
Harz, 18. Dezember 2025. Noch sind es Dieselzüge, die sich Tag für Tag durch das Vorland des Harzes bewegen. Doch der Wandel ist beschlossen. In wenigen Jahren sollen batterieelektrische Züge den Regionalverkehr prägen – leiser, sauberer und moderner. Das Harz-Heide-Netz steht damit vor einem der tiefgreifendsten Umbrüche seiner Geschichte.
Der Einstieg in den batterieelektrischen Bahnverkehr ist Teil einer landesweiten Strategie. Niedersachsen will den Dieselbetrieb im Regionalverkehr schrittweise beenden und setzt dabei auf eine Technologie, die als Brücke zwischen heutiger Infrastruktur und langfristiger Elektrifizierung gilt. Für das Harz-Heide-Netz bedeutet das: neue Fahrzeuge, neue Abläufe und ein deutliches Signal für eine klimafreundlichere Mobilität.
Ein struktureller Umbau des Regionalverkehrs
Das Harz-Heide-Netz gehört zu den zentralen Schienenverkehrsachsen im Südosten Niedersachsens. Es verbindet Braunschweig mit dem nördlichen Harz, mit dem Umland von Salzgitter, Gifhorn und Uelzen und erschließt damit sowohl Pendlerströme als auch touristische Ziele. Bislang dominieren auf diesen Strecken Dieseltriebwagen. Ab 2029 soll sich das grundlegend ändern.
Geplant ist der Einsatz von batterieelektrischen Triebzügen, sogenannten Battery Electric Multiple Units. Insgesamt sollen 30 dieser Fahrzeuge speziell im Harz-Heide-Netz eingesetzt werden. Sie sind Teil eines landesweiten Beschaffungsprogramms, das insgesamt 70 Batterie-Züge umfasst. Koordiniert wird das Vorhaben durch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Großraum Braunschweig.
Die Entscheidung für Batterie-Züge ist dabei nicht nur eine technologische, sondern auch eine politische. Das Land verfolgt das Ziel, den Schienenpersonennahverkehr deutlich klimafreundlicher aufzustellen, ohne auf den kosten- und zeitintensiven Vollausbau der Oberleitungen warten zu müssen.
Was das Harz-Heide-Netz ausmacht
Das Harz-Heide-Netz bündelt mehrere Regionalbahnlinien, die sternförmig von Braunschweig ausgehen. Dazu zählen die Verbindungen nach Bad Harzburg und Goslar ebenso wie die Strecken nach Salzgitter-Lebenstedt, Schöppenstedt und Uelzen. Diese Linien bilden das Rückgrat des regionalen Bahnverkehrs zwischen Harzrand und Heide.
- Braunschweig – Bad Harzburg
- Braunschweig – Goslar
- Braunschweig – Salzgitter-Lebenstedt
- Braunschweig – Schöppenstedt
- Braunschweig – Uelzen
Gerade auf diesen Strecken ist eine vollständige Elektrifizierung bislang nicht realisiert. Batterie-Züge gelten deshalb als technisch und wirtschaftlich sinnvoller Zwischenschritt, um dennoch emissionsfrei zu fahren.
Batterie-Züge als Schlüsseltechnologie
So funktioniert der neue Antrieb
Batterieelektrische Züge beziehen ihre Energie aus leistungsfähigen Akkus, die auf dem Fahrzeugdach installiert sind. Diese Batterien werden während der Fahrt unter bestehenden Oberleitungen oder an speziell eingerichteten Ladepunkten aufgeladen. Auf nicht elektrifizierten Abschnitten fährt der Zug dann ausschließlich mit gespeicherter Energie.
Für das Harz-Heide-Netz ist dieses Prinzip entscheidend. Die Züge können vorhandene elektrische Abschnitte nutzen, ohne dass alle Strecken kostenintensiv mit Oberleitungen nachgerüstet werden müssen. Gleichzeitig entfallen Abgase und der typische Lärm von Dieseltriebwagen – ein Vorteil sowohl für Fahrgäste als auch für Anwohner entlang der Strecken.
Komfort, Lärm und Umweltbilanz
Neben der Klimabilanz spielt auch der Fahrkomfort eine Rolle. Batterie-Züge gelten als deutlich leiser und bieten moderne Innenräume, bessere Beschleunigung und ein insgesamt ruhigeres Fahrgefühl. Für Pendler zwischen Braunschweig und dem Harz kann das den täglichen Weg spürbar angenehmer machen.
Aus Sicht der Umweltpolitik sind die Vorteile klar: Der Einsatz von Batterie-Zügen reduziert den direkten CO₂-Ausstoß im Betrieb auf null. Entscheidend ist dabei, dass der benötigte Strom zunehmend aus erneuerbaren Quellen stammt – ein erklärtes Ziel der Landespolitik.
Kosten, Planung und Zeitplan
Ein ambitioniertes Investitionsprojekt
Der Umbau des Harz-Heide-Netzes ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Allein die für diese Region vorgesehenen Batterie-Züge schlagen mit rund 250 Millionen Euro zu Buche. Hinzu kommen Kosten für Ladeinfrastruktur, Werkstattanpassungen und betriebliche Umstellungen.
Finanziert wird das Projekt überwiegend aus Landesmitteln, ergänzt durch Bundesförderungen. Kritische Stimmen verweisen auf steigende Gesamtkosten und offene Fragen zur langfristigen Finanzierung, insbesondere im Zusammenhang mit geplanten Taktverdichtungen auf einzelnen Linien.
Der Fahrplan bis 2029
Der Zeitplan ist eng gesteckt. Nach der europaweiten Ausschreibung der Fahrzeuge folgen Produktion, Testbetrieb und der Aufbau der notwendigen Ladepunkte. Der Regelbetrieb im Harz-Heide-Netz ist für das Jahr 2029 vorgesehen. Langfristig verfolgt Niedersachsen das Ziel, den Dieselbetrieb im Schienenpersonennahverkehr bis spätestens 2037 vollständig zu beenden.
Bis dahin sollen bestehende Dieseltriebwagen schrittweise ausgemustert oder in Übergangslösungen eingesetzt werden, solange sie technisch noch genutzt werden können.
Regionale Wirkung und politische Bedeutung
Für die Region rund um den Harz ist das Projekt mehr als ein technisches Update. Es steht sinnbildlich für den Versuch, auch abseits der großen Metropolräume eine moderne, nachhaltige Verkehrsinfrastruktur zu etablieren. Der Regionalverband Großraum Braunschweig sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs.
Gleichzeitig ist das Harz-Heide-Netz ein Testfeld. Gelingt hier der reibungslose Umstieg auf Batterie-Züge, könnte das Modell auch für andere ländlich geprägte Regionen in Deutschland Vorbildcharakter haben.
Ein stiller Wandel mit großer Wirkung
Wenn in wenigen Jahren die ersten Batterie-Züge durch das Harzvorland fahren, wird der Wandel auf den ersten Blick unspektakulär wirken. Keine spektakulären Neubauten, keine kilometerlangen Oberleitungen. Und doch markiert das Harz-Heide-Netz einen Wendepunkt. Der Regionalverkehr wird leiser, sauberer und zukunftsfähiger – ein leiser Fortschritt, der den Alltag vieler Menschen nachhaltig verändern könnte.







