Zahnmedizin im Harz
Zahnmedizin-Premiere in Wernigerode: Neues Fortbildungsmodell bringt mehr als 700 Teilnehmer in den Harz

Zahnmedizin im Harz

Mehr als 700 Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxisteams sind zu den 33. Fortbildungstagen nach Wernigerode gekommen. Erstmals wurde die etablierte Veranstaltung der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt in dieser Form gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), ihrer Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) und dem Deutschen Zahnärztetag ausgerichtet. Ob das in Wernigerode erprobte Kooperationsmodell künftig auch andernorts aufgegriffen wird, ist noch offen.
Wernigerode, 23. September 2026. – Für zwei Tage ist Wernigerode zu einem überregionalen Treffpunkt der Zahnmedizin geworden. Am 18. und 19. September fanden im Harzer Kultur- und Kongresshotel die 33. Fortbildungstage der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt statt. Neben neuen Behandlungsmethoden und wissenschaftlichen Erkenntnissen stand diesmal auch die Struktur der Veranstaltung selbst im Blickpunkt.
Denn die Fortbildungstage in Wernigerode gingen erstmals mit einer besonderen Zusammenarbeit über die Bühne. Beteiligt waren neben der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, kurz DGZMK, deren Akademie Praxis und Wissenschaft sowie der Deutsche Zahnärztetag.
Nach Angaben der DGZMK war es das erste Mal, dass eine Landeszahnärztekammer ihre Fortbildungstage in dieser Konstellation gemeinsam mit DGZMK, APW und Deutschem Zahnärztetag veranstaltete. Auch die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt spricht in ihrem Rückblick von einer Premiere und verweist darauf, dass DGZMK und APW gemeinsam mit dem Deutschen Zahnärztetag erstmals bei einer solchen Länderveranstaltung zu Gast waren.
Die Resonanz auf das neue Format war groß. Mehr als 700 Zahnärztinnen, Zahnärzte und Mitglieder von Praxisteams kamen nach Angaben der Veranstalter zu den Fortbildungstagen nach Wernigerode. Auch die begleitende Industrieausstellung war laut DGZMK vollständig ausgebucht.
Die Zusammenarbeit war lange vorbereitet. Schon Monate vor der Veranstaltung hatte die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt ihre Fortbildungstage als Kooperation mit DGZMK und APW angekündigt. Im Fortbildungskalender für 2026 wurde ebenfalls auf die besondere Konstellation hingewiesen.
Unter dem Motto „Die ganze Zahnmedizin aus Wissenschaft und Praxis“ sollte ein breites fachliches Spektrum abgebildet werden. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Christian Gernhardt aus Halle. Gernhardt ist Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt und zugleich Vorsitzender der APW.
Nach Darstellung der DGZMK hatten der damalige Vorstand der Zahnärztekammer und Gernhardt die Voraussetzungen für die Kooperation geschaffen. Das wissenschaftliche Programm wurde anschließend unter Beteiligung von DGZMK und APW entwickelt. Damit traf die regionale Fortbildungstradition der Zahnärztekammer auf die wissenschaftlichen Strukturen der bundesweit tätigen Fachgesellschaft.
Mehr als 700 Teilnehmer kamen zu den 33. Fortbildungstagen der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt nach Wernigerode. Neu war die gemeinsame Umsetzung mit DGZMK, APW und Deutschem Zahnärztetag in dieser Form.
Inhaltlich blieben die Fortbildungstage ihrem praxisnahen Anspruch treu. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten mit Fragen verbunden werden, die Zahnärztinnen und Zahnärzte im Berufsalltag beschäftigen.
Zu den Referenten gehörte der Rechtsmediziner Prof. Dr. Rüdiger Lessig aus Halle. Sein Festvortrag widmete sich der forensischen Zahnmedizin. Das Fachgebiet spielt unter anderem dort eine Rolle, wo zahnmedizinische Befunde zur Identifikation von Menschen herangezogen werden.
Prof. Dr. Roland Frankenberger aus Marburg beschäftigte sich mit dem Stand der Füllungstherapie nach dem Amalgam-Aus. Frankenberger soll zugleich die wissenschaftliche Leitung der Fortbildungstage in Wernigerode im kommenden Jahr übernehmen.
Das Programm richtete sich allerdings nicht nur an Zahnärztinnen und Zahnärzte. Für Praxisteams gab es einen eigenen Fortbildungsbereich. Nach Angaben der Veranstalter standen dort unter anderem Prophylaxe, Abrechnung, Kommunikation und die Assistenz bei endodontischen Behandlungen auf dem Programm. Damit bildeten die Fortbildungstage unterschiedliche Bereiche des Praxisalltags ab.
