
Harz, 21. Dezember 2025 – Morgens liegt der Harz ruhig da, doch an vielen Mauern erzählen frische Farbschichten eine andere Geschichte. Unterführungen, Stromkästen und Fassaden tragen Spuren nächtlicher Aktionen, die selten als Kunst gemeint sind. Illegale Graffiti haben sich in zahlreichen Orten der Region zu einem sichtbaren, wiederkehrenden Problem entwickelt.
Illegale Graffiti im Harz sind längst kein Randphänomen mehr. Was zunächst wie vereinzelte Schmierereien wirkte, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem strukturellen Ärgernis entwickelt. Kommunen sehen sich mit steigenden Reinigungskosten konfrontiert, Eigentümer fühlen sich machtlos, Polizei und Ordnungsbehörden investieren immer mehr Zeit in Ermittlungen. Die Diskussion um Graffitisprayer im Harz berührt dabei Fragen von Sicherheit, Verantwortung, Jugendkultur und öffentlichem Raum.
Graffiti im Harz: Ein Problem, das sichtbar wächst
Ob in kleineren Ortsteilen oder touristisch stark frequentierten Städten: Illegale Graffiti prägen zunehmend das Bild vieler Harz-Kommunen. Besonders betroffen sind Unterführungen, Brückenbauwerke, Bahnareale, Verkehrsschilder und Verteilerkästen. Die Motive reichen von einfachen Schriftzügen bis zu großflächigen Symbolen, deren Bedeutung für Außenstehende oft unklar bleibt.
In Astfeld etwa registrierte die Polizei mehrere Schmierereien entlang eines Grundstücksweges. Die verwendeten Farben – Rot, Grün und Blau – stachen deutlich hervor, der Schaden blieb nicht nur optischer Natur. In Bad Sachsa sorgten gesprühte Symbole im Sommer 2025 für Aufsehen und Verunsicherung in der Nachbarschaft. Auch Wernigerode meldet seit Jahren regelmäßig neue Fälle von Graffiti und Aufklebern an öffentlicher Infrastruktur.
Gemeinsam ist all diesen Vorfällen, dass sie unerlaubt erfolgen und damit den Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllen. Für die Betroffenen ist dies nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern des Eigentumsschutzes und der öffentlichen Ordnung.
Typische Schauplätze illegaler Graffiti
- Unterführungen und Tunnel im Stadtgebiet
- Stromkästen, Verteiler- und Schaltanlagen
- Verkehrsschilder, Brücken und Lärmschutzwände
- Private Mauern und Fassaden
Polizeiarbeit zwischen Aufklärung und Prävention
Die Polizei im Harz reagiert seit Jahren mit gezielten Ermittlungen auf das wachsende Problem der Graffitisprayer. In Einzelfällen gelingt es, Täter auf frischer Tat zu stellen oder nachträglich zu identifizieren. Ein solcher Fall ereignete sich im November 2025 in Wernigerode, als zwei Jugendliche in einem Tunnel beim Besprühen einer Wandfläche entdeckt wurden. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet.
Bereits im September 2025 konnten in Bad Harzburg zwei junge Männer als mutmaßliche Graffitisprayer identifiziert werden. Insgesamt 27 Sachbeschädigungen im Stadtgebiet wurden ihnen zugeordnet. Nach Abschluss der Ermittlungen war die Zahl der neuen Schmierereien dort zunächst rückläufig – ein Effekt, der zeigt, dass konsequentes Vorgehen punktuell Wirkung entfalten kann.
Gleichzeitig bleibt die Aufklärungsquote begrenzt. Viele Taten geschehen nachts, Zeugen fehlen, Beweise sind schwer zu sichern. Für die Polizei bedeutet dies einen hohen Ermittlungsaufwand bei vergleichsweise geringen Erfolgsaussichten.
Ermittlungen im Überblick
- Wernigerode: wiederholte Graffiti-Fälle, einzelne Täter identifiziert
- Bad Harzburg: 27 aufgeklärte Sachbeschädigungen durch Graffiti
- Astfeld und Bad Sachsa: Ermittlungen laufen, Zeugen gesucht
Belastung für Kommunen und Eigentümer
Illegale Graffiti im Harz verursachen nicht nur Ärger, sondern messbare Kosten. Städte und Gemeinden müssen regelmäßig Bauhöfe und Reinigungsfirmen einsetzen, um beschmierte Flächen zu säubern oder zu erneuern. Je nach Untergrund und Farbe kann eine Entfernung aufwendig und teuer sein.
In einigen Kommunen werden die Kosten dokumentiert und – sofern Täter ermittelt werden – weitergegeben. Doch häufig bleibt der Schaden bei der Allgemeinheit hängen. Besonders problematisch sind wiederholte Schmierereien an denselben Stellen, die zu einer dauerhaften finanziellen Belastung führen.
