
Thale (Harz), 27. Mai 2025, 10:00 Uhr
Mit der Uraufführung des Musicals „Walpurga“ am 31. Mai 2025 schlägt das Harzer Bergtheater Thale ein neues Kapitel in der kulturellen Geschichte Sachsen-Anhalts auf. Das aufwendig inszenierte Werk verbindet lokale Mythen, historische Ereignisse und moderne Musicalkunst zu einem Bühnenstück, das nicht nur unterhalten, sondern auch das kulturelle Profil der Region nachhaltig prägen soll. Der Anspruch ist hoch: „Walpurga“ will mehr sein als ein Event – es soll zur neuen Tradition werden.
Ein Ort mit Geschichte wird zur Bühne der Zukunft
Das Harzer Bergtheater Thale, einer der ältesten Naturbühnen Deutschlands, wurde in den letzten Jahren umfassend modernisiert. Nach fünfjähriger Umbauphase empfängt das Theater mit nunmehr 1.903 Sitzplätzen ein Publikum, das neben hochkarätigen Aufführungen auch eine beeindruckende Aussicht auf das Harzvorland genießt. Die Sanierung umfasste technische Modernisierungen, neue Umkleiden sowie barrierefreie Zugänge, ohne dabei den historischen Charme des Ortes zu verlieren. Die Wiedereröffnung erfolgt mit einem Stück, das tief in die regionale Identität eintaucht.
Walpurgisnacht und Hexenglaube als musikalisches Drama
„Walpurga“ basiert auf einer frei interpretierten Geschichte aus der Zeit der Hexenverfolgung vor rund 400 Jahren. Die Handlung ist eingebettet in die mystischen Erzählungen rund um den sagenumwobenen Hexentanzplatz im Bodetal. Im Mittelpunkt steht die titelgebende Figur Walpurga, deren Leben und Wirken von tragischer Liebe, Verfolgung und dem Kampf gegen dunkle Mächte bestimmt ist. Es ist eine Geschichte über Mut, Identität und den ewigen Konflikt zwischen Gut und Böse – und sie ist weit mehr als bloße Fiktion.
„Wir wollten eine Geschichte erzählen, die berührt, inspiriert und zugleich die Legenden des Harzes neu erlebbar macht.“ – Regisseur Ronny Große
Ein künstlerisches Großprojekt mit Herz und Heimat
Inszeniert wird das Musical von Ronny Große, die musikalische Leitung übernimmt Oliver Vogt, während Enrico Scheffler für die Choreografie verantwortlich zeichnet. Besonders hervorgehoben wird die Mitwirkung von Angelika Milster, die in der Rolle der Oberhexe Roma Annerose Malifix dem Stück zusätzliche Strahlkraft verleiht. Unterstützt wird sie von einem Ensemble aus rund 50 professionellen und semiprofessionellen Darstellerinnen und Darstellern.
Die Produktion steht beispielhaft für eine enge Verzahnung von lokalem Engagement und professioneller Umsetzung. Viele Darsteller stammen aus der Region, was dem Projekt eine starke Verwurzelung in der lokalen Kulturszene verleiht.
Mythos trifft Moderne: Dramaturgie zwischen Historie und Fantasie
„Walpurga“ gliedert sich in zwei Akte und spielt mit der Dualität von Realität und Mystik. Historische Recherchen flossen in die Entwicklung des Skripts ebenso ein wie kreative Freiheiten. Der Stoff selbst ist inspiriert von dokumentierten Hexenprozessen in der Region, darunter die Verfolgung sogenannter „Weiber im Banne des Teufels“. Diese wurden häufig willkürlich der Hexerei bezichtigt, gefoltert und verbrannt.
Im Musical werden diese Themen dramaturgisch aufbereitet. Dabei gelingt der Spagat zwischen gesellschaftlicher Relevanz und ästhetischer Leichtigkeit. Kraftvolle Balladen wechseln sich ab mit rituellen Chorgesängen, dramatischen Dialogen und choreografierten Tanzszenen. Besonders die Walpurgisnacht wird in einer aufwändigen Szene mit Lichteffekten und mystischer Musik inszeniert.
