, um den gefährlichsten Abfall der Atomenergie dauerhaft unter der Erde zu verwahren. Die Entscheidung basiert auf einem mehrstufigen Prüfverfahren, das geologische Stabilität, Schutz vor Grundwasser und langfristige Sicherheit miteinander abgleicht.
Konkret geht es um zwei voneinander unabhängige Gebiete: eine Fläche im Umfeld des Brockens sowie eine Region zwischen Thale und Harzgerode. Beide erfüllen nach aktuellem Datenstand die grundlegenden Kriterien, um im Verfahren zu verbleiben. Der Harz, geprägt von massiven Gesteinsschichten, tektonischer Ruhe und einer vergleichsweise stabilen Erdstruktur, wird damit zu einem der markantesten Suchräume im bundesweiten Verfahren.
Harz Roller News berichtete bereits hier über die Optionen:
Warum der Harz im Fokus steht
Die Standortsuche für ein Endlager ist ein wissenschaftsgetriebener Prozess, der sich ausschließlich an geologischen Kriterien orientieren soll. Die Behörden prüfen unter anderem die Beschaffenheit tiefer liegender Gesteinsformationen, mögliche Wasserzutritte und die Frage, ob der Untergrund über extrem lange Zeiträume stabil bleibt. Der Harz schneidet in mehreren dieser Kategorien positiv ab, was die erneute Bestätigung im Verfahren erklärt.
Deutschland sucht einen Ort, an dem hochradioaktive Abfälle über eine Million Jahre sicher eingeschlossen werden können. Diese zeitliche Dimension zeigt, wie anspruchsvoll der Prozess ist – und warum im Laufe der vergangenen Jahre zahlreiche Regionen ausgeschlossen wurden. Die beiden Flächen im Harz bestehen derzeit alle bisherigen Prüfschritte der ersten Verfahrensphase.
Wo der Prozess jetzt steht
Von den ursprünglich rund 90 untersuchten Teilgebieten sind bundesweit viele bereits ausgeschieden, andere wurden neu bewertet. Die aktuelle Auswahl umfasst noch jene Regionen, die aus geologischer Perspektive weiterhin tragfähig erscheinen. Rund ein Viertel der Landesfläche Deutschlands befindet sich aktuell noch in der engeren Betrachtung.
Die nächsten Schritte im Verfahren sind bereits klar umrissen: Bis Ende 2027 sollen mehrere Standortregionen identifiziert worden sein, die anschließend oberirdisch erkundet werden. Dazu zählen geophysikalische Messungen, seismische Untersuchungen und – falls notwendig – erste Erkundungsbohrungen. Diese Phase soll die wissenschaftliche Grundlage schaffen, um später im Bundestag eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Auch der Harz könnte – abhängig vom weiteren Prüfverlauf – in diese intensivere Untersuchungsphase übergehen.
Was die Auswahl bedeutet
Für die Region ist die Nachricht zweischneidig: Einerseits ist die Aufnahme in die engere Wahl ein Hinweis darauf, dass der Harz geologisch stabil und langfristig tragfähig ist. Andererseits wächst mit jedem bestätigten Schritt die öffentliche Aufmerksamkeit – und mit ihr der Druck auf Kommunen, Verbände und Bevölkerung. Denn ein Endlager verändert nicht nur die Landkarte der Atompolitik, sondern auch die Perspektive auf die eigene Heimat.
Die Standortsuche ist jedoch ausdrücklich ergebnisoffen. Dass ein Gebiet heute als geeignet gilt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass es am Ende ausgewählt wird. Beispiele aus der Vergangenheit – wie die endgültige Aufgabe des früher favorisierten Standorts Gorleben – zeigen, wie dynamisch und gründlich der Prozess ist.
Stimmen und Stimmungen in der Region
Während Behörden betonen, dass Transparenz ein zentrales Element des gesamten Verfahrens ist, wächst in Teilen der Bevölkerung der Wunsch nach frühzeitiger Beteiligung. Die Aussicht, dass der Harz zu einem bundesweit relevanten Standort der Atompolitik werden könnte, sorgt für einen intensiven Diskurs. Viele Menschen blicken mit einer Mischung aus Skepsis, Verantwortung und Vorsicht auf die kommenden Jahre.
Die zuständige Bundesgesellschaft verweist darauf, dass sie gemäß gesetzlichen Vorgaben das bestmögliche Sicherheitsniveau erreichen müsse. Die Region Harz wird, wie alle anderen noch im Verfahren befindlichen Gebiete, nach streng wissenschaftlichen Kriterien bewertet. Entscheidungen werden im Verfahren immer wieder überprüft und erst nach umfassender Prüfung endgültig getroffen.
Ein weiter Weg – für den Harz und für Deutschland
Die Endlagersuche ist eines der bedeutendsten Infrastruktur- und Sicherheitsprojekte Deutschlands. Sie beeinflusst politische Debatten, lokale Entscheidungsprozesse und das Verständnis für Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Der Harz spielt in diesem nationalen Prozess nun eine sichtbare Rolle, auch wenn seine Zukunft als möglicher Standort weiterhin offen ist.
Fest steht: Die Diskussion über ein Atommüll-Endlager ist keine abstrakte Frage, sondern eine Auseinandersetzung mit der technologischen Vergangenheit und ihrer langfristigen Folgen. Der Harz steht dabei stellvertretend für viele Regionen in Deutschland, die geologisch geeignet erscheinen – und nun gemeinsam mit Behörden, Politik und Öffentlichkeit in einen mehrjährigen Dialog treten.
Für die Region beginnt eine Phase, in der Unsicherheit und Transparenz eng nebeneinanderstehen. Die beiden Flächen im Harz bleiben Teil eines komplexen Verfahrens, das wissenschaftliche Tiefe, politische Verantwortung und gesellschaftliche Akzeptanz miteinander vereinen muss. Ob der Harz am Ende tatsächlich als Standort für ein Endlager ausgewählt wird, ist völlig offen – doch klar ist bereits, dass die Debatte über Risiko, Sicherheit und Zukunft die Region langfristig begleiten wird.







