Oberharz

Ein stiller Ort erwacht Käufer gefunden: Historischer Lost Place HSB-Bahnhof Alexisbad endlich verkauft

Alexisbad, 17. Dezember 2025 – Lange lag das Empfangsgebäude wie vergessen im Selketal, ein verwitterter Zeuge aus einer anderen Zeit. Holz, Stein und Schiefer erzählten von Aufbruch und Ankunft, während der Alltag an ihm vorbeizog. Nun hat sich etwas verändert: Der Bahnhof Alexisbad ist verkauft, und mit dem Eigentümerwechsel kehrt Bewegung an einen Ort zurück, der über Jahre nur vom Echo der Vergangenheit lebte.

Der Bahnhof Alexisbad, eine der geschichtsträchtigsten Stationen im Netz der Harzer Schmalspurbahnen, hat einen neuen Eigentümer. Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) bestätigte am Mittwoch den Abschluss des notariellen Kaufvertrags. Damit endet eine lange Phase des Leerstands und der Ungewissheit um das markante Empfangsgebäude, das zuletzt als klassischer „Lost Place“ galt – sichtbar verfallen, zugleich aber voller historischer Bedeutung.

Ein Bahnhof zwischen Blüte und Bedeutungsverlust

Der Bahnhof Alexisbad wurde im Jahr 1888 eröffnet und entwickelte sich rasch zu einem zentralen Knotenpunkt der Selketalbahn. Hier verzweigen sich die Strecken nach Harzgerode und Hasselfelde, eingebettet in eine Landschaft, die seit jeher vom Bergbau, vom Kurbetrieb und später vom Tourismus geprägt war. Über Jahrzehnte war das Empfangsgebäude Anlaufstelle für Reisende, Ausflügler und Kurgäste – ein Ort der Begegnung, der Bewegung, des Übergangs.

Mit dem Strukturwandel im Harz änderte sich jedoch auch die Rolle des Bahnhofs. Fahrkartenausgabe, Gastronomie und Personal vor Ort verschwanden nach und nach. Die Steuerung des Zugbetriebs wurde zentralisiert, Alexisbad verlor seine Funktion als besetzte Station. Zurück blieb ein Gebäude, das zwar weiterhin Teil des Streckennetzes war, dessen Räume jedoch leer standen und langsam verfielen.

So wurde der HSB-Bahnhof Alexisbad über Jahre hinweg zu einem Sinnbild für den schleichenden Bedeutungsverlust ländlicher Infrastruktur – und gleichzeitig zu einem Objekt stiller Faszination für Eisenbahnfreunde und Fotografen.

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Der Verkauf des Bahnhofs Alexisbad

Die Harzer Schmalspurbahnen hatten das Empfangsgebäude in den vergangenen Jahren mehrfach als Immobilien- und Investitionsobjekt angeboten. Ziel war es, einen Käufer zu finden, der bereit ist, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Dieser Schritt war nicht trivial: Der bauliche Zustand, der Denkmalschutz und die Lage abseits großer Zentren stellten hohe Anforderungen an mögliche Interessenten.

Nun ist der Verkauf des Bahnhofs Alexisbad vollzogen. Ein Sprecher der HSB bestätigte den notariellen Abschluss, ohne Details zum Kaufpreis oder zur Identität des Erwerbers zu nennen. Fest steht: Das Gebäude gehört nicht mehr zum Bestand des Bahnunternehmens. Für die HSB endet damit ein langwieriger Prozess, der von wiederholten Ausschreibungen und vergeblichen Anläufen geprägt war.

Der Eigentümerwechsel markiert einen klaren Schnitt. Aus Sicht der HSB ist der Verkauf Teil einer Strategie, sich stärker auf den Betrieb und die Instandhaltung des Streckennetzes zu konzentrieren, während nicht betriebsnotwendige Immobilien abgegeben werden.