Mit der Tagung war zugleich eine wissenschaftliche Auszeichnung verbunden. Am 18. September wurde in Wernigerode der Deutsche Millerpreis 2026 vergeben. Ausgezeichnet wurden Priv.-Doz. Dr. Eva Paddenberg-Schubert, Dr. Sebastian Krohn und ihr Forschungsteam für Arbeiten zur Echtzeit-Magnetresonanztomografie der Kiefergelenke.
Die Preisverleihung setzte einen zusätzlichen wissenschaftlichen Akzent innerhalb der Veranstaltung. Daneben blieb Raum für einen Teil jener Tradition, die sich über Jahrzehnte rund um die Fortbildungstage entwickelt hat. Zum Rahmenprogramm gehörte erneut der traditionelle Bierabend, der nach Angaben der DGZMK seit mehr als 30 Jahren Bestandteil des Treffens ist.
Bei der Einordnung des neuen Kooperationsmodells kommt es auf eine wichtige Unterscheidung an. Die Premiere bedeutet nicht, dass Landeszahnärztekammern zuvor grundsätzlich nie mit der DGZMK oder ihrer Akademie zusammengearbeitet hätten. Eine derart weitreichende Aussage ist nicht belegt.
Neu war vielmehr das konkrete Format: Nach übereinstimmender Darstellung der beteiligten Organisationen kooperierte bei ihren Fortbildungstagen erstmals eine Landeszahnärztekammer in dieser Konstellation mit DGZMK, APW und Deutschem Zahnärztetag.
Das ist auch deshalb relevant, weil die beteiligten Organisationen unterschiedliche Ebenen der zahnmedizinischen Fortbildung vertreten. Die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt organisiert Fortbildungsangebote für den Berufsstand im Land. Die DGZMK bildet als wissenschaftliche Fachgesellschaft einen überregionalen Rahmen für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Die 1974 gegründete APW wiederum konzentriert sich auf Fortbildung und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die zahnmedizinische Praxis.
Bei den Fortbildungstagen in Wernigerode liefen diese Strukturen nun innerhalb einer gemeinsamen Veranstaltung zusammen. Der Veranstaltungsort im Harz war damit nicht lediglich Kulisse für einen Fachkongress, sondern Schauplatz der ersten Umsetzung dieses Modells.
Die Fortbildungstage gehören seit Jahren zum Veranstaltungsgeschehen in Wernigerode. Die diesjährige Ausgabe bekam durch die Zusammenarbeit mit den bundesweit tätigen Fachorganisationen jedoch eine zusätzliche Reichweite. Mehr als 700 Fachbesucher, eine ausgebuchte Industrieausstellung und ein wissenschaftliches Programm mit überregionalen Referenten unterstreichen die Größenordnung.
Für die Harzstadt bedeutete die Veranstaltung zugleich, für zwei Tage Gastgeber eines bundesweit ausgerichteten Treffens der Zahnmedizin zu sein. Gerade die Verbindung aus langjähriger Fortbildungstradition und neuer Organisationsform machte die 33. Ausgabe besonders.
Ob daraus ein Modell für weitere Veranstaltungen anderer Landeszahnärztekammern entsteht, lässt sich derzeit nicht sagen. Konkrete Folgekooperationen mit anderen Kammern wurden bislang nicht benannt. DGZMK-Präsident Prof. Dr. Dr. Peter Proff machte in Wernigerode allerdings deutlich, dass die wissenschaftliche Gesellschaft regionale Veranstaltungen bis zur nächsten Gemeinschaftstagung im Jahr 2031 unterstützen will.
Damit ist zumindest die Perspektive für weitere regionale Zusammenarbeit angelegt. Welche Form sie annimmt und ob andere Kammern dem Wernigeröder Beispiel folgen, bleibt abzuwarten.
Die 33. Fortbildungstage markieren deshalb einen ungewöhnlichen Punkt in der langen Geschichte der Veranstaltung. Die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt behielt ihr etabliertes Format in Wernigerode bei, öffnete es zugleich aber für eine engere Zusammenarbeit mit DGZMK, APW und Deutschem Zahnärztetag.
Der fachliche Kern blieb dabei unverändert: wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Zahnmedizin und Fortbildung für Praxisteams zusammenzubringen. Neu war die institutionelle Verbindung dahinter. Gerade sie macht die Veranstaltung über Sachsen-Anhalt hinaus interessant.
Ob aus der Premiere eine dauerhafte Struktur wird, entscheidet sich nicht in Wernigerode allein. Fest steht bislang nur: Das neue Kooperationsmodell ist erstmals erprobt worden – vor mehr als 700 Teilnehmern und im Rahmen einer Veranstaltung, die in der Harzstadt bereits seit Jahrzehnten ihren festen Platz hat.
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