Private Eigentümer stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Wer seine Fassade reinigen lässt, trägt die Kosten zunächst selbst und muss hoffen, dass Versicherungen oder spätere Schadensersatzansprüche greifen. Viele empfinden dies als ungerecht, zumal sie keinen Einfluss auf die Taten haben.
Konkrete Folgen illegaler Graffiti
- Wiederkehrende Reinigungskosten für Kommunen
- Hoher Personaleinsatz in Bauhöfen
- Wertminderung privater Immobilien
- Verunsicherung von Anwohnern und Besuchern
Zwischen Ablehnung und Verständnis: Die öffentliche Debatte
Graffitisprayer im Harz stoßen auf ein geteiltes Echo. Während ein Großteil der Bevölkerung illegale Graffiti klar als Vandalismus ablehnt, verweisen andere auf jugendkulturelle Hintergründe und den Wunsch nach Ausdruck im öffentlichen Raum. Diese Spannung prägt die Diskussion in vielen Kommunen.
In sozialen Netzwerken und Bürgersprechstunden werden Forderungen nach stärkerer Überwachung laut – etwa durch bessere Beleuchtung oder Kameras an bekannten Brennpunkten. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die auf präventive Ansätze setzen: legale Flächen, Workshops oder Beteiligungsprojekte für Jugendliche.
Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist ein Streetart-Projekt in Osterode am Harz, bei dem Jugendliche gemeinsam mit der Stadtjugendpflege eine Wand legal gestalteten. Ziel war es, illegale Graffiti zu reduzieren und kreative Energie in geordnete Bahnen zu lenken. Ob solche Projekte langfristig wirken, bleibt eine offene Frage, doch sie zeigen den Versuch, das Problem differenziert anzugehen.
Rechtliche Einordnung und Grenzen der Toleranz
Rechtlich ist die Lage eindeutig: Illegale Graffiti gelten als Sachbeschädigung. Unabhängig von Motiv oder Ausführung drohen Geldstrafen, in schweren Fällen auch weitergehende Konsequenzen. Gerade bei wiederholten Taten oder hohen Schäden kann dies erhebliche finanzielle Belastungen für die Täter nach sich ziehen.
Die klare Rechtslage steht jedoch im Kontrast zu einer gesellschaftlichen Debatte, die zwischen Kunst und Vandalismus unterscheidet. Während legal genehmigte Streetart als Aufwertung wahrgenommen werden kann, überschreiten unerlaubte Graffiti diese Grenze. Für die Kommunen im Harz bedeutet dies, konsequent zu handeln, ohne pauschal kreative Ausdrucksformen zu diskreditieren.
Herausforderung für eine touristische Region
Der Harz lebt nicht zuletzt vom Tourismus. Saubere Stadtbilder, gepflegte historische Bausubstanz und eine intakte Umgebung sind zentrale Standortfaktoren. Illegale Graffiti stehen diesem Anspruch entgegen und können das Image einzelner Orte beeinträchtigen.
Gerade in Bereichen mit hohem Besucheraufkommen – etwa Bahnhöfen, Parkhäusern oder Zugangswegen zu Sehenswürdigkeiten – wirken Schmierereien besonders störend. Kommunen stehen hier unter zusätzlichem Druck, schnell zu reagieren, um negative Eindrücke zu vermeiden.
Zwischen Kontrolle und Prävention
Die Auseinandersetzung mit Graffitisprayern im Harz bewegt sich zwischen zwei Polen: konsequenter Strafverfolgung und präventiven Angeboten. Polizeiliche Präsenz, schnelle Entfernung von Graffiti und Ermittlungen sind dabei ebenso Teil der Strategie wie jugendpädagogische Projekte und Dialogangebote.
Viele Verantwortliche betonen, dass nur ein Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen Aussicht auf Erfolg hat. Reine Repression stößt ebenso an Grenzen wie ausschließlich präventive Ansätze. Entscheidend ist, dass Kommunen, Polizei und Zivilgesellschaft gemeinsam handeln.
Ein Thema, das bleibt
Illegale Graffiti sind im Harz mehr als ein ästhetisches Ärgernis. Sie berühren Fragen von öffentlichem Raum, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenleben. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Wo Graffitisprayer konsequent verfolgt werden, geht die Zahl der Taten zeitweise zurück. Gleichzeitig bleibt das Problem präsent und verlangt nach dauerhaften, ausgewogenen Lösungen. Wie erfolgreich diese sein werden, entscheidet sich nicht über Nacht – sondern im Alltag der Städte und Gemeinden.