Der Spielplan 2025 im Überblick
| Datum | Uhrzeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| 31. Mai 2025 | 20:00 Uhr | Uraufführung |
| 07. Juni 2025 | 20:00 Uhr | Open Air Special |
| 21. Juni 2025 | 20:00 Uhr | Sommernacht mit Publikumsgespräch |
| weitere Termine | Juli – August | Gesamt 16 Aufführungen |
Ein Musical als Impulsgeber für die Region
Mit „Walpurga“ wird bewusst auf das Potenzial kultureller Leuchtturmprojekte gesetzt. Der Harz, seit jeher eng mit Mythen, Sagen und Naturromantik verbunden, nutzt das Musical, um eine neue Form des Kulturtourismus zu etablieren. Die Veranstalter hoffen auf jährlich wiederkehrende Aufführungen, die zu einem festen Bestandteil des Harzer Veranstaltungskalenders werden.
Dieser kulturelle Impuls soll auch wirtschaftliche Synergien freisetzen. Hotels, Gastronomiebetriebe und lokale Dienstleister profitieren von den erwarteten Besucherströmen. Schätzungen gehen davon aus, dass jede Vorstellung im Schnitt rund 1.500 Gäste anzieht – mit entsprechendem Umsatzpotenzial.
Tourismus und Wirtschaftsfaktor
- Erwartete Besucher pro Vorstellung: ca. 1.500
- Gesamte Besucherzahl bei 16 Terminen: über 24.000
- Umsatzsteigerung in der Hotellerie: +15 % zur Saison 2024
- Beschäftigung von über 100 Personen durch Produktion & Technik
Kritische Stimmen und Herausforderungen
Obwohl „Walpurga“ auf viel Begeisterung stößt, gibt es auch kritische Stimmen. Einige Kulturkommentatoren mahnen, dass die Aufarbeitung der Hexenverfolgung in einem Musicalkontext möglicherweise zu oberflächlich bleiben könnte. Es bestehe die Gefahr der Trivialisierung historischer Gewaltverbrechen.
Die Macher entgegnen dem mit einem klaren dramaturgischen Konzept, das Aufklärung und Unterhaltung vereint. Zudem wurden Historiker in den Entstehungsprozess eingebunden, um eine möglichst respektvolle und korrekte Darstellung zu gewährleisten.
Ausblick: Etablierung als kulturelle Marke
Das langfristige Ziel hinter „Walpurga“ ist die Etablierung einer neuen kulturellen Marke im Harz. Analog zu etablierten Festspielen in anderen Regionen (z. B. Bad Hersfeld, Salzburg oder Wunsiedel) könnte Thale als Standort für musikalische Mythenaufführungen im deutschsprachigen Raum profiliert werden. Eine Ausweitung auf Schulaufführungen, Kooperationen mit Tourismusverbänden und Merchandising-Angebote ist bereits in Planung.
Die Premiere am 31. Mai 2025 wird somit nicht nur als Einzelereignis verstanden, sondern als Startpunkt einer jährlichen Reihe, die Kunst, Geschichte und Regionalstolz miteinander verbindet.
Fazit: Eine Bühne für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Mit „Walpurga“ betritt ein ambitioniertes Bühnenprojekt die Szene, das sowohl ästhetisch als auch inhaltlich hohe Ansprüche erfüllt. Die Kombination aus historischer Tiefe, regionalem Bezug und künstlerischer Qualität macht das Musical zu einem der spannendsten Kulturereignisse des Jahres 2025. Wenn es gelingt, das Konzept langfristig zu etablieren, könnte Thale sich als feste Größe im deutschen Festspielkalender behaupten – mit einer Inszenierung, die nicht nur unterhält, sondern auch berührt und zum Nachdenken anregt.







