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Vier Wochen Vollsperrung in Wernigerode – Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Wernigerode, 23. Mai 2025, 10:00 Uhr

Die Stadt Wernigerode erlebt aktuell eine weitreichende Verkehrseinschränkung, die den Alltag zahlreicher Bürgerinnen und Bürger maßgeblich beeinflusst. Grund dafür ist eine vierwöchige Vollsperrung der Johann-Sebastian-Bach-Straße, die im Zuge umfangreicher Bauarbeiten zur Modernisierung der Fernwärme-Infrastruktur notwendig geworden ist. Autofahrer, Anwohner und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs sind gleichermaßen betroffen und müssen sich auf Einschränkungen und Umwege einstellen.

Modernisierung der Fernwärme als zentrale Maßnahme

Die Stadtwerke Wernigerode haben im Rahmen ihrer Klimastrategie ein groß angelegtes Infrastrukturprojekt gestartet, das den Ausbau und die Modernisierung des städtischen Fernwärmenetzes umfasst. Ziel ist es, eine effizientere, CO₂-reduzierte und zukunftsfähige Energieversorgung aufzubauen, die dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) folgt. Dabei wird sowohl Wärme als auch Strom in einem Prozess erzeugt – ein Verfahren, das im Vergleich zu herkömmlicher Wärmebereitstellung deutlich umweltschonender ist.

Insbesondere die Johann-Sebastian-Bach-Straße steht im Fokus der Arbeiten. Hier werden neue Leitungen verlegt, die künftig eine zuverlässige Wärmeversorgung auch in den angrenzenden Stadtgebieten garantieren sollen. Die Sperrung begann am 17. März 2025 und wird voraussichtlich bis zum 11. Juli 2025 andauern – also insgesamt fast vier Monate.

Betroffene Straßenzüge und Verkehrsführung

Während der Bauzeit ist die Johann-Sebastian-Bach-Straße vollständig für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Dies betrifft nicht nur den Durchgangsverkehr, sondern auch Anwohner und Lieferverkehre. Um den Verkehrsfluss dennoch aufrechtzuerhalten, wurden großräumige Umleitungen eingerichtet:

  • Über die Bundesstraße B244 nach Schmatzfeld
  • Weiter über Langeln zur Kreisstraße K1330
  • Dann über Heudeber und die Landesstraße L86 nach Reddeber

Die Umleitungen sind ausgeschildert und sollen die innerstädtischen Bereiche entlasten. Dennoch müssen Autofahrer mit längeren Fahrzeiten und möglicher Staugefahr rechnen – insbesondere zu Berufsverkehrszeiten.

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Zusätzliche Straßensperrungen verschärfen die Lage

Parallel zur Hauptsperrung kommt es in der Umgebung zu weiteren Baumaßnahmen, die ebenfalls Verkehrsbeeinträchtigungen mit sich bringen. So ist etwa die Kanzleistraße zwischen dem Kreisverkehr Johann-Sebastian-Bach-Straße und dem Teichdamm vom 26. Mai bis zum 20. Juni 2025 vollständig gesperrt. Zudem bleibt die Wernigeröder Straße in Ilsenburg vom 5. Mai bis zum 6. Juni 2025 unpassierbar. Diese zeitlichen Überschneidungen erhöhen den Druck auf das lokale Verkehrsnetz.

Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr

Auch der Busverkehr ist von der Sperrung betroffen. Die Harzer Verkehrsbetriebe haben auf die geänderte Verkehrslage reagiert und Anpassungen im Linienverlauf vorgenommen:

  • Die Linien 260, 261, 264 und 265 werden über die Forckestraße zur Haltestelle „Westerntor“ geführt.
  • Die Haltestelle „Westernstraße“ entfällt ersatzlos. Als nächstgelegener Umstiegspunkt dient die Haltestelle „Westerntor“.
  • Die Linie 202 fährt ab der Haltestelle „Salzbergstraße“ ebenfalls direkt zur Haltestelle „Westerntor“.

Fahrgästen wird geraten, sich frühzeitig über die Fahrpläne zu informieren und mehr Zeit für den Arbeits- oder Schulweg einzuplanen. Für Schüler und Berufspendler bedeutet dies vorübergehend einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand.

