
Goslar, 28. November 2025 – Frühnebel liegt über dem Harz, als die Nachricht die Stadt erreicht: Die Bombendrohung, die vor Wochen ein Schulzentrum lahmlegte, ist kein isolierter Fall. Ermittler können sie nun einer Gruppe zuordnen, die bundesweit mit falschen Drohungen Angst und Chaos ausgelöst hat.
Die Ermittlungen gegen ein überregional aktives Täterquartett haben einen wichtigen Durchbruch erzielt. Die Bombendrohung, die Mitte September am Schulzentrum Goldene Aue in Goslar einen Großeinsatz auslöste, lässt sich nun denselben Verdächtigen zuordnen, die für eine ganze Serie ähnlicher Drohschreiben verantwortlich gemacht werden. Behörden sprechen von einem relevanten Schritt nach vorn – und von einem Fall, der deutlich macht, wie weitreichend solche Taten wirken können.
Razzien in mehreren Bundesländern – die Spur führt auch nach Goslar
Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main durchsuchten gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt Wohnungen und Räume in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen. Zusätzlich wurde in Sachsen-Anhalt ein jugendlicher Zeuge vernommen. Die Maßnahmen richteten sich gegen vier Beschuldigte, darunter zwei Minderjährige. Sie sollen hunderte Bombendrohungen verschickt haben, die bundesweit Einsätze ausgelöst und eine erhebliche öffentliche Verunsicherung erzeugt haben.
Nach Erkenntnissen der Ermittler soll die Gruppe in einem geschlossenen virtuellen Raum zusammengearbeitet haben. Dort seien Inhalte geteilt, Drohschreiben vorbereitet und massenhaft versendet worden. Eine politische Motivation schließen die Behörden aus. Entscheidend sei vielmehr die Wirkung: Angst, Verunsicherung und die Bereitschaft, große Teile der öffentlichen Infrastruktur lahmzulegen.
Goslarer Drohung als Teil eines größeren Täterkomplexes
Evakuierung im Schulzentrum Goldene Aue
Die Bombendrohung in Goslar sorgte am 16. September für erhebliche Unruhe. Das Schulzentrum Goldene Aue wurde vollständig evakuiert; rund 1.200 Schülerinnen und Schüler mussten das Gelände verlassen. Die Polizei setzte mehrere Teams, darunter Sprengstoffspürhunde, ein. Trotz intensiver Suche wurde kein gefährlicher Gegenstand gefunden. Erst am Nachmittag gaben die Einsatzkräfte Entwarnung und eröffneten das Gelände wieder.
Hier berichtete Harzer-Roller News über den Vorfall
Neue Einordnung eines zunächst lokal eingeordneten Falls
Zunächst war die Drohung als mutmaßlicher Schülerstreich interpretiert worden. Ein Verdächtiger galt als strafunmündig, weshalb das Verfahren eingestellt wurde. Mit den jetzigen Erkenntnissen erhält der Fall jedoch eine neue Dimension. Ermittlungsbehörden betrachten die Drohung inzwischen als Teil der überregionalen Drohserie – eine Neubewertung, die zeigt, wie komplex digitale Tatstrukturen heute funktionieren.
Die Strategie der Täter: maximale Aufmerksamkeit, minimale Hemmschwelle
Alle bisher bekannt gewordenen Drohungen waren falsch. Dennoch führten sie zu realen Konsequenzen: Evakuierungen, Straßensperrungen, Großaufgebote der Polizei, erhebliche Kosten und nicht zuletzt psychische Belastungen für Betroffene. Der Zweck der Taten lag offenkundig nicht in der Herbeiführung realer Gefahr, sondern im Erzeugen von Unsicherheit und medialer Aufmerksamkeit. Besonders gravierend waren Einsätze in öffentlichen Einrichtungen, darunter der Rundfunk in Magdeburg und ein großes Einkaufszentrum im Ruhrgebiet.
Warnung der Ermittler
Erfahrene Ermittler betonen immer wieder, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei. Auch dort seien Spuren analysierbar, Identitäten zuordenbar und Strukturen nachvollziehbar. Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich: Digitale Räume können zur Bühne für Tätergruppen werden, deren Aktivitäten tief in den realen Alltag eingreifen.
Was dieser Fall für Goslar und darüber hinaus bedeutet
- Für Goslar: Ein zunächst lokaler Vorfall entpuppt sich als Teil einer bundesweiten Bedrohungsserie. Das verändert die Perspektive auf den Einsatz und verdeutlicht, wie gezielt Täter auch kleinere Städte ins Visier nehmen.
- Für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte: Evakuierungen und Drohungen hinterlassen Spuren – selbst wenn keine reale Gefahr besteht. Die emotionale Belastung bleibt oft bestehen.
- Für Sicherheitsbehörden: Der Fall zeigt, wie wichtig digitale Ermittlungsarbeit geworden ist. Virtuelle Täterstrukturen können reale Ressourcen binden und die Einsatzplanung massiv beeinflussen.
Ein Blick auf die wachsende Bedeutung digitaler Spurensuche
Der Ermittlungserfolg wirft ein Schlaglicht auf die neue Realität moderner Strafverfolgung: Kriminalität kennt längst keine geografischen Grenzen mehr. Täter können anonym agieren, verteilt über mehrere Bundesländer, und dennoch Spuren hinterlassen, die Ermittler zu den entscheidenden Knotenpunkten führen. Goslar wird so zum Beispiel eines Falls, der weit über die Stadtgrenze hinausweist und zeigt, wie eng lokale Ereignisse heute mit überregionalen Strukturen verknüpft sind. Die Zuordnung der Drohung zu dem Täterquartett ist ein wichtiger Erfolg – und zugleich ein Hinweis darauf, wie vielschichtig und dynamisch die Sicherheitslage im digitalen Zeitalter geworden ist.