Zwischen Denkmalschutz und neuer Nutzung

Bekannt ist, dass der neue Eigentümer beabsichtigt, Fördermittel für die Sanierung des Gebäudes zu nutzen. Konkrete Pläne zur künftigen Nutzung wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Damit bleibt offen, ob der Bahnhof Alexisbad künftig gastronomisch, touristisch, kulturell oder gewerblich genutzt werden soll.

Sicher ist jedoch: Jede Form der Wiederbelebung muss den Vorgaben des Denkmalschutzes Rechnung tragen. Das Empfangsgebäude ist Teil des historischen Eisenbahnerbes im Harz und prägt das Ortsbild von Alexisbad wesentlich mit. Bereits in der Vergangenheit waren punktuelle Maßnahmen erfolgt, unter anderem die Erneuerung des Dachs, um weiteren Substanzverlust zu verhindern. Eine umfassende Sanierung blieb jedoch aus.

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Der Verkauf schafft nun die Voraussetzung dafür, dass aus einzelnen Sicherungsmaßnahmen ein ganzheitliches Konzept werden kann. Für den Ort und die Region ist dies ein wichtiges Signal.

Der Bahnhof im Kontext der Selketalbahn

Der Bahnhof Alexisbad ist eng mit der Geschichte der Selketalbahn verbunden, die als älteste Schmalspurbahn im Harz gilt. Die Strecke verbindet Gernrode, Harzgerode und Hasselfelde und ist bis heute touristisch von Bedeutung. Gleichzeitig steht sie vor strukturellen Herausforderungen.

In den vergangenen Jahren sorgten insbesondere der bauliche Zustand einzelner Streckenabschnitte und zeitweise Streckensperrungen für Diskussionen. Der Abschnitt zwischen Alexisbad und Harzgerode war davon besonders betroffen. Sanierungspläne und Finanzierungsfragen begleiten die öffentliche Debatte um die Zukunft der Selketalbahn bis heute.

Vor diesem Hintergrund erhält der Verkauf des Bahnhofs Alexisbad zusätzliche Bedeutung. Er zeigt, dass zumindest für das historische Gebäude eine Perspektive gefunden wurde – unabhängig von den infrastrukturellen Herausforderungen des Bahnnetzes.

Ein Signal über den Einzelfall hinaus

Der Eigentümerwechsel am Bahnhof Alexisbad ist mehr als eine gewöhnliche Immobiliennachricht. Er berührt zentrale Fragen der Regionalentwicklung im Harz: Wie lassen sich historische Bauten erhalten, wenn ihre ursprüngliche Funktion entfällt? Welche Rolle spielen private Investoren bei der Bewahrung öffentlicher Geschichte?

Für viele Beobachter steht der Bahnhof exemplarisch für zahlreiche Gebäude entlang ehemaliger Verkehrsadern, die zwischen Denkmalschutz, wirtschaftlicher Realität und touristischem Potenzial stehen. Dass sich nun ein Käufer gefunden hat, wird in der Region als vorsichtiges Hoffnungssignal verstanden.

Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie sich diese Hoffnung konkretisiert. Erst wenn Sanierung und Nutzung sichtbar werden, wird sich zeigen, ob der Verkauf des Bahnhofs Alexisbad tatsächlich zu einer nachhaltigen Belebung führt.

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Ein Ort mit Vergangenheit – und wieder mit Zukunft

Der Bahnhof Alexisbad war über Jahrzehnte ein Ort des Ankommens und Abreisens, später ein stiller Beobachter des Wandels. Mit dem Verkauf endet die Phase des bloßen Wartens. Der neue Eigentümer übernimmt nicht nur ein Gebäude, sondern auch Verantwortung für ein Stück regionaler Identität.

Ob der ehemalige Lost Place zu einem neuen Treffpunkt, einem kulturellen Anker oder einem touristischen Baustein wird, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Der Bahnhof Alexisbad verkauft – und damit beginnt für das historische Empfangsgebäude ein neues Kapitel, dessen erste Seiten nun geschrieben werden.

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.