
Bad Harzburg, 31. Mai 2025, 09:00 Uhr
Der Märchenwald im Kalten Tal von Bad Harzburg steht vor einem grundlegenden Wandel. Ein neuer Investor hat das traditionsreiche Ausflugsziel übernommen und plant eine umfangreiche Modernisierung, die sowohl die Attraktivität für Besucher steigern als auch wirtschaftlich neue Impulse für die Region setzen soll. Die Pläne sorgen bereits jetzt für Gesprächsstoff – zwischen Hoffnung auf Aufbruch und Sorge um den Erhalt des nostalgischen Charmes.
Ein Park mit Geschichte – und Renovierungsbedarf
Seit Jahrzehnten zieht der Märchenwald in Bad Harzburg Familien, Schulklassen und Urlauber an. Die in liebevoll gestalteten Szenen dargestellten Märchenfiguren und die naturnahe Lage machten ihn zu einem beliebten Ziel für Jung und Alt. Doch in den letzten Jahren litt das Image des Parks zunehmend.
Auf Bewertungsplattformen äußerten sich viele Besucher enttäuscht über den Zustand der Anlage. Kommentare wie „lieblos gestaltet“, „kaum gepflegt“ oder „in die Jahre gekommen“ häuften sich. Kritisiert wurden unter anderem defekte Technik bei den sprechenden Figuren, fehlende interaktive Elemente und ein insgesamt nicht mehr zeitgemäßes Konzept. Für viele war der Eintrittspreis angesichts des gebotenen Angebots nicht gerechtfertigt.
Neue Vision: Modernisierung mit Augenmaß
Mit dem Eigentümerwechsel eröffnet sich nun ein neues Kapitel. Der Investor Heiko Rataj hat den Märchenwald übernommen und verfolgt eine klare Vision: Der Park soll modernisiert, technisch aufgerüstet und inhaltlich erweitert werden – ohne jedoch seine märchenhafte Grundidee vollständig aufzugeben.
Geplant ist unter anderem die Errichtung neuer Fahrgeschäfte. Im Raum steht die Installation einer Mini-Achterbahn mit dem Arbeitstitel „Märchenflitzer“. Damit möchte man vor allem ältere Kinder und Jugendliche ansprechen, die sich vom bisherigen Angebot wenig angesprochen fühlten. Ergänzt werden sollen die Neuerungen durch eine Verbesserung des gastronomischen Angebots sowie durch die Schaffung zusätzlicher Erlebnisflächen.
Die wichtigsten Eckpunkte der geplanten Neuausrichtung:
- Installation neuer, familienfreundlicher Fahrgeschäfte
- Komplette Sanierung und Umgestaltung alter Märchenstationen
- Aufbau moderner Licht- und Tontechnik für multimediale Effekte
- Neuausrichtung der Besucherführung im Park
- Erweiterung des gastronomischen Angebots mit Fokus auf regionale Küche
Strategische Lage mit Potenzial
Ein wesentlicher Vorteil des Märchenwalds ist seine unmittelbare Nachbarschaft zum Baumwipfelpfad Harz. Dieser zählt mit jährlich rund 200.000 Besuchern zu den touristischen Highlights der Region. Die Kombination beider Angebote könnte für Bad Harzburg neue Besuchergruppen erschließen. Denkbar wären etwa Kombi-Tickets, gemeinsame Werbeaktionen oder ein abgestimmtes Veranstaltungskonzept.
Der Investor sieht hierin eine große Chance: „Die Lage ist hervorragend – wir wollen hier einen Freizeitbereich schaffen, der überregional wahrgenommen wird, aber trotzdem in die natürliche Umgebung eingebettet bleibt“, so Rataj.
Zwischen Euphorie und Skepsis: Die öffentliche Debatte
Die Pläne für die Umgestaltung lösen in der Bevölkerung unterschiedliche Reaktionen aus. In sozialen Netzwerken und regionalen Foren begrüßen viele Nutzer das Vorhaben. Häufig geäußerte Meinungen lauten:
„Endlich passiert was! Der Märchenwald war zuletzt nur noch traurig anzusehen.“
„Ich freue mich auf neue Attraktionen, das wird dem Tourismus gut tun.“
Andere Stimmen zeigen sich dagegen kritischer. Besonders ältere Besucher und Familien, die den Märchenwald mit Kindheitserinnerungen verbinden, äußern die Sorge, der Park könne seinen Charme verlieren:
„Es darf kein zweiter Rummelplatz werden – der Zauber der alten Märchen darf nicht verloren gehen.“
„Nicht jede Modernisierung ist ein Fortschritt. Bitte kein Plastik und grelle Farben im Wald!“
Stadtplanungsausschuss entscheidet mit
Die Stadt Bad Harzburg verfolgt das Vorhaben mit großem Interesse, aber auch mit Sorgfalt. Noch müssen die Pläne im Stadtplanungsausschuss geprüft und genehmigt werden. Dabei soll unter anderem geklärt werden, inwiefern sich die baulichen Veränderungen mit den geltenden Umweltvorgaben, dem Landschaftsschutz und dem Erhalt des Waldcharakters vereinbaren lassen.
Ein zentrales Kriterium wird sein, ob die geplanten Fahrgeschäfte lärmschonend integriert werden können. Außerdem steht zur Debatte, ob zusätzliche Parkplätze und Verkehrsanbindungen erforderlich sind, um einem potenziellen Besucheranstieg gerecht zu werden.
Wirtschaftliche Impulse für die Region
Die Neuausrichtung des Märchenwalds könnte auch für die regionale Wirtschaft ein bedeutender Impuls sein. Bad Harzburg lebt in weiten Teilen vom Tourismus. Mit über neun Millionen Besuchern in der Harzregion jährlich gehört die Stadt zu den wichtigen Kur- und Freizeitorten in Niedersachsen.
Die Hoffnung ist groß, dass ein modernisierter Park nicht nur Tagesgäste bindet, sondern auch Übernachtungen steigert. Lokale Hoteliers, Gaststätten und Einzelhändler erhoffen sich eine spürbare Belebung. Auch neue Arbeitsplätze könnten durch den Ausbau geschaffen werden – sowohl im Betrieb als auch in den begleitenden Dienstleistungen.
Internationale Vergleiche: Märchenparks im Wandel
Ein Blick auf andere europäische Märchenparks zeigt, dass sich die Kombination aus Nostalgie und Innovation durchaus erfolgreich gestalten lässt. Der „Märchenpark Neusiedlersee“ in Österreich etwa verbindet klassische Märchenszenen mit moderner Technik, bewegten Figuren und thematisch abgestimmten Fahrgeschäften. Besucherzahlen und Bewertungen zeigen, dass eine solche Symbiose funktionieren kann – wenn sie mit Fingerspitzengefühl umgesetzt wird.
Auch in Skandinavien, wo Märchenwelten fest zur Kultur gehören, setzen moderne Parks zunehmend auf interaktive Inszenierungen, digitale Begleit-Apps und immersive Erlebnisse. Dabei bleiben die ursprünglichen Geschichten erhalten, werden aber durch neue Präsentationsformen erlebbar gemacht.
Fazit: Märchenwald zwischen Tradition und Zukunft
Der Märchenwald in Bad Harzburg steht an einem Scheideweg. Die geplante Neuausrichtung könnte die Einrichtung aus dem Dornröschenschlaf holen und wieder zu einem Leuchtturmprojekt für Familienfreizeit in Niedersachsen machen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein kluger und sensibler Umgang mit der vorhandenen Substanz.
Der Investor scheint bereit, nicht nur Geld, sondern auch Konzeptionsarbeit zu investieren. Entscheidend wird nun sein, wie die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger diesen Prozess begleiten – kritisch, konstruktiv und mit dem Blick auf ein gemeinsames Ziel: Ein moderner Märchenwald, der sowohl Kinderaugen leuchten lässt als auch nostalgische Erinnerungen bewahrt.
Die Entscheidung im Stadtplanungsausschuss wird mit Spannung erwartet. Bis dahin bleibt Zeit für Debatten – und die Hoffnung, dass aus dem alten Märchenwald ein neues Kapitel wird.







