Sachsen-Anhalt

Landesamt berichtet Wie groß ist der aktuelle Wolfsbestand in Sachsen-Anhalt tatsächlich

Sachen-Anhalt, 25. November 2025 – Nebel liegt über den Feldern zwischen Jerichower Land und Altmark. In der Ferne heult ein Tier. Für viele klingt es bedrohlich, für andere ist es ein Zeichen wilder Natur: Der Wolf ist zurück – und er bleibt. Doch das rasante Wachstum seiner Population scheint vorerst gestoppt.

Wachstum mit angezogener Handbremse: Aktuelle Zahlen zum Wolfsbestand

Der Wolfsbestand in Sachsen-Anhalt ist weiter gestiegen – jedoch langsamer als in den Vorjahren. Das Landesamt für Umweltschutz meldet für das aktuelle Monitoringjahr 2024/2025 genau 276 Wölfe im Bundesland. Das sind nur zwölf Tiere mehr als im Jahr zuvor. Im Vergleich zum vorherigen Zuwachs von 58 Individuen fällt der diesjährige Anstieg damit deutlich geringer aus.

Auch bundesweit zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden im aktuellen Monitoringjahr deutschlandweit 276 Wolfs-Territorien gezählt – darunter 219 Rudel, 43 Paare und 14 Einzeltiere. Insgesamt wurden mindestens 1.636 Wolfsindividuen nachgewiesen, darunter 544 erwachsene Tiere, 183 Jährlinge und 769 Welpen.

Stabilisierung nach starkem Wachstum

Die verhaltene Entwicklung des Wolfsbestands wird von Experten als erstes Zeichen der Sättigung gewertet. In vielen Regionen sind die verfügbaren Lebensräume bereits weitgehend besetzt. Die Rückgangstendenz bei Totfunden, die im Vergleich zu den Vorjahren erstmals verzeichnet wurde, untermauert diese Einschätzung.

Weidetierhalter und Politik im Spannungsfeld

Die Rückkehr des Wolfes bleibt jedoch ein politisch wie gesellschaftlich umstrittenes Thema. Vor allem Weidetierhalter fühlen sich durch die wachsende Präsenz der Raubtiere zunehmend unter Druck gesetzt. Laut der Tierschutzorganisation „Wolfsschutz Deutschland e.V.“ wurden in Sachsen-Anhalt bis Ende Oktober 2025 insgesamt 47 Riss-Vorfälle gemeldet – in 39 Fällen wurde der Wolf als Verursacher identifiziert. Dabei kamen 124 Nutztiere ums Leben, mehrheitlich Schafe.

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Besonders brisant: In über 60 Prozent der Fälle habe kein ausreichender Herdenschutz bestanden, so die Kritik der Organisation. „Viele Weidetierhalter nutzen die verfügbaren Förderprogramme nicht oder nur unzureichend“, heißt es. Dabei existieren zahlreiche Hilfen, etwa für die Anschaffung wolfsabweisender Zäune, Untergrabeschutz oder den Einsatz von Herdenschutzhunden. Die Landesregierung stellt über das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) sowohl finanzielle Unterstützung als auch Schulungen bereit.

Wie können Weidetierhalter ihre Tiere schützen?

Häufig suchen betroffene Landwirte nach Lösungen. Dabei wird immer wieder die Frage gestellt, welche konkreten Maßnahmen möglich sind, um Nutztiere effektiv zu schützen. Das Land Sachsen-Anhalt bietet unter anderem:

  • Förderprogramme für stabile, wolfsabweisende Zaunanlagen
  • Notfall-Zaunset für betroffene Regionen
  • Beratung durch das Wolfskompetenzzentrum Iden
  • Einbindung von Herdenschutzhunden

Bei gemeldeten Rissereignissen erfolgen vor Ort Begutachtungen, um Entschädigungen zu klären. Die Behörden fordern Weidetierhalter auf, die Vorgaben zum Herdenschutz ernst zu nehmen – nicht zuletzt, um die gesellschaftliche Akzeptanz des Wolfes langfristig zu sichern.