Fernwärme als Beitrag zur Wärmewende

Die Sperrung steht im Zeichen einer nachhaltigen Entwicklung. Der Ausbau der Fernwärme-Infrastruktur ist Teil des „Transformationsplans zur klimaneutralen Energieversorgung“, der im ersten Quartal 2025 finalisiert wurde. Die Stadtwerke Wernigerode wollen damit ihren Beitrag zur bundesweiten Wärmewende leisten. Ziel ist es, fossile Energieträger Schritt für Schritt abzulösen und stattdessen auf effiziente KWK-Anlagen zu setzen.

Mit dem aktuellen Bauabschnitt sollen weitere Haushalte in den Genuss einer zentralen, emissionsärmeren Wärmeversorgung kommen. Laut Stadtwerken rechnet man mittelfristig mit einer CO₂-Einsparung im fünfstelligen Tonnenbereich pro Jahr. Das verbessert nicht nur die Klimabilanz der Stadt, sondern soll auch die langfristige Versorgungssicherheit erhöhen.

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Technische Details zum Netzausbau

Das neue Leitungssystem umfasst:

  • Erweiterung des bestehenden Hauptstrangs in der Innenstadt
  • Verlegung von über 3,2 Kilometern neuen Wärmeleitungen
  • Modernisierung von Übergabestationen in Wohngebäuden

Die Arbeiten erfolgen in mehreren Bauabschnitten, um den Druck auf Anwohner und Verkehrsteilnehmer möglichst gering zu halten. Trotz aller Bemühungen sind Einschränkungen jedoch unvermeidbar.

Reaktionen aus der Bevölkerung

Die Meinungen zur Maßnahme fallen gemischt aus. Während viele Bürger die langfristigen Vorteile erkennen, herrscht Unmut über die kurzzeitigen Belastungen. In sozialen Netzwerken äußerten sich einige Anwohner kritisch zur Informationspolitik der Stadt, andere lobten die zügige Einrichtung von Umleitungen und die Kommunikation der Stadtwerke.

„Wir verstehen, dass das Projekt wichtig ist. Aber die gleichzeitige Sperrung anderer Straßen ist schwer nachvollziehbar. Es wäre besser gewesen, die Maßnahmen zeitlich zu staffeln.“ – Anwohnerin aus dem Stadtteil Burgbreite

Die Stadt hat unterdessen angekündigt, den Baufortschritt regelmäßig zu aktualisieren und zusätzliche Informationsangebote über die Website der Stadtwerke sowie über Aushänge an betroffenen Bushaltestellen bereitzustellen.

Tipps für Autofahrer und Pendler

Um den Alltag während der Sperrung bestmöglich zu bewältigen, helfen folgende Empfehlungen:

  • Nutzen Sie – sofern möglich – alternative Verkehrsmittel wie Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel.
  • Planen Sie mehr Zeit für Ihre tägliche Route ein.
  • Vermeiden Sie Stoßzeiten, um zusätzlichen Stress zu vermeiden.
  • Informieren Sie sich regelmäßig über Baustellenmeldungen der Stadt.

Langfristiger Nutzen trotz kurzfristiger Belastung

So belastend die aktuelle Situation für viele Verkehrsteilnehmer und Anwohner auch ist – die Maßnahmen dienen einem übergeordneten Ziel: Wernigerode klimafit zu machen. Der Ausbau der Fernwärme ist ein zentraler Bestandteil der kommunalen Klimaschutzstrategie und wird die Stadt zukunftsfähig aufstellen. In einer Zeit, in der Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Emissionsminderung oberste Priorität genießen, ist diese Investition ein klares Zeichen.

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Die Stadtwerke haben angekündigt, in den kommenden Jahren weitere Stadtteile in das Fernwärmenetz zu integrieren. Die aktuelle Bauphase ist damit ein Meilenstein, aber keineswegs das Ende der Entwicklung.

Fazit: Planung zahlt sich aus

Die vierwöchige Vollsperrung der Johann-Sebastian-Bach-Straße ist zwar mit Unannehmlichkeiten verbunden, stellt jedoch einen bedeutenden Schritt in Richtung nachhaltiger Stadtentwicklung dar. Durch die frühzeitige Kommunikation, die gezielte Umleitung und die umfassenden Baumaßnahmen wird nicht nur die Energieinfrastruktur Wernigerodes gestärkt – auch die Lebensqualität der Bürger kann langfristig profitieren.

Wer sich rechtzeitig informiert und seine Wege gut plant, kann die Herausforderung meistern – und Teil einer klimafreundlichen Zukunft in der Harzregion sein.

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Über den Autor

Berichte und Artikel

Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.