Viral-Sichtungen und wachsende Aufmerksamkeit in der Bevölkerung

Auch in sozialen Medien gewinnt der Wolf zunehmend an Sichtbarkeit – im wörtlichen wie übertragenen Sinne. So kursierte zuletzt ein Video auf Facebook, das eine Wolfssichtung im Jerichower Land zeigen soll. Das Video wurde über 40.000 Mal aufgerufen und kommentiert. Viele Nutzer diskutierten über den genauen Ort der Sichtung, äußerten Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder und Haustiere oder forderten eine stärkere Regulierung.

Diese viralen Phänomene zeigen deutlich: Die Rückkehr des Wolfes ist nicht nur ein ökologisches, sondern längst auch ein emotionales Thema. Während Naturschützer die Tiere als wichtigen Bestandteil des Ökosystems begrüßen, fühlen sich viele Bürger im ländlichen Raum verunsichert.

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Hohe Kosten: Wie viel kostet ein Wolf eigentlich?

Im Zuge einer parlamentarischen Anfrage ließ sich die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt detailliert die Kosten für das Wolfsmanagement im Jahr 2023 vorlegen. Demnach beliefen sich die Gesamtausgaben auf mehr als 2,1 Millionen Euro. Hochgerechnet ergibt das durchschnittlich 10.460 Euro pro Wolf.

CDU-Politiker Alexander Räuscher kommentierte: „Diese Summe ist aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen.“ Er forderte, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, um überregionale Bestandsregulierungen zu ermöglichen.

Wird der Wolf in Sachsen-Anhalt bald bejagt?

Diese Frage stellen sich inzwischen viele Bürger – und die Antwort ist politisch umstritten. Während Naturschutzorganisationen eine Bejagung kategorisch ablehnen, befürworten mehrere Parteien im Landtag eine Bestandskontrolle. So sprach sich etwa die FDP-Fraktion explizit dafür aus, den Wolf dem Jagdrecht zu unterstellen. Auch in anderen Bundesländern wird über regionale Abschussfreigaben diskutiert – etwa bei verhaltensauffälligen Tieren oder bei wiederholten Rissen trotz Schutzmaßnahmen.

Gesellschaftliche Fragen: Akzeptanz, Sicherheit und Kommunikation

Die öffentliche Debatte kreist längst nicht mehr nur um Zahlen. Vielmehr steht die Frage im Raum: Wie viel Wildnis ist in einer Kulturlandschaft wie Sachsen-Anhalt vertretbar? In zahlreichen Onlineforen und Kommentarspalten tauchen immer wieder dieselben Fragen auf:

„Wie viele Wölfe leben aktuell in Sachsen-Anhalt?“ – Die Antwort ist klar: 276. Doch die eigentliche Frage dahinter lautet: Wie viele Wölfe verträgt eine Region sozial, wirtschaftlich und ökologisch?

Ebenso häufig: „Warum steigt der Wolfsbestand nur noch langsam an?“ – Hier liefern Experten Hinweise auf eine mögliche Territorien-Sättigung, Rückgänge bei Totfunden und eine stärkere Kontrolle von Rissen.

Das zeigt: Die Debatte um den Wolf ist vielschichtig – sie reicht von Herdenschutz über Förderpolitik bis hin zur Identitätsfrage ländlicher Räume.

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Wilde Rückkehr – zwischen Naturschutz und Nutzungsgrenze

Der Wolf bleibt – zumindest vorerst. Seine Rückkehr ist ein Erfolg des Artenschutzes, aber auch eine Herausforderung für das Zusammenleben von Mensch und Wildtier. Die verlangsamte Bestandsentwicklung in Sachsen-Anhalt bietet nun die Chance, innezuhalten: Schutzmaßnahmen zu verbessern, Förderpolitik transparenter zu gestalten und vor allem – gesellschaftlichen Ausgleich zu schaffen.

Ob Sachsen-Anhalt ein Vorbild für andere Bundesländer wird oder zum Brennpunkt einer zunehmenden Polarisierung, hängt davon ab, ob es gelingt, Naturschutz und Landnutzung auